Heckenschutz


Friedhof LA

Schon wieder eine Tischvorlage. Das kennt man von der letzten Dezembersitzung. Jetzt schon wieder?  

Aber der Reihe  nach:

Das Thema stand nicht auf der Tagesordnung, lag aber auf dem Tisch. Leider nicht für die Presse. Deshalb war AGORA auf der Pressebank überhaupt nicht im Bilde. Inzwischen hat  AGORA die  Tischvorlage. Es ging um den Friedhof.

Am letzten Freitagmittag war ein Schreiben an die Gemeinderät*innen verschickt worden, das die Ausführungen der Firma 365°freiraum +umwelt aus Überlingen mit dem Thema „Rodung der Hecke und Wegbreite Feld A“ beinhaltete. Auch im Rathaus war das Schreiben erst am Freitag eingegangen. Offensichtlich ist der Firma jetzt erst aufgefallen, dass gemäß der Planung und den Beschlüssen des Gemeinderates, den südlichen Weg am Friedhof 1,50m breit werden zu lassen, nicht möglich ist. Der Weg beträgt dort nur 1,0m. Geplant war, die Hecke zurückzuschneiden, um die erforderliche Wegbreite zu erreichen. Nun stellt man fest, dass dies nicht umzusetzen ist, weil das Wurzelwerk dabei beschädigt werden könnte. Um die gradlinige Wegführung wie geplant zu erhalten, wird empfohlen die Hecke komplett zu roden, so ist in dem Schreiben zu lesen. Darüber sollte also gesprochen werden, kurz vor Schluss der öffentlichen Sitzung.

(c)Zeichnung: °365 freiraum und Umwelt

Nach längerer Diskussion, die auch die Möglichkeit der Planänderung ohne diesen Weg in Erwägung zog, fand sich eine Mehrheit für die Rodung.

Von BM Münder kam gestern (23.02.2021) die folgende Pressemitteilung zur Erklärung für die Öffentlichkeit:

Der südliche Weg des sanierungsbedürftigen Grabfeldes sah im vom Gemeinderat verabschiedeten Konzept eine Breite von 1,50 m vor. Die bestehende Breite zwischen den Gräbern und der derzeit vorhandenen Hecke beträgt teilweise nur etwa 1,0 m. Geplant war ursprünglich, die Hecke stark zu schneiden, um die erforderliche Wegbreite zu erreichen. Das von der Gemeinde beauftragte Planungsbüro rechnet bei den Aushubarbeiten allerdings damit, dass Wurzeln der Heckenpflanzen beschädigt werden und die Gehölze dadurch Schaden nehmen. Über das weitere Vorgehen hat sich der Gemeinderat am 22.02.21 intensiv mit verschiedenen Varianten auseinandergesetzt. Der Erhalt der Hecke hätte zur Folge, dass der Weg nicht geradlinig gebaut werden könnte, da die geplante Wegbreite nur bei angrenzenden leeren Gräbern eingehalten kann, bei belegten Gräbern muss vom Wegverlauf abgewichen werden. Zudem ist der Rückschnitt in einem starken Umfang erforderlich, dass die Hecke bis zum Wiederaustrieb kahl und lückig aussehen würde. Der Gemeinderat hat sich abschließend dafür entschieden, dass für eine geradlinige Wegeführung die bestehende Hecke durch eine neue Eibenhecke ersetzt wird. Ergänzend wird ein Stabgitterzaun eingerichtet, der den alten beschädigten Maschendrahtzaun ersetzt. Dies erleichtert künftig nicht nur den Pflegeaufwand für die Hecke, sondern schont die Wegeführung durch einen neuen Wurzelbestand und gleicht den Charakter dieser Zeile dem Erscheinungsbild des neu angelegten Urnengrabfeldes an. Die Arbeiten hierfür liefen bereits am 23.02.2021 an.“ (Anmerkung AGORA: die PM ist auch auf der Homepage LA hier abrufbar)

Einordnung:

Es ist ein Relikt aus den Tagen von Alt-Bürgermeister Krafft: Es wurde seit Jahren geplant, aber nicht kommuniziert. Ein Entwicklungskonzept für den Friedhof hatte der Gemeinderat im April 2016 (!) beschlossen. Vorgespräche gab es schon 2014/15. Das Problem mit der Hecke wurde offensichtlich all die Jahre verdrängt oder aufgeschoben.

Das erinnert an die Rodung im Schwediwald. Dort hieß es damals auch, es solle nur geschnitten werden.

Nun fällt der beauftragten Firma erst drei Tage vor der Gemeinderatssitzung auf, dass der geplante Weg so nicht zu verwirklichen ist. Der Weg muss also verlegt oder ganz aufgegeben werden. Oder es wird komplett gerodet. Und zwar bevor ab März wegen der Brutzeiten der Vögel nicht mehr gerodet werden darf. Es sei denn, man verzichtet ganz auf den Weg. Das wollte die  Mehrheit des Gemeinderates jedoch nicht, weil die Befürworter der Rodung nicht von ehemals gefassten Beschlüssen abweichen und die Wegführung damit so belassen wollte. Demokratie eben. AGORA war gestern vor Ort, um sich ein Bild zu machen. Da war die Hecke bereits zur Hälfte gerodet. Aus Prinzip.

Vorher
Nachher

Ausblick
Zwergenwuchs gegenüber dem neuen Gräberfeld

Da fragt man sich schon: Wieso hat die Firma, die seit Jahren mit der Entwicklung des Friedhofs betraut ist, ihre Einschätzung erst drei Tage vor der Sitzung zu Papier gebracht? Und wo war eigentlich der verantwortliche Ortsbaumeister Stark die ganze Zeit? Jetzt war er schnell: Unmittelbar nach der Sitzung wurde gestern Morgen begonnen.

Es ist nun die undankbare Aufgabe des neuen Bürgermeisters Münder, der für Transparenz und offene Kommunikation in LA angetreten ist, die unglückliche Vorgehensweise zu rechtfertigen. Genau deshalb gab es die Tischvorlage, damit wenigstens alle Bescheid wissen. Außer der Presse, die bei der Tischvorlage vergessen wurde und in der Sitzung nichts verstand.

Eine Bemerkung noch zur Begräbniskultur: Friedhofsmauern und Einfriedungen durch Hecken haben eine lange Tradition. Sie bedeuten Schutz für die Toten und die Trauernden. Alte Friedhöfe leben von ihren Bäumen und laden zum Verweilen ein. Sie sind keine Treffpunkte mit sterilem Hygienekonzept und praktisch zurückgeschnittenen Hecken. An den Bestattungsriten, Gebräuchen und der Gestaltung der Ruhestätten erkennt man die kulturelle Entwicklung eines Volkes.Sie gehören zur Erinnerungskultur. Sie sind spezifisch menschliche Erscheinungen und unterscheiden uns von den Tieren. Dieser Friedhof liegt nun mit seinen Toten auf dem Präsentierteller. An dieser Stelle und am Heckenweg ungeschützt vor den Blicken der Parkierenden und ihren Autos.

Autoscheinwerfer als „Heckenschützen“?

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