Markdorf zeigt Flagge, bunte Blumen und bunte Ideen
Demonstrieren bei schönem Wetter, das kann jeder. Aber an einem Sonntag bei Schneegestöber und eisigen Temperaturen über 1000 Menschen (laut Veranstalter) unter der Überschrift „Für Demokratie und gegen Rechtsextremismus“ zu versammeln- Respekt!

Parteien und Gruppierungen, CDU, FDP, Freie Wähler, SPD und Umweltgruppe, die Evangelische Kirchengemeinde und die Katholische Seelsorgeeinheit, der Freundeskreis Flucht und Asyl, das Familienforum im Mehrgenerationenhaus (MGH) und Omas gegen Rechts hatten sich zusammengetan.Los ging es an der Sparkasse bis zum Marktplatz mit Rednerbühne.





Auf dem Marktplatz angekommen, sprach zunächst Susanne Schwaderer, eine der InitiatorInnen der Veranstaltung. Sie freute sich über die große Teilnehmerschaft und berichtete von ihrer jüngsten Erfahrung bei einer Mahnwache in Ittendorf am letzten Donnerstag anlässlich einer Veranstaltung der AfD zum Thema Landwirtschaft( vgl. Südkurier hier) im dortigen Bürgerhaus. Sie seien fröhlicher Stimmung gewesen, ein AfD- Besucher, der an ihnen vorbei ging, habe jedoch gesagt: „Wenn wir am Ruder sind, vergeht euch das Lachen“ Damit das nicht passiert, deswegen sei man heute hier, fuhr sie unter großem Beifall fort und bedankte sich für das starke Signal, das von Markdorf ausgehe.

Anschließend sprach Bürgermeister Georg Riedmann. Er betonte, dass die AfD sehr präsent sei und spielte auch auf das Treffen in Ittendorf als Stadtteil von Markdorf an. Ebenso wies er auf die im Mai anstehende Vermietung der Stadthalle an die AfD hin. Die Vermietung sei nicht zu verhindern. Das sei höchst richterlich entschieden: „Wir müssen das aushalten, aber wir dürfen und müssen so reagieren wie wir das heute hier tun,“ sagte Riedmann. Für ihn sind die seit Jahren in Markdorf lebenden ehemals Geflüchteten eine Bereicherung der Gesellschaft. Kultur definiere sich nicht durch staatliche Parameter. Sie unterliege immer einem Wandel, sie sei nie statisch. Es liege an uns, wie wir als Menschen zusammenleben. Das mache eine offene und demokratische Gesellschaft aus. Krisen verunsicherten Menschen. Dadurch bestehe die Gefahr, dass sie Opfer der Verführung durch einfache Wahrheiten werden, es entstünden Zukunftsängste. Oft verbunden mit Hass und Panik. Panik vor Veränderungen und Panik vor dem Fremden. Das seien von jeher die Stereotypen der Rechtsradikalen und der Nazis. „Wir müssen uns mehr um die Verführten kümmern. Wir müssen die Diskussion führen.“

Es folgten die VertreterInnen der beiden Kirchen. Pfarrer Ulrich Hund sprach für die katholische Kirche über die Würde der Menschen, mit der von Gott alle gleich ausgestattet worden wären. Er begründete seine Teilnahme auch damit, dass man sich die Menschenrechte und die demokratische Beteiligung aller Menschen an der Demokratie hart erkämpft habe. Aber Demokratie sei anstrengend. Demokatische Debattenkultur müsse gepflegt werden. Demokratie sei dann in Gefahr, wenn vereinfacht werde, wenn Sündenböcke gesucht würden. Aber auch Religion dürfe nicht missbraucht werden und zur Radikalisierung führen.

Die evangelische Pfarrerin Kristina Wagner ging auf die menschliche Erinnerung an Katastrophen ein. Nur bis in die dritte Generation könne man sich an sie erinnern und verwies auf alte Steingravuren ( vgl.hier), die man als Warnung nach dem Beben in Fukushima gefunden habe. In der vierten Generation würden Erinnerungen langsam verblassen. Es scheine, dass die Erinnerung an das Grauen der Nazizeit auch drohe zu verblassen. Deswegen müsse man sich gegen das Vergessen stemmen. Es reiche nicht aus, die Erinnerung in Stein zu meißeln, die Erinnerung müsse auch in den Köpfen der Menschen wachgehalten werden. Damit sei ein Bekenntnis verbunden: „Das soll nie wieder geschehen!“

Die Vertreterin vom Arbeitskreis Flucht und Asyl in Markdorf, Stephanie Sandkühler, lobte das Engagement des Helferkreises. Er helfe seit Jahren, dass Geflüchtete auf dem beschwerlichen Weg in ihre neue Heimat genügend Unterstützung bekämen. Ihre Generation habe bisher in Frieden leben können. Daher müsse man auch im heimischen Umfeld weiterhin Flagge zeigen gegen rechtsgerichtete Tendenzen und mit Mut und Tat aktiv bleiben.

Zum Schluss traten dann drei Jungs der vierten Generation auf und verlasen ihre Statements zur Demokratie, Vielfalt und Freiheit. „ Ihr müsst wählen gehen und eure Kreuze gegen Hakenkreuze machen!“

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