Nachruf


Harald Hirscher

Viele Menschen waren gestern gekommen, um Harald Hirscher die letzte Ehre zu erweisen. Ich möchte daher die Gelegenheit ergreifen, um meine ganz persönlichen Begegnungen mit ihm zu beschreiben. 

Ich gelte ja auch nach über 14 Jahren in Langenargen vermutlich immer noch als „reingeschmeckt“,aber der Salon Hirscher, der zur Zeit meiner Einbürgerung nach LA noch im Hotel Schiff auf der Ecke existierte, war mein erster Friseur nach meiner Übersiedlung aus dem Rheinland. Das Interieur des Salons hatte es mir angetan, so dass ich mir den ersten Haarschnitt dort verpassen ließ. Dieses Gefühl, auf dem nostalgisch Friseursessel Platz  nehmen zu können. . . Gerne hat Harald Hirscher mir seine Kuriositäten aus dem Friseurhandwerk in den Vitrinen erklärt und bereitwillig deren Geschichten erzählt. Sie nannten ihn im Ort übrigens das „Klämmerle“. Das erfuhr ich gestern am Rande der Trauerfeier. Gemeint waren die Haarklipse, mit denen in der Vergangenheit so manche Wasserwelle fixiert wurde.

Hilfsmittel

Als dann der Salon geschlossen wurde, ging das natürlich nicht ohne Party. An das Jahr erinnere ich mich nicht mehr, aber an die Musik aus der Jukebox, Elvis und die falschen Friseure in ihren grauen bügelfreien Nyltest-Kitteln. Auf einem der Kittelrevers konnte man lesen: „Es bedient Sie Herr Bertold“. Bedient wurden natürlich nicht die Damen mit Aussicht auf neu toupiertes Kopfhaar. Nein, bedient wurde man zum Abschied vom Salon Hirscher mit Mehrprozentigem. Es war ein Riesenspaß und als fidele Rheinländerin dachte ich mir, dass doch die LangenargenerInnen ein ganz munteres Völkchen sind und zu feiern wissen.

Im „Hirscher“

Das Inventar dieses Ladens, das mich damals so faszinierte, lebt bekanntermaßen heute im „Hirscher“ am Bahnhof weiter und mit ihm Harald Hirscher und seine Frau Waltraud 

Foto auf der Theke im „Hirscher“

Die Idee dort Räumlichkeiten anzumieten, den Musiksalon Hirscher als Verein zu gründen und Raum für Begegnungen aller Art zu schaffen -auch politische- dürfte die beiden Hirschers sicher froh gestimmt haben. Inzwischen ist der „Hirscher“ eine feste Institution in LA geworden.

Im „Hirscher“

Aber es gab für mich auch Harald Hirscher als Hunde-Gassigänger. Sein Boxer – ich weiß nicht wie viele er davon hatte, hieß Akkim. Mein Hund Otto und er jagten als ungleiches Paar immer wieder zusammen durch die Apfelplantagen. Dort traf man sich häufig. Einmal, im Sommer sprang Akkim an mir hoch, um mich zu begrüßen und verletzte mit seinen scharfen Krallen meine nackten Beine. Daraufhin riet Harald Hirscher mir zum Haus -und Wundermittelmittel Ballistol (doch mal Werbung auf AGORA-LA). Das habe er immer im Salon, um damit alle kleineren Verletzungen zu behandeln, aber auch um seine Scheren zu ölen, erklärte er mir. Ich kannte es bis dahin nicht, habe es seitdem aber immer Haus und weiß es sehr zu schätzen.

Auch nach der Hundezeit haben wir immer wieder im Städtle miteinander geschwätzt. Er eisern auf dem Fahrrad, später dann am Rollator. Beide Hunde, Akkim und Otto, sind nun im Hundehimmel. Wer weiß, vielleicht treffen sie sich ja alle dort wieder. . . .auf Besuch von einem Himmel zum anderen. Aber vielleicht gibt es ja überhaupt nur einen Himmel. Wenn man es nur wüsste! Aber dass sie alle im Himmel sind, ist doch klar.

Es ist immer etwas los!

Presseberichte aus der Vergangenheit: Hier oder hier.

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