Zapfenstreich 


Servus 

So, jetzt kommt mal ein wenig Musik in die Bude. Die Musikauswahl von Angela Merkel ist ja seit einiger Zeit Thema in den Medien. Nina Hagens Titel: „Du hast den Farbfilm vergessen“ und Hildegards Knefs „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ musste die Bundeswehr innerhalb kürzester Zeit einüben. „Sportlich“ heißt es von Oberstleutnant Reinhard Kiauka. 

Ehrlich gesagt, so präsent war mir der Text zum Farbfilm nicht. Aber in der ehemaligen DDR muss es ein Hit gewesen sein, jeder dort könne ihn noch mitpfeifen, heißt es. Das zeigt, dass Nostalgiehitlisten noch eher westlich geprägt sind. Nina Hagen kennt man natürlich. Dass es in der ehemaligen DDR schwierig war, abseits „sozialistischer Tanzkultur“ andere Töne zu schaffen, ist bekannt.

Also hier ist der Text des Liedes, an dem sich die Bundeswehr offensichtlich seit Tagen abarbeitet. 

Du hast den Farbfilm vergessen

Nina Hagen

Hoch stand der Sanddorn am Strand von Hiddensee
Micha, mein Micha, und alles tat so weh
Dass die Kaninchen scheu schauten aus dem Bau
So laut entlud sich mein Leid in’s Himmelblau

So böse stampfte mein nackter Fuß den Sand
Und schlug ich von meiner Schulter deine Hand
Micha, mein Micha, und alles tat so weh
Tu das noch einmal Micha, und ich geh

Du hast den Farbfilm vergessen, mein Michael
Nun glaubt uns kein Mensch, wie schön’s hier war haha, haha
Du hast den Farbfilm vergessen bei meiner Seel‘
Alles blau und weiß und grün und später nicht mehr wahr

Du hast den Farbfilm vergessen bei meiner Seel‘
Alles blau und weiß und grün und später nicht mehr wahr

Nun sitz ich wieder bei dir und mir zu Haus
Und such die Fotos für’s Fotoalbum aus
Ich im Bikini und ich am FKK
Ich frech im Mini, Landschaft ist auch da, ja

Aber, wie schrecklich, die Tränen kullern heiß
Landschaft und Nina und alles nur schwarzweiß
Micha, mein Micha, und alles tut so weh
Tu das noch einmal Micha, und ich geh

Du hast den Farbfilm vergessen, mein Michael
Nun glaubt uns kein Mensch, wie schön’s hier war haha, haha
Du hast den Farbfilm vergessen bei meiner Seel‘
Alles blau und weiß und grün und später nicht mehr wahr

Du hast den Farbfilm vergessen
Bei meiner Seel‘
Alles blau und weiß und grün und später nicht mehr wahr

Quelle: Musixmatch

Songwriter: Kurt Demmler / Michael Heubach

Songtext von Du hast den Farbfilm vergessen © Ed. Amiga

Das klingt so harmlos. Aber Nina Hagen schreibt in ihrer Autobiographie :

Wahrscheinlich muss man in der DDR geboren sein, um all die Anspielungen und manchmal recht derben Bezüge zu verstehen, die dieses Lied zur heimlichen Nationalhymne einer ganzen Generation machten. Das Lied trieft vor Ironie; es ist Schlager durch Zerstörung von Schlager. Der Farbfilm atmet im Hintergrund das giftige Grau von Bitterfeld und die Tristesse von Leipzig; es spiegelt die Trostlosigkeit der Arbeitswelten zwischen Akkordschraube und Herumlungern an kaputten Maschinen; es spielt im Milieu einer irren Sehnsucht danach, dieser Schwarzweißwelt zu entfliehen, hin zu Orten voll Farbe und Licht. Da sind die kleinen Fluchten in die Natur, ans Meer, an die endlosen Sandstrände der Ostsee – Rügen, Usedom, Hiddensee -, Fluchten ins private Glück, in ein bisschen erotische Freiheit, die zum Guckloch des Paradieses werden. Aber das Paradies wird eingeholt von der banalen Alltagserfahrung in einem Staat, der knattrige, stinkende Plastikautos, beknackte Badeanzüge und Jahr für Jahr zu wenig Farbfilme hervorbringt.“[3]

Der Text wird hier zitiert. Dort findet man noch andere Einschätzungen zum Leben in der ehemaligen DDR.

Die roten Rosen von Hildegard Knef sagen auch etwas über die Kanzlerin aus : Ich will, will alles oder nichts. . .

Hildegard Knef

Für mich soll’s rote Rosen regnen

Mit 16, sagte ich still
Ich will, will groß sein, will siegen
Will froh sein, nie lügen
Mit 16, sagte ich still
Ich will, will alles oder nichtsFür mich soll’s rote Rosen regnen
Mir sollten sämtliche Wunder begegnen
Die Welt sollte sich umgestalten
Und ihre Sorgen für sich behaltenUnd später, sagte ich noch
Ich möcht‘ verstehen, viel sehen, erfahren, bewahren
Und später, sagte ich noch: Ich möcht
Nicht allein sein und doch frei seinFür mich soll’s rote Rosen regnen
Mir sollten sämtliche Wunder begegnen
Das Glück sollte sich sanft verhalten
Es soll mein Schicksal mit Liebe verwaltenUnd heute, sage ich still
Ich sollt mich fügen, begnügnen
Ich kann mich nicht fügen
Kann mich nicht begnügnen
Will immer noch siegen
Will alles, oder nichtsFür mich soll’s rote Rosen regnen
Mir sollten ganz neue Wunder begegnen
Mich fern vom alten neu entfalten
Von dem, was erwartet, das meiste halten
Ich will, ich will

Quelle: MusixmatchSongwriter: Hans Hammerschmid / Hildegard Knef-schell

Audio: https://www.laut.de/Hildegard-Knef/Songs/Fuer-Mich-Solls-Rote-Rosen-Regnen-951547

Und da ist noch dieses alte Kirchenlied : Großer Gott, wir loben Dich. Dazu schreibt das Sonntagsblatt hier

Es war schon eine lange Zeit. Meine Kinder kannten seit ihrer Volljährigkeit und damit ihrem wahlfähigen Alter nur Angela Merkel als Kanzlerin. . . .

Die Feierlichkeit wird ab 19.30 Uhr im ZDF übertragen.

Ein Kommentar zu „Zapfenstreich 

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  1. Danke für die Erklärungen zu Nina Hagen und Hildegard Knef. Ich mag Nina immer noch und besonders den Song. Als Westdeutsche war der lustig, den tieferen Sinn habe ich jetzt erst verstanden. Frau Merkel hat ein allumfassendes Musikverständnis, bemerkenswert. Man ein kleines bisschen gemerkt, dass es für die Musiker nicht einfach war ;-), Marschmusik geht da doch viel flüssiger. Aber das wäre nicht angemessen gewesen für Angela Merkel

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