Ad-hoc Empfehlungen


Der Deutsche Ethikrat

Der Deutsche Ethikrat hat hier ad hoc gesprochen und geschrieben. Als „Ad-hoc“ -Handlung wird umgangssprachlich oft eine Handlung aus dem Stegreif verstanden, ist jedoch als eine sehr durchdachte Anleitung für eine aktuell schwierige Situation wie die Corona-Krise zu begreifen.

Der  Deutsche  Ethikrat  ist ein unabhängiger  Sachverständigenrat, der „die ethischen, gesellschaftlichen, naturwissenschaftlichen, medizinischen und rechtlichen Fragen sowie die voraussichtlichen Folgen für Individuum und Gesellschaft verfolgt, die sich im Zusammenhang mit der Forschung und den Entwicklungen insbesondere auf dem Gebiet der Lebenswissenschaften und ihrer Anwendung auf den Menschen ergeben.“.

Es geht in der ausführlichen Version auch um das Thema Triage. Im Fall der Fälle gibt es dort einen Punkt mit der Überschrift „Bewältigung dilemmatischer Entscheidungssituationen„, der lesenswert ist.

Aber auch um das Verhältnis von Politik und beratender Wissenschaft geht es. So schreiben die  Autoren dieser Empfehlung, dass es nicht nur eine Überforderung der Wissenschaft wäre, wollte man von ihr eindeutige Handlungsanweisungen fürpolitische Entscheidungen verlangen. Es widerspräche dem Grundgedanken demokratischer Legitimation, würden politische Entscheidungen umfassend an die Wissenschaft delegiert. Wissenschaftliche Beratung der Politik sei wichtig, sie könne und dürfe diese aber nicht ersetzen. Denn wissenschaftliche Erkenntnisse geben, so die Verfasser, keine hinreichende Auskunft über die Art und Weise ihrer Anwendung. Das sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die im rechtlichen Rahmen von der demokratisch verantwortlichen Politik wahrzunehmen sei.

Einschätzung:

Es geht in den obigen Zeilen u.a. um den Vorwurf, dass Wissenschaft  Politik mache und wir unter dem Regime der sog.  „Virolokratie“ stünden.

Wissenschaft ist frei und muss kontrovers diskutieren dürfen. Das sieht man im Ringen der Virologen um den richtigen Weg aus der  Krise. „Trial and error“: Das ist  wissenschaftliche  Arbeit. Immer wieder überprüfen, verwerfen, wieder überprüfen und schließlich zu einer Meinung im Diskurs mit anderen kommen. Aber auch Fehler einräumen. Davon  lebt  die  Wissenschaft.

Fatal ist leider, dass wir uns alle mitten in diesem wissenschaftlichen  Versuch im globalen  Labor befinden, wir alle zusammen. Das macht das Unternehmen so schwierig, ein  Unternehmen, das der Deutsche Ethikrat unter der Überschrift „Solidarität  und  Verantwortung in der Corona -Krise“ mit Empfehlungen begleitet, der jedoch nicht der Politik die Verantwortung abnehmen kann und darf. Es gut zu wissen, dass es dieses Gremium gibt. Und es gut zu wissen, dass es qualifizierte Forschung gibt, die oft im Zusammenhang mit der Klimakrise durch manchen Verschwörungstheoretiker zu Unrecht angezweifelt wurde.

Die Klimakrise gibt es übrigens immer noch. Es zeigt sich aber, dass die Luftverschmutzung durch den aktuellen „Shut-down“abgemildert ist. Vielleicht denkt man auch dieser Hinsicht demnächst gemeinsam über die Zukunft nach. Die Gruppe „ sientists for future“, die sich bei Frydays forFuture (FFF) einbringt, forscht dazu seriös. Alles hängt mit allem zusammen. Das sagt auch die Umweltbundesministerin Svenja Schulze hier.

Für jüngere Leser+innen hier die ethischen Fragen in leichter Sprache

Aktualisierung : 5.4.2020, 15.46 Uhr