Zöpfe flechten beim Schreiben
Es hatten sich viele Zuhörer am letzten Donnerstag um den Samowar zur Lesung im Intro versammelt. Nicht nur zu heißem Tee. Auch zum Cider AnJo, der auf den Namen der Autorin Anja Jonuleit anspielt und auch noch aus Langenargen kommt!

Darauf verwies Kerstin Lämmle vom Intro in ihren einführenden Worten. Anja Jonoleits Romane findet man im Intro bereits seit langem. Lämmle und Jonuleit kennen sich inzwischen gut und warfen sich im Anschluss an die Lesung aus dem neuen Roman „ Kaiserwald, erschienen beim Penguin-Verlag, die Bälle zu. Professionell auf dem Literatursofa fragte Lämmle Jonuleit gekonnt Löcher in den Bauch.

In „ Kaiserwald“ gibt Erzählstränge auf unterschiedlichen Zeitebenen und in unterschiedlichen Orten. Das kennt man bei Jonuleit. Wie sie denn vorgehe, wollte Lämmle auf dem Sofa von ihr wissen. Dieses Mal sei es der Ort auf einer Reise gewesen, der sie inspiriert hätte, Riga und dort das Viertel die Moskauer Vorstadt. Es sei ein dunkler Dezembertag gewesen, die Gebäude hätten sie an die Bilder aus der alten Sowjetunion erinnert. Mi tder Figur Mathilda aus dem Roman, die als junge Ex-Soldatin der Gebirgsjäger einen Erzählstrang bildet, habe ihre Vorlage im privaten Bereich gefunden. Zwei ihrer Töchter hätten sich nach dem Abitur für zwei Jahre bei den Gebirgsjägern verpflichtet. Dabei kam auf Nachfrage heraus, dass natürlich ihre Bücher im Familienkreis immer wieder vor der Endversion besprochen werden. „Und wie entsteht nun so ein sauber geflochtener Zopf aus den verschieden Erzählsträngen?“, wollte Lämmle wissen. Jonuleit holte aus: Sie schreibe zunächst Dreiviertel ihre Textes getrennt nach Strängen, zeichne die Charaktere und male jede einzelne Szene aus, um sie schließlich am Schluss zu einem Zopf zu verbinden. Ihr Schreibprozess verlaufe dynamisch. Sie verlasse sich dabei auf die amerikanischen Schriftstellerin und Schreiblehrerin Natalie Goldberg. Nach dem Grundsatz: „ Time“ und„ Keep your pen moving“. Aber natürlich helfe ihr auch die Erfahrung als Übersetzerin. Sie helfe kritisch auf den Text zu schauen. Ein Text müsse gewebt werden wie ein Stück Stoff.
Gegen Ende berichtetet Jonuleit über ihr Buch zur Colonia Dignidad mit dem Titel „ Rabenfrauen“ von 2016 ( vgl. Bericht SÜDKURIER hier). Diese Reise nach Chile habe sie sehr belastet, wäre jedoch für die Recherche unglaublich wichtig gewesen.
Nach dem Gespräch auf der Couch im Dialog mit dem Publikum ging es dann bei AnJo und angeregter Unterhaltung weiter: „frisch, spritzig, leicht und funky“ wie der Langenargener Apfel-Cider.
Übrigens: Der zweite Band „ Sonnenwende“ erscheint übrigens gemeinerweise erst im Herbst 2024.
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