Das Leben ist immer lebensgefährlich

So lautete vorgestern der Titel der Veranstaltung mit Lesungen und Musik zum 120.Geburtstag von Erich Kästner in diesem Jahr im Gemeindesaal der  evangelischen  Gemeinde in LA.

Aufgeführt  von Gotthard Bilgeri und  seiner Frau aus Hittisau, die auch  im sogenannten  Amateurtheater  Ensemble 89 in Hittisau  aktiv sind. Die Premiere zu Werken von Kästner hier in LA war alles andere als amateurhaft! In eindringlicher Weise vermochten  Gotthard  Bilgeri und seine Frau Biographisches, aber auch aus Kästners „lyrischer  Hausapotheke“ und  anderen Werken zu rezitieren. Sie lenkten den Blick und das Ohr auf die Texte Kästners, die ihn nicht nur  zum  berühmtem  Kinderbuchautor von „Emil  und  die  Detektive „ oder  „Das doppelte  Lottchen“ reduzierten. Das Trio Claudia Christa( Flöte), Klaus Christa( Bratsche) und  Takeo Sato( Gitarre) gab dazu einen gelungenen Rahmen.

Passend zum heutigen verspäteten  Sommer-Sonntag sei hier exemplarisch sein  Gedicht „Im Auto  über Land“  mit dem unvergessenen Onkel Theobald genannt.

Aber  leider auch passend zu  diesen Tagen sein Gedicht  „Ganz rechts zu singen“aus  dem Jahr 1930, in dem er die  drohende braune  Gefahr  beschrieb. Kästner wurde im Dritten Reich mehrmals verhaftet und später mit Berufsverbot belegt. Als einziger Autor war er bei seiner eigenen Bücherverbrennung unter den Zuschauenden, ist jedoch nie ins Exil gegangen. Ein Fehler, wie er später zugab.

Der Abend lüftete dann natürlich auch so manches Geheimnis um seine diversen Frauengeschichten. Ein Beispiel abgekühlter Liebesglut, die sich in täglicher Routine und Schweigsamkeit verliert, ist sein Gedicht „Sachliche Romanze“

Schön, dass man mit so viel Genuss und schauspielerischem  Können aus dem  benachbarten  Bregenzerwald mal wieder an die humorvollen, aber auch ernsthaften Texte  Kästners erinnert  wurde. Es lohnt sich, sie mal wieder hervorzuholen. Und es lohnt sich auch, die Kulturszene von Vorarlberg mit ihren kleinen, feinen Kulturevents immer wieder im Blick zu haben. Hier sei besonders das Frauenmuseum oder die  Pforte  in Hittisau genannt.