Wenn der Bauhof kommt…


geht’s flott und international

Um 8 Uhr  ging’s los: Umzug in die neue Unterkunft, die keiner kannte. In weniger als zwei Stunden  war alles  erledigt dank der starken Männer vom Bauhof und hilfreichen Händen anderer afghanischer Kumpels. Sozusagen ein gemeinsames Projekt  zur Integration. Vielen  Dank!

Während die 3-jährige  Tochter seelenruhig schlief, wurde  um sie herum alles abgebaut  und eingeladen, so dass sie wohlbehalten und  ohne Stress in der neuen  Wohnung aufwachte.

Es wäre wirklich  schön gewesen, wenn man ein paar Tage eher dort hätte putzen oder  streichen können. Es war zwar oberflächlich sauber, aber die Wände waren völlig verdreckt und beschmiert. Die Frage, warum die Wände so aussehen und ob man streichen dürfe, beantwortete der Integrationsbeauftragte so: „Man streiche normalerweise nicht , weil die Eingewiesenen so oft wechseln.“ Es wurde jedoch gnädig die Erlaubnis erteilt, alles einheitlich weiß zu streichen.

Auch hätte man bei vorzeitiger Bekanntgabe der Adresse dann festgestellt, dass der Herd nicht warm wird und  völlig verdreckt war. Auch zahlreiche andere Mängel hätten festgehalten werden können. Auf die Frage nach einem Übergabeprotokoll, wie es in der Satzung der Obdachlosenunterkünfte von LA unter §7,2 verlangt wird, antwortete der Integrationsbeauftragte Meinel: „Das ist kein normaler Mietvertrag, das ist nicht üblich.“

Ebenso wäre es der Job des  Integrationsbeauftragten gewesen, die Familie in der Nachbarschaft kurz vorzustellen. So musste man sich direkt  anhören, dass die ausländischen  Vormieter nicht ordnungsgemäß gegrüßt  hätten. Dafür solle  ich  doch  dann mal sorgen. . . Wir haben dann versprochen das zu üben . . .Hoffentlich geht das nachbarschaftliche  Zusammenleben diesmal gut! Aber dafür wird  sicher das Integrationsmanagement sorgen, wenn es die neue Stelle  gibt. 

Oder ein gutes afghanisches  Essen. . . . natürlich  mit  Reis. Einer der Söhne hatte die  Pfanne  mit  vorgekochtem Reis  aus der alten  Unterkunft samt roher Eier gerettet und saß damit  glücklich hinten in meinem  Auto. Damit  kann man dann die Zeit ohne Herd bei so vielen schwer arbeitenden Familienmitgliedern allerdings nur kurzzeitig überbrücken.

Vielen Dank also nochmals besonders an die Mitarbeiter des Bauhofes auch im Namen der  Familie!

  1. Ergänzung: Leider hat sich rausgestellt, dass der Herd erst am nächsten Dienstag repariert werden kann. Also wurde schnell wenigstens eine einzelne elektrische Kochplatte gekauft. Wenigstens zum Reis-Kochen! Der von gestern aus dem Auto ist nämlich längst weg!

Hätte man vorher Zugang zu der Wohnung bekommen, wäre das aufgefallen! Können Sie sich 8 Personen ohne Herd bis Dienstag vorstellen?

Und noch etwas: Die Wände waren heute Morgen dank großer Hilfe aus der afghanischen Community schon fast alle gestrichen. Die Farbe wird mit Spenden aus der Langenargener Bevölkerung finanziert. Vielen Dank!

28.8.2020 15.23Uhr

2.Ergänzung :

AGORA kann Ihnen das nicht ersparen: Im Rahmen der neuen Verbindungen durch die afghanische Familie und deren Helfer hat AGORA Kenntnis über die Verhältnisse in anderen Anschlussunterkünften, die im Gebiet des Gemeindeverwaltungsverbandes Eriskirch-Kressbronn-Langenargen (GVV EKL) herrschen. Die Verantwortung liegt auch hier im Moment beim Verbandsvorsitzenden BM Krafft. Direkt zuständig ist der Integrationsbeauftragte beim GVV Meinel. In Kressbronn lebt beispielsweise eine schwangere Frau mit ihrem Kind und Mann in einem Zimmer, ihre heruntergekommene Küche befindet im Keller des Hauses. Der Herd, der selbst gekauft wurde, funktioniert nicht.

Die Anschlüsse sind gekappt. Im oberen Teil des Hauses leben auch unter erbärmlichen Eltern und Geschwister. Der Vater hat einen Schlaganfall erlitten. Auf deren Herd funktioniert nur eine Herdplatte. Das Haus selbst ist innen vollkommen marode.

Keine Frage: Wohnraumbeschaffung für die geflüchteten Menschen ist es nicht leicht, aber man müsste mal darüber reden.

Auch Kressbronn führt diese Unterkunft in ihrer Liste der Obdachlosenunterkünfte. Jede Person zahlt 185€ .

Gesehenvon einer Leserin in einem Schaufenster in Bregenz

  1. Nach dem Krieg hatte die Bundesrepublik Millionen Flüchtlinge aus dem Osten aufgenommen. Hierzu zählen z.B. die Siebenbürger Sachsen. (https://www.siebenbuerger.de/baden-wuerttemberg/landesgruppe/kreisgruppen/aalen/) Die Geschichtsbücher dokumentieren das Leben, die Herkunft sowie die Flüchtlingswanderungen auch aus Rumänien. Vielleicht erinnert sich so mancher politischer Amtsträger? Vielleicht können manche auf ihre eigene Familiengeschichte zurückblicken? Wie ist das mit dem Bürgermeister von Langenargen?
    In „Satiresenf.de“ ist zu lesen: „Am 8. November 2020 sind in Langenargen Bürgermeister-Wahlen. Es steht zu hoffen, dass die Bürger dort bis dahin nicht vergessen haben, wie rücksichtslos und brutal Krafft hier im Wiederholungsfall (2016: Flüchtlingsrat Baden-Württemberg kritisiert Gemeinde Langenargen) mit Geflüchteten verfährt. Und das übrige Ausfransen dieser Gemeinde nach rechts unter Bürgermeister Achim Krafft sollte an der Wahlurne auch nicht vergessen werden!“

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