Eine zufriedene Mehrheit

Gewagte These

„In der Fragerunde geht es rund“ titelt Andy Heinrich in der Schwäbischen Zeitung vom 25. Oktober 2019 zur vergangenen Einwohnerversammlung und schreibt im Zusammenhang mit den gestellten Fragen weiter: “ Wobei eine Mehrheit mit der Arbeit der Verwaltung zufrieden schien.“

Welche Mehrheit meint er damit? Die Mehrheit der von ihm geschätzten 80 Besucher, die aufgrund des mangelhaften Zeitmanagements bei der Durchführung der Einwohnerversammlung nicht die Möglichkeit bekam zu fragen?

Oder meint er diejenigen, die durch die von ihm überhaupt nicht erwähnten Störer andere daran hinderten, ihre vielleicht kritischen Fragen aus Angst vor Reaktionen aus den hinteren Stuhlreihen zu stellen? Sie wären damit möglicherweise Opfer weiterer Verbalattacken geworden. Diese Mehrheit wirkt für ihn zufrieden, weil sie nichts fragt? Nur weil die schweigende Mehrheit nichts fragt, kann daraus nicht geschlossen werden, dass sie zufrieden ist. Einige Zuhörer*innen haben den Saal vorzeitig verlassen, nachdem andere Fragende immer wieder unterbrochen wurden.

Und bedeutet es dann folglich, dass die nicht anwesende Mehrheit der 7800 Einwohner von LA automatisch mit der Verwaltung zufrieden ist? Es könnte ganz einfach bedeuten, dass sie nicht kamen, weil sie derartige steife „Top-Down“- Veranstaltungen der Verwaltungsspitze nicht mehr ertragen können.

Aber vielleicht hat er es ja alles ganz anders gemeint.

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Aktualisierung 26.10.2019, 8.15 Uhr

  1. „Man solle nicht zu viel Wasser in den süßen Wein schütten, forderte Achim Krafft“. Analog der Theologie, könnte man meinen, zum neuen Wein benötigt man dringend neue Schläuche! Auch schätzt der Önologe gelegentlich einen Sauternes, ein goldener Wein. Ebenso wertvoll wie die „Goldene Regel“ ! Ein respektvolles und wertschätzendes Verhalten konnten ich im Dialog der kontroversen Mit-Bürger und des hilflos wirkenden Leiters während des Dissens nicht erkennen…. Manche empfinden süßen Wein als gepanscht. Die Österreicher hatten damit leidvolle Erfahrungen gesammelt.
    Unterhaltsam auch, wie von der Schwäbischen Zeitung (Moin, Herr Grothe) eine zufriedene, aber imaginäre Mehrheit auf’s Zeitungspapier gezaubert wird. Die Kristallkugel der Redaktion würden wir auch gerne einmal nutzen. Welcher Ressort ist das dort? Leider isoliert der interkulturelle Graben gewisse Entitäten zunehmend. Ein Schmankerl des Schwäbischen Volksmunds: „Nix gesagt, sei genug gelobt.“ Dieser antiquierten Haltung entsprechend, können Rückschlüsse auf zeitgenössische politische Ereignisse sehr trügerisch und fehlerhalt sein. Wie sonst ist z.B. die rasant schwindende Wählerbeteiligung bei manchen Gemeindewahlen zu beurteilen?
    Beispiels Weise ist es erstaunlich, dass ein Amt mit einer Mini-Wahlbeteiligung von 50% und weiter mit einer nominalen „Mehrheit“ von 53% ausgeübt werden darf. So ein Ergebnis bildet keinesfalls die Mehrheit der Wahlberechtigten ab.
    Wird ein Konzert, Zirkus oder ein Dorffest nicht besucht, dann liegt das meist an der Performance des auftretenden Künstlers. Wenn das Publikum fernbleibt, ist das oft der zweifellose Ausdruck von Desinteresse oder Missbilligung! Es ist ein zilvilgesellschaftliches Statement, ein sehr deutliches Votum gegen die politischen Treuhänder oder gegen die Spektakel veranstaltenden Gauckler und Musikanten. Der süße Wein verursacht nur Rauschen und Kopfschmerzen!

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