Lokale Presse-Küche


Einseitige  Ernährung

In dem  aktuellen Newsletter der Zeitschrift  KOMMUNAL ist ein Beitrag über eine Studie zu lesen, die zu dem  Schluss  kommt, dass die Lokalzeitungen in 40 Prozent aller Kommunen in Deutschland schon in fünf Jahren nicht mehr wirtschaftlich sein werden. In 4400 Gemeinden droht somit das Sterben der Lokalzeitungen. Die Studie verweist auf einen wichtigen Punkt: Auf den Zusammenhang zwischen dem Sterben der Lokalzeitungen und der Bedrohung  von Demokratie. KOMMUNAL zitiert in dem betreffenden Beitrag den Politikwissenschaftler Daniel Kübler von der Universität  Zürich: „“Es würde zu einer Entfremdung zwischen Gemeindepolitik und Bevölkerung kommen. Letztens wurde ich gefragt, ob das für die Gemeindepolitiker nicht auch angenehm wäre – schließlich würde niemand mehr kritisch über sie berichten. Aber diese Sichtweise ist falsch. Weil die Politik mit der Bevölkerung abgestimmt sein muss. Wenn sie es nicht ist, kann es sein, dass Politiker etwas beschließen, das völlig gegen die Interessen der Bevölkerung gerichtet ist. Dann kann es zu Protesten kommen. Die Politik würde so unberechenbar, das wäre auch für die Behörden ein Problem.“

Wie ist das bei uns?

AGORA stellt immer wieder im direkten Umfeld fest, dass besonders die jüngere Generation keine lokale Zeitung liest. Sie wissen manchmal gar nicht, was lokal „abgeht“. Erst wenn es sie direkt hinter ihrem Gartenzaun betrifft, werden sie aktiv oder fragen beispielsweise bei AGORA nach. Oft stellt sich heraus, dass sie nur aus der Gerüchteküche ihre lokale Nahrung  beziehen und bereits nach der Vorspeise ein Sättigungsgefühl empfinden, das  jedoch den Gehalt der Nahrung aus dieser Küche der Mutmaßungen nur schwer erahnen lässt.

Aber selbst wenn man sich für ein gehaltvolleren und variantenreichere Ernährung auf  lokaler Ebene entscheiden wollte, gelingt dies hier in LA kaum. Man nehme das  Beispiel der Berichterstattung der letzten Gemeinderatssitzung. AGORA berichtete u.a. hier. Wir haben nur eine Nahrungsquelle. Die Variante „Montfortbote“ ist keine Lösung. Dort bekommt man nämlich oft Aufgewärmtes aus der Schwäbischen Zeitung wie häufig im redaktionellen Teils (nicht zu verlinken) des Montfortboten MoBo zum Thema Einwohnerversammlung auf Seite 6 der Ausgabe Nr.24.

Übrigens beim Thema der Einwohnerversammlung in Coronazeiten, die nach dem  Motto „Wer zuerst kommt, ist da“ stattfinden soll, wird nicht über die Möglichkeit von Streamingdiensten nachgedacht. Für die  Gremiumssitzungen als Videokonferenz  hat der Landtag BW am 7.05.2020 bereits grünes Licht gegeben. Für Veranstaltungen gelten diese Regelungen. Auch andere Medien wundern sich hier über die Unbekümmertheit des einladenden Bürgermeisters und Kommunal liefert hier ebenfalls eine interessante Fortbildung zur digitalen Bürgerversammlung.

Der amtliche Teil des Amtsblattes darf nicht als Meinungssprachrohr der Verwaltung  missbraucht  werden. Darüber wurde hier berichtet. Dass die Berichterstattung (§ 20 GemO) der Verwaltung im amtlichen Teil des MOBO von letzter Woche schon mehr als „allgemein bedeutsame Angelegenheiten der Gemeinde“ beinhaltete, wurde z.B. im Zusammenhang mit den Begrifflichkeiten „unstrittige Zeitenfolge“ oder die  Nichterwähnung der Diskussion um die Befangenheit eines Gemeinderates ausführlich durch  AGORA dargestellt. Der sogenannte „Bericht aus dem Gemeinderat“ liegt in der Verantwortung des amtierenden und im Herbst erneut zur Kandidatur stehenden  Bürgermeisters Krafft. Das muss man im Hinterkopf behalten.

Und was ist jetzt mit den wirtschaftlichen Problemen der Lokalpresse? Vielleicht geht es  der Schwäbischen Zeitung ja wirtschaftlich besser als anderen Lokalzeitungen? Eine meinungsbildende, kritische Berichterstattung ist wichtig.

Wenn sie wegfallen würde, bliebe noch AGORA. Nur AGORA wäre auch nicht erstrebenswert für die Pressevielfalt. . .

AGORA ist nicht wirtschaftlich, hat jedoch nun ein Spendenkonto: DE 807601 0085 0975 1838 52 Postbank, Stichwort: AGORA-LA, s. auch Impressum

Damit es nicht zu  einer einseitigen Ernährung  kommt!