Pressemitteilung

BIRDS

PRESSEMITTEILUNG

21. Juli 2026 GM-MG

Hohe Phosphatgehalte in der Schussen:
Messungen decken direkten Einfluss der Kläranlage von Eriskirch auf

Die Bürgerinitiative zur Revitalisierung des Schussendeltas (BIRDS) meldet sich erneut mit brisanten Erkenntnissen zu Wort. Die BIRDS engagiert sich seit dem Jahr 2024 intensiv für die wissenschaftliche Aufklärung des ökologisch beklagenswerten Zustands im Schussendelta. Das Regierungspräsidium und das Umweltministerium BW tun das Problem als natürlichen Gewässerzustand ab.

Dass die Schussen jährlich eine enorme Menge an Phosphor in den Bodensee einbringt, ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Nach Recherchen der BIRDS beläuft sich die Menge auf etwa 57t pro Jahr. Die Algenbildung (auch Blaualgen) hängt maßgeblich vom Phosphat ab. In diesem trockenen Sommer ist das vergleichsweise geringe Wasservolumen der Schussen das Problem. Dieses führt dazu, dass die in die Schussen eingeleiteten Stoffe bei Weitem nicht so stark verdünnt werden, wie es die Einleitgenehmigungen der Behörden eigentlich unterstellen. Dies belegen aktuelle Messungen der BIRDS von Ende Juni. An zwei Tagen wurde im Tiefwasser oberhalb der Verbandskläranlage Eriskirch eine Phosphatkonzentration von 100 Mikrogramm pro Liter gemessen – bereits dieser Wert liegt deutlich über den Zielwert für den ökologischen Zustand von etwa 15 (sehr gut) oder 30 (gut) Mikrogramm pro Liter. Noch drastischer sind die Ergebnisse der Messungen, die an denselben Tagen unterhalb der Kläranlage durchgeführt wurden: Hier stieg die Phosphatkonzentration im Tiefwasser der Schussen schlagartig auf bis zu 400 Mikrogramm pro Liter an, was einer Vervierfachung der Belastung im Vergleich zum Ergebnis oberhalb entspricht. Eine zusätzliche Probe in unmittelbarer Nähe zum linken Ufer ergab sogar einen extremen Wert von etwa 1.300 Mikrogramm pro Liter.

Für die BIRDS ist die Schlussfolgerung eindeutig: Wir haben es bei der massenhaften Laichkrautbildung nicht mit einem unbeeinflussbaren, natürlichen Phänomen zu tun, sondern mit den Auswirkungen einer hausgemachten Überdüngung. Die hier nachgewiesenen Belastungen sind offensichtlich direkt auf die Einleitungen der Verbandskläranlage Eriskirch zurückzuführen, die genau zwischen den beiden Messpunkten liegt. Die Anlage entwässert ca. 32.000 Menschen der Orte Meckenbeuren, Tettnang, Mariabrunn und Eriskirch und leitet das Klärwasser unweit der Schussenmündung ein.

Eriskirch befindet sich damit in einer Zwickmühle: Die Gemeinde leidet einerseits selbst unter der Problematik, andererseits trägt sie aber auch maßgeblich zu ihrer Entstehung bei. Die Analyse-Ergebnisse unterstreichen die Überzeugung der BIRDS, dass sich die ökologischen Probleme im Schussendelta kaum durch eine weitere Reduzierung der Einleitungen der Kläranlagen lösen lassen, da deren Möglichkeiten zur technischen Optimierung bereits weitgehend ausgeschöpft sind. Die weitaus höheren Phosphoreinträge kommen ohnehin aus nicht kontrollierbaren, sogenannten „diffusen Quellen“ und Bodenerosion. Sie lassen sich kaum reduzieren. Dieses Reinhaltesystem ist somit an seinen Grenzen angelangt.

Deshalb fordert die BIRDS ein konsequentes Umdenken. Die nachhaltigste Lösung besteht vor diesem Hintergrund darin, das Schussenwasser gezielt aus der Flachwasserzone fernzuhalten und weit in den offenen See hinauszuleiten, damit es sich dort wirksam verdünnen kann. Die BIRDS drängt darauf, die Realisierung ökologischer Leitdämme endlich zu prüfen, anstatt ohne fundierte Analyse Bedenken darüber zu streuen, welche negativen Folgen diese angeblich haben könnten. (dgm/mg)

Bürgerinitiative „Revitalisierung des Schussendeltas“ (BIRDS), Langenargen
V.i.S.d.P:
Dr. Gerhard Moll
Mühlengärten 37
88085 Langenargen
Mobil: 01777849106
dr.gerhard.moll@revitalisierung-schussendelta.de

Luftbild mit Blick auf das Schussendelta am 13. Juli 2026: Die Massenvermehrung von Laichkraut (braun-gelb), Algen (hellgelb) und Blaualgen (hier nicht sichtbar) ist kein Zeichen eines intakten Ökosystems, sondern das Alarmzeichen einer massiven Überdüngung. Weil die Wasserpflanzen im Herbst die aufgenommenen Nährstoffe wieder freisetzen und bei ihrer Zersetzung den Sauerstoff radikal aufzehren, ist dieses unkontrollierte Wachstum unter dem Strich nicht vorteilhaft, sondern schadet der Flachwasserzone.  Foto: (c) BIRDS

Aktualisiert 28.7.2026

Schreibe einen Kommentar

Bereitgestellt von WordPress.com.

Up ↑

Entdecke mehr von AGORA-LA

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen