Ätzendes in LA
Keine Sorge, halb so schlimm! Es ist nur eine ätzende Technik, die so genannte „Aquatinta“, die die Ausstellung „Vor, bei und nach Goya auf Papier von 1762 bis heute“ bestimmt. Sie wurde heute eröffnet. Gezeigt werden Druckgraphiken des Franzosen Jean-Baptiste Le Prince und des Spaniers Francesco de Goya. Beide wenden die Technik der „Aquatinta“ an: Der eine vor Goya, bei Goya selbst und in der Gegenwart die beiden zeitgenössischen KünstlerInnen Eckhart Froeschlin, und Karin Brosa, beide gebürtig aus Tettnang. Sie kannten sich jedoch bisher nicht. Sie stehen für das „nach Goya“. Seine Kunst und Technik inspirierten beide. Dabei ermöglichte diese Technik das Abbilden zusammenhängender Flächen wie z. B. Wolkenbilder. Das war zur Zeit von Le Prince neu. Das Tiltelbild der Ausstellung stammt von Karin Brosa : „Flug der Hexen“ in Anlehnung an Goyas gleichnamiges Bild.

Die Künstlerin ließ sich von Goyas Zyklus „Los Caprichos“ ( Übers.: unbeschwerte Laune ) anregen. Er erschien 1799 in einer Auflage von 270 Stück, wurde aber aus Furcht vor Repressalien (die Inquisition hatte begonnen) zwei Tage nach dem Verkauf von nur 27 Stück aus dem Handel gezogen. Hier nachlesbar.

Nochmals zurück zum Anfang. Das verbindende Element aller ausgestellten Künstler ist die Technik, die „Aquatinta“. Diese Tiefdrucktechnik ist heute wie damals sehr aufwändig, ihre Arbeitsschritte kaum anschaulich mündlich zu erklären. Deshalb kommt die Anschauung per Video. Schauen Sie mal:
Ein appetitanregendes Häppchen also, das den Besuchshunger nicht nur der Langenargener anregen soll.
Dazu dienten natürlich auch im gut gefüllten Saal des Münzhofes die Ansprachen zunächst von Bürgermeister Münder, der in seinem Grußwort der Gemeinde sich bei allen Beteiligten bedankte und den Anspruch betonte, im Kunstmuseum Langenargen nicht nur Altbewährtes zu zeigen, sondern auch Neuland zu betreten.

Priv. Doz. Ralf Michael Fischer bedankte sich für die gute Zusammenarbeit mit dem Kuratoren-Team. Samira Rudek als eine der KuratorInnen erklärte die Technik der Reproduktion bis zur Originalgraphik. Der Leiter der Graphischen Sammlung der Universität Trier, Dr. Stephan Brakensiek, hob die Besonderheit dieser Ausstellung hervor. Er verwies darauf, dass sich Langenargen glücklich schätzen könne, einen experimentierfreudigen Museumsleiter zu haben. So wurden die Werke von Le Prince bisher noch nie in Deutschland gezeigt, obwohl er als der Perfektionierer der Aquatinta-Technik gilt. Er gab Einblicke in die aufwändige Vorbereitung der Ausstellung in den Räumen des alten Pfarrhauses, die der Museumsleiter Dr. Fischer „in State of the art“ an die Wände gebracht habe.


Es gäbe noch mehr zu berichten, aber dann wären diese Zeilen keine Appetithäppchen mehr. Die Veranstaltung wurde vom Klarinetten-Trio der Musikschule begleitet. Apropos Schule, es gibt in der Ausstellung wirklich herrliche Werke, die die Phantasie derJugend in mancher Schulklasse anregen würde!
Hier kann man sich noch weiter zum Museum Langenargen informieren. Einen Katalog gibt es auch für 12 Euro:

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