Motoryacht und Gondelhafen


Schiffe versenken?

Langenargen spricht hinter vorgehaltener Hand, aber auch offen. Worüber? 

Über die „Geister- Motoryacht“, die in der letzten Woche im Gondelhafen der Gemeinde LA mehrere Tage vor Anker lag.Im „Städtle“ an Land wurde Seemannsgarn gesponnen. Nur Käpt‘n Blaubär könnte es besser.

Deshalb hat AGORA recherchiert, um die Hintergründe zu klären:

Es gibt eine Hafenordnung für den Gemeindehafen LA. Dort ist alles geregelt. Es gibt keine  Einschränkungen für große  Schiffe. Die Gastliegeplatzgebühren wurden in der  Gemeinderatssitzung vom Juli 2017 laut  Kurz-Protokoll folgendermaßen festgelegt:

Gastliegeplatzgebühren:

Erhöhung der Gastliegeplatzgebühren auf 15,00 € pro Boot ab 2018. Die Gastliegeplatzgebühren werden bereits ab 16.00 Uhr erhoben (bisher 18.00 Uhr). Ab 9m Bootslänge wird die doppelte Gebühr, d.h. 30,00 € / Nacht, erhoben.

Der SÜDKURIER berichtete  darüber hier.

Soweit, so gut. AGORA greift zum Hörer: Rücksprache mit dem Pächter des Gemeindehafens, i.e. das Match- Center. Die stellvertretende Geschäftsleiterin, Antonia Apfelbeck, gibt Auskunft. Sie wurde zu dem Thema „Geisterschiff“ bereits mehrfach  angerufen und ist offensichtlich froh, dass sie zur Aufklärung  beitragen kann. Aufgebrachte Bürger*innen hätten z.B. vermutet, dass für das Boot dort keine Gebühren bezahlt werden müssten. . . Dieses Boot habe jedoch die doppelte Gebühr wegen Überlänge bezahlt und hätte bereits häufiger entweder im Langenargener Yacht-Hafen oder eben im Gondelhafen festgemacht, so Apfelbeck. Alles sei regelkonform abgelaufen. „Wir sind froh, dass nach der Coronazwangspause  überhaupt  wieder  Gäste nach Gastliegeplätzen fragen“, sagt sie. Es sei auch niemandem der Liegeplatz weggenommen worden. Den Einwand, dass das Schiff für den kleinen  Hafen überdimensioniert wirke, ließ sie nicht gelten, da es laut Hafenordnung keine Einschränkungen für diese Schiffe gebe.

Einschätzung:

Die Diskussion, ob große Schiffe für den Hafen vielleicht überdimensioniert sind und der Beschaulichkeit des Gondelhafens im Umfeld schaden, kann man führen, wenn man das tatsächlich will. Aber dann in den entsprechenden Gremien. Diese Beschaulichkeit wurde sowieso bereits  durch den  Terrassenvorbau beim Seevital zerstört. Die Diskussion, ob man auf ein ein solches Boot aus Gründen des Umweltschutzes vielleicht verzichten sollte, müsste auch anderer Stelle geführt werden. Solange diese großen Motorboote auf dem See zugelassen sind, sind sie auch in den Häfen am Bodensee willkommen. Das ist in LA im kleinen Gondelhafen so wie in Venedig vor Corona in der Debatte um die Kreuzfahrtschiffe.

Dass die Eigner solcher Schiffe nicht zu den Bedürftigsten unserer Gesellschaft gehören, dürfte klar sein. Die Diskussion über soziale Ungleichheit gerade in Zeiten der Pandemie muss jedoch ebenfalls an anderer Stelle geführt werden. Die Einschätzung des Armutsforschers Prof. Christoph Butterwegge dazu kann man hier nachlesen.