8. September 2024
„Wahr-Zeichen. Zeitzeugen der Geschichte“: So lautete das Motto des diesjährigen Tages des offenen Denkmals.“ Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz schreibt hier dazu in diesem Jahr:
„Das Brandenburger Tor in Berlin, der Dom in Köln, das Schloss Neuschwanstein im bayerischen Füssen oder die Frauenkirche in Dresden – das alles sind berühmte Wahrzeichen Deutschlands. Doch was genau steckt hinter dem Begriff „Wahr-Zeichen“? Wann wird ein Denkmal zu einem Wahrzeichen? Können das nur einzigartige große Bauwerke sein oder wie viel Wahrzeichen steckt in den einfachen Denkmalen der Alltagskultur? Das Motto des Tags des offenen Denkmals setzt sich genau damit auseinander. Denn Denkmale stehen als „Wahr-Zeichen“ authentisch für ihre Funktion, ihre Zeit und ihre Region. Sie sind „Wahr-Zeichen“ auch durch ihren „wahren“ Gehalt als verlässliche Zeitzeugen der Geschichte und genauso für persönliche Geschichten, die es unter vielen Zeitschichten zu entdecken gibt. Diese Rolle macht alle Denkmalgattungen – ob große oder kleine, junge oder alte – zu „Wahr-Zeichen“. Sie werden zu Sehenswürdigkeiten ihrer Region und zu einmaligen Attraktionen am Tag des offenen Denkmals – und zu echten Zeitzeugen der Geschichte. Denkmale dienen als Vermittler zwischen Vergangenheit und Gegenwart, sie sind für uns eine Verbindung und ein Zugang zu vergangenen Epochen [. . . ]“
Für Langenargen ist die St.Anna-Kapelle (vgl. hier ) als „Wahr-Zeichen“ in diesem Jahr ins Rennen gegangen. Sie hat bereits häufiger ihre Türen geöffnet. Zuletzt anlässlich des Friedhofshocks zur 1250 -Jahrfeier im letzten Jahr.Hier. Bürgermeister Ole Münder eröffnet die sehr gut besuchte Veranstaltung, die Kirchenbänke reichen nicht aus, so dass noch zusätzliche Stühle benötigt werden.

Reinhard Schick führt zunächst in die Chronologie von Alt-St. Martin, die 1442 von Pfarrer Jodok Geßler im spätgotischen Stil erbaut wurde, ein. Die Barockisierung der St. Anna-Kapelle Ende fand Ende des 17.Jahrhunderts statt. Das, was wir heute sehen, ist eigentlich keine Kapelle, sondern ein Überbleibsel der ehemaligen Kirche Alt St.-Martin. Es ist deren vieleckiger Chorraum, der dort wie ein abgeschnittenes Tortenstück in gotischem Stil steht. Das Kirchenschiff von Alt-St. Martin wurde zuvor abgebrochen, die Steine recycelt, um für die neue Martinskirche am Marktplatz wiederverwertet zu werden. Deshalb steht der Chor der alten Kirche jetzt einfach so als Kapelle dort, natürlich nicht ohne Konsekration im Jahre 1722 als St. Anna-Kapelle.
Nun tritt ein weiterer Experte auf den Plan, jemand, der Altes wieder sichtbar machen kann: Karl Boczek. Er hat die Ansicht von Alt-St. Martin mit Hilfe digitaler Technik maßstabgerecht als modernes Foto lebendig werden lassen und anlässlich des Denkmaltages der Öffentlichkeit vorgestellt.


Schließlich zeigt Reinhard Schick eine Replik des Montfort–Werdenberg-Altars der Öffentlichkeit, die künftig ständig in St. Anna zu sehen sein wird. Das Original ist in der Stuttgarter Staatsgalerie hier zu sehen.


Dr. Frank Müller Thoma lässt als weiterer Referent das Publikum die Köpfe in den Nacken legen, damit es das Deckengemälde auf Leinwand in Holzrahmen mit dem Titel „ Aufnahme Mariens in den Himmel“ betrachten kann.


Es sei doch sehr ungewöhnlich, dass die Malerei nicht direkt auf die Decke gemalt wurde, meint Dr. Müller-Thoma. Er fragt sich weiter, ob denn sich vielleicht der Maler die Verrenkungen und Gerüstkonstruktionen, die beispielsweise Michelangelo beim Ausmalen der Sixtinischen Kapelle konstruiert hatte, habe schenken wollen? Auch habe er sich möglicherweise die vom Pinsel in sein Gesicht tropfende Farbe erspart. . . . Für die Zuhörer wird es leichter und der Nacken entlastet: es gibt nämlich eine Abbildung des Bildes auf einem Ständer vor der Zuhörerschaft. 1925 renovierte Hans Purrmann dieses Bild und stieß dabei auf die Initialen „ L.G“ : Der Bregenzer Maler Leopold Greißing ( 1670 -1735). So wurde das Bild anschließend gerahmt einfach unter die Decke gehängt. Es gibt Vermutungen: Vielleicht wurde das Bild wegen der Beschädigung der Decke, um diese zu kaschieren dort angebracht.

Und weil es so gut zum Denkmaltag passt, referiert auch noch gleich der Leiter des Museums Priv.-Doz. Dr. Ralf-Michael Fischer über Franz Anton Maulbertsch, der in diesem Jahr seinen 300. Geburtstag (Taufdatum 7.6 1724) feiert. Eine Schrift anlässlich des Geburtstages soll in Arbeit sein. Es heißt , dass es unmöglich gewesen sei, zu seinem runden Geburtstag Bilder als Leihgabe nach Langenargen zu bekommen. Die Ausstellung über ihn läuft nämlich im größeren Stil noch bis zum 29.September woanders: In Wien im Schloss Belvedere. Hier.

Am Grab von Hans Purrmann versammelt sich zum Abschluss im ersten Herbstregen die Zuhörerschaft, um vom Museumsleiter Informationen zur Entstehung des Grabes zu erfahren. Die Veranstaltung endet schließlich mit einer ökumenischen Meditation im Innenraum der Kapelle.
Man ist erstaunt, was so ein Tag des offenen Denkmals in Langenargen in einer kleinen Kapelle auf dem Friedhof so alles zu bieten hat. Ein Wahr-Zeichen mit Wahrheiten der Vergangenheit. Historische Wahrheiten, die gerade in diesen stürmischen Zeiten für eine lebendige Erinnerungskultur so wichtig sind.
Hinweis: Informationen zur Innenausstattung der St. Anna -Kapelle findet man auch auf der Website der Seelsorgeeinheit der Seegemeinden Hier.
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