Ist die Bürgerschaft zu doof?

Der Hinweis kam aus der Leserschaft von AGORA: bereits  jetzt steht auf der Homepage von LA die Vorankündigung zum Uferfest 2020. Darunter ein Text, der die Ursprünge des Uferfestes darstellen soll, vermutlich von einem Ghostwriter der Verwaltung geschrieben, hier ein Auszug daraus:

„Je näher der Endtermin für die Aufschüttung kam, desto mehr wurde innerhalb der Bevölkerung Kritik an diesem Projekt geübt. Nahezu alles wurde kritisiert, so entstand zum Beispiel Unverständnis für die hügeligen Gartenanlagen. „Da kann man ja gar nicht richtig mähen und das Ufer wird wohl zusehends verwildern!“ so die Bedenken der Langenargener.“ 

Der gesamte Text findet sich hier.

Es wird die Kritik Bürgerschaft aus der Zeit der Anfänge des Uferfestes im Jahr 1976 als etwas Negatives, Dummes bloßstellt. Ja, derText zeigt sogar: Seht her, schon damals wart ihr „Untertanen“ zu einfältig, habt die Neuerung nicht durchschaut, habt „nahezu alles kritisiert“, habt erst Jahre später begriffen! Hat man vielleicht damals schon zu wenig informiert, geredet, moderiert oder erklärt? Man schrieb ja erst das Jahr 1976!

Als mitdenkende(r) Leser*in wundert man sich schon, dass so ein Text, der die Vergangenheit ohne Grund -kein Jubiläum steht an- in dieser Form behandelt, jetzt schon mit der Ankündigung des Termins zum Matchrace 2020 auf der offiziellen Homepage der Gemeinde steht.  Sonst ist man dort eher nachlässig mit der Aktualisierung.

Man fragt sich, wer diesen Text zu verantworten hat.  Wer hat einem möglichen ghost-writer die Hand beim Schreiben geführt? Im Zweifel der Bürgermeister! Vielleicht griff er ja auch selbst zur Feder! Er ist verantwortlich für den Inhalt der Gemeinde-Homepage. Die Tatsache, dass hier bereits auf 2020 verwiesen wird, das Jahr der BM- Wahl, lässt tief blicken. Warum jetzt dieser Text? Wie lautet seine Botschaft?

Lautet sie vielleicht, dass die Bürger*nnen damals wie heute unmündig sind? Wird unterstellt, dass sie damals wie heute erst später merken, dass die Entscheidungen gut für sie sind, die der BM und einige Gemeinderäte treffen. Und was ist gut für die Bürgerschaft? Heute beispielsweise die zahlreichen Toiletten, die unsäglichen Pflasterungen, die Eingriffe in das Stadtbild an der Promenade oder das Auflehnen gegen die Bebauung „Mooser Weg“. Und ja, wir haben eine repräsentative Demokratie, trotzdem darf man auch Entscheidungen, die Gremien treffen, anschließend kritisch hinterfragen!

Dass ein solcher Text auf der Homepage der Gemeinde steht, ist einfach nur peinlich und inakzeptabel! Ein Bürgermeister muss Kritik aushalten, er ist auch für diese kritisierenden Bürger*innen da. Sogar für die, die ihn nicht gewählt haben. Und wir sind nicht  mehr  im Jahr 1976, in dem vielleicht zu wenig Beteiligung ermöglicht wurde! Heute vertritt man eine „Politik des Gehörtwerdens“, die gelingt natürlich auch nicht immer.Allerdings muss ein Bürgermeister auch gewillt sein, seinen Kritikern Gehör zu schenken!

Vielleicht ist der Text ja ganz anders gemeint, aber eins muss klar sein: die Bürgerschaft ist nicht doof!

2 Antworten auf “Ist die Bürgerschaft zu doof?”

  1. Extrem peinlicher Text auf der Homepage der Gemeinde, wie sollte es auch anders als Beschrieben interpretiert werden? Möge es hoffentlich ein dummer, laxer Text eines Azubis sein, dann wäre es entschulbar.
    Wann wird endlich mal in manch Köpfen ankommen, dass Kritik zur Qualitätssicherung dient?

    P. Jocham

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