Auf eine Kugel Eis


mit Bürgermeister Ole Münder

So einfach ist das nicht, wenn man sich montags in LA auf eine Kugel Eis zu einem Sommergespräch mit Bürgermeister Ole Münder treffen will. Die Eisdiele hat Ruhetag. Aber die Terrasse des Kavalierhauses hat sich netterweise angeboten. Leer – denn auch hier ist Ruhetag. Tisch und Stühle stehen jedoch dort und wie aus dem Nichts gibt es sogar Espresso, Eis und . . . .Sonne!

AGORA-LA: Was macht denn ein neuer Bürgermeister so in seinem ersten Sommer in LA? 

BM Münder  (lacht): Ich habe eine Woche Urlaub gehabt und mit meiner Familie den See und die Region genossen. Ansonsten gearbeitet, viele Gespräche geführt mit Gewerbetreibenden, Vereinen sowie Bürgerinnen und Bürgern. Aber auch die kommenden Themen im Herbst werden intensiv vorbereitet. 

AGORA-LA: Die erste Sitzungsperiode ist vorbei: Welche Themen waren besonders wichtig, was hat Sie besonders überrascht? 

Überlegt….

Bürgermeister Münder: Ich habe mich bemüht, im Gemeinderat einen neuen Kurs einzuschlagen: Eine konstruktive Diskussionskultur zu pflegen. Auch wenn nicht alle immer einer Meinung sind, ist die lebendige Debattenkultur, die durch gute Vorbereitung der Themen gesichert ist, wichtig. Die Vermittlung der Hintergründe, die zu den Vorlagen der Verwaltung führen, sollten danach auch entsprechend kommuniziert werden, damit die Bürgerschaft den Weg zu den Entscheidungen versteht.

Das Thema Feuerwehrhaus beispielsweise wird die Gemeinde noch länger begleiten, weil sich die Umsetzung der Planungen als sehr schwierig gestaltet. Aber wir wollen durch Gespräche mit allen Betroffenen zu einer Lösung kommen, wenngleich die Klage gegen die Erbbauberechtigten nun eingereicht wurde. Dies schließt jedoch Verhandlungen nicht aus, im Gegenteil. Auch die Themen Wohnen und Baulandentwicklung werden weiterhin im Fokus stehen. Positiv: in nächster Zeit wird durch das Projekt Naturella der Fränkel AG Mietwohnraum für 300-400 EinwohnerInnen geschaffen werden. Dieses Projekt ist ein Glücksfall für die Gemeinde.

AGORA-LA: Gerade zum Ende der Sitzungsperiode hat das Thema Stiftung Heilig Geist für Überraschungen gesorgt. Der Öffentlichkeit war, so hört man, die Konsequenz nicht bewusst, dass das Seniorenheim so nicht zu halten ist. Hatten Sie damit gerechnet? 

Bürgermeister Münder: Eigentlich sollte das Thema in der Öffentlichkeit schon aus der Vergangenheit präsent gewesen sein. Es war schon seit Jahren klar, dass der Standort dort wirtschaftlich nicht zu halten ist. Die Wirtschaftlichkeit einer solchen Einrichtung ist laut Expertenmeinung erst mit 80 Plätzen zu erreichen. Zurzeit gibt es nur 45 Plätze und das Vermögen der Stiftung schmilzt von Jahr zu Jahr. Wichtig ist, dass das Pflegeheim in LA erhalten bleibt, wenngleich nicht an diesem Standort. Dort wird über die Möglichkeit von betreutem Wohnen nachgedacht. Wir haben nach der Sitzung des Stiftungsrates alle KollegInnen der Stiftung persönlich über die Hintergründe der Entscheidung und die Ziele informiert. Das war mir ganz wichtig, denn wir können dieses große Vorhaben nur gemeinsam meistern!

AGORA-LA:  Sie haben ja bereits ein Interview im Ausland gegeben, in unserer Partnergemeinde Arbon ( vgl. hier). Dort sprechen Sie das Thema Tourismus an. Sie meinten, dass mehr Tourismus kaum möglich ist. Können Sie sich trotzdem ein Angebot im Bereich Kultur für die stillere Zeit im Winter für LA vorstellen? Welches Gesamtkonzept für LA als Tourismusgemeinde schwebt Ihnen vor? Ist Nachhaltigkeit ein Thema?

Bürgermeister Münder:  Der Tourismusansturm im Sommer ist schon eine Herausforderung. Das betrifft vor allem das Verkehrsaufkommen, insbesondere den Parkraum suchenden Verkehr, das Thema Müll sowie die geballte Präsenz am Seeufer. Was die stillere Zeit angeht, so glaube ich, dass die Gastronomie sicher in der Winterzeit nach dem sommerlichen Ansturm froh über eine Pause ist. Welche Angebote für die stillere Zeit in Frage kommen könnten, müsste man zunächst eruieren. Viele Menschen, die hier leben, sind froh, wenn sie nach Abschluss der Saison sagen können: „Der See gehört wieder uns.“

AGORA-LA: Viele Themen sind durch die Jahre in der Vergangenheit gesetzt. Freuen Sie sich auf eigene Themen, die Sie gemeinsam mit dem Gemeinderat für LA gestalten können?

Bürgermeister Münder: Oh ja. Zentral bleibt für mich die Bleibeperspektive für Familien in LA und das umfasst eine ganze Reihe von Aspekten. Die eigenen Themen werden ergänzt, wenn man den Menschen zuhört. Wenn man erfährt, was die Menschen wollen und damit was dieser Ort braucht. Corona bedingt war das oft schwierig. Dazu hat sich inzwischen mein Gang am Donnerstag auf den Markt als Treffpunkt für spontane Gespräche sozusagen auf Zuruf als „jour-fixe“ bewährt. Auch steht meine Tür immer offen für Gespräche, wenn es in dem Moment zeitlich passt.

Ein wichtiges Thema wird auch die nachhaltige Ortsentwicklung sein. Hierzu ist die Mitwirkung der Bürgerschaft gefragt, die im Rahmen des Gemeindeentwicklungskonzeptes eine Bürgerwerkstatt ermöglichen soll. (vgl.hier S.2) Es muss jetzt nach dem virtuellen Format wieder ein Präsenzformat geben. Rein virtuelle Veranstaltungen widersprechen meinem Verständnis von Bürgerbeteiligung. Die Menschen müssen direkt miteinander reden können.

Auch die Verkehrsentwicklung soll insgesamt, aber auch partiell, z.B. am Bleichweg, gemeinsam mit der Bürgerschaft angegangen werden. Es werden die betroffenen BürgerInnen einbezogen, die verschiedenen Aspekte beleuchtet und dann wird entschieden. Wichtig ist, dass anschließend über den Weg hin zur Entscheidung die gesamte Öffentlichkeit über die Vor-und Nachteile informiert wird. 

AGORA-LA: Sie sind immer noch nicht vereidigt. Werden Sie Ihre Vereidigung möglicherweise doch noch im Herbst organisieren?

BM Münder ( lacht): Ja, ich hoffe, dass es notfalls auch unter freiem Himmel möglich sein wird, eine Veranstaltung mit allen BürgerInnen, die dabei sein wollen, zu organisieren. Wir hatten zum Jahresanfang ja überlegt, mit einem begrenzten Kontingent von Eintrittskarten die Veranstaltung stattfinden zu lassen. Aber das widerspricht meiner Auffassung von Amtsführung, wenn nur Ausgewählte teilnehmen können. Ich will als Bürgermeister für alle da sein. Da passt es nicht, wenn gerade bei so einer Gelegenheit nicht alle die Möglichkeit haben, dabei zu sein. 

AGORA-LA: Die aktuellen Ereignisse in Afghanistan könnten wieder die Kommunen betreffen. Wäre es ein Anlass für den GVV , die aktuelle Situation der Geflüchteten in den Unterkünften hier in LA in den Blick zu nehmen?

Bürgermeister Münder: Die Ereignisse dort sind absolut dramatisch und in mehrfacher Hinsicht eine Tragödie. Natürlich müssen wir alle Menschen hier im Blick behalten und diejenigen, die unsere Hilfe brauchen, gut betreuen. Hierzu stehen die Kolleginnen und Kollegen der GVV mit den Betroffenen in Kontakt und unsere gemeindliche Aufgabe ist es, adäquate Wohnsituationen sicher zu stellen. Wenn Hilfsbedürftige Schutz in Deutschland suchen, dann müssen sie diesen auch bekommen. Das betrifft im Einzelfall dann natürlich auch uns in Langenargen.

AGORA-LA: Noch eine Frage zur aktuellen Coronalage: Wird es wieder mehr Testmöglichkeiten in LA geben, um die Vorgaben der neuen Corona-Verordnungen zum Schutz der Einheimischen und Touristen zu gewährleisten?

Bürgermeister Münder: Bei den Testmöglichkeiten sind wir gut vorbereitet. Bei den Ärzten am Münzhof stehen Testkapazitäten bereit, ebenso in unseren Nachbargemeinden. Wir sind mit der Hotellerie und Gastronomie in engem Kontakt, um den Bedarf nach Tests fortwährend abzugleichen. Das funktioniert sehr gut! Sollte der Bedarf wachsen, werden zunächst die Ressourcen am Münzhof verstärkt und sollten diese nicht ausreichen, müssen wir auch die kleine Turnhalle wieder in Anspruch nehmen. Aber die zunehmend höhere Impfquote und die zahlreichen dezentralen Testmöglichkeiten in vielen Hotels und gastronomischen Betrieben, die sich gut auf diese Rahmenbedingungen vorbereitet haben, lassen den Bedarf aktuell kaum anwachsen.

AGORA-LA bedankt sich herzlich für das Gespräch!

  1. In Sachen Kultur sind uns der neue Bürgermeister und sein Team etwas schuldig geblieben.Ihnen ist es nicht gelungen, die Veranstaltung „Jazz am Münzhof“ wieder zu beleben. Die Corona-Bedingungen hätten es erlaubt. Jazzbegeisterte Langenargener und Touristen haben vergeblich auf dieses kulturelle Highlight gewartet. Eine entsprechende Veranstaltungsreihe wäre sicher auch in den Herbst-und Wintermonaten im Münzhof möglich. Etwas mehr Kultur wagen, sollte das Motto des neuen Bürgermeisters sein.

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