Schon wieder

Post an die CDU

Sehr  geehrter  Herr Linnemann, 

es ist noch nicht lange  her, dass ich an Ihren  Kollegen Spahn  hier geschrieben habe, weil auch er mit populistischen Wendungen unmittelbar nach dem Sturz des  Assad-Regimes die Öffentlichkeit  schockierte. Jetzt also an den Generalsekretär der CDU:

Ihre Antworten im Interview mit dem Deutschlandfunk hier sind kaum mit den christlichen Werten Ihrer Partei zu vereinbaren.

Sie forderten dort ein Register für „ psychische  kranke  Gewalttäter“ anzulegen und im Verlauf des  Interviews  kommen Sie zu der Auffassung es sei nötig, nicht nur „Register anzulegen für Rechtsextremisten und Islamisten, sondern in Zukunft sollte das auch für psychisch Kranke“ geschehen.

Die Öffentlichkeit hat trotz der Auszeit zwischen den Jahren  mit  Empörung reagiert .Offensichtlich haben die Menschen noch funktionierende moralische Empfindungen, die es verbieten psychisch  kranke Menschen zu stigmatisieren und als Individuen alle über einen  Kamm zu scheren.

Listen  und  Register anzulegen  für Menschen, um sie dann auszusortieren, Herr Linnemann, das hatten wir schon mal. ( Hier)

Warum fordern Sie nicht mehr Hilfen für die Betreuung  von psychisch  Erkrankten, mehr Therapieplätze, und mehr Personal für die steigende Zahl  psychischer Krankheitsfälle? Oder schauen Sie doch mal  in Ihr Bundesland NRW. Dort gibt es hier ein Projekt, das  „PeRiskoP“ heißt. Ein Zitat aus dem Text:

 „[. . . ]Wobei klar sein muss, dass eine psychische Erkrankung niemals für Gefährlichkeit steht. Das ist statistisch und wissenschaftlich sogar widerlegbar. Vielmehr sind es einige wenige Krankheitsbilder und beispielsweise bereits erlebte Gewalterfahrungen, die das Risiko erhöhen.[. . . ]“

Die Furcht vor  dem Ausstausch sensibler Daten aus einem psychotherapeutischen Gespräch, das dann in einem  Register landen könnte, würde Menschen mit psychischen  Problemen vor einem Hilfsangebot  abschrecken. Wie weit würden Sie denn gehen mit der Registrierung? Die Vorsitzende der deutsche  Depressionsliga hat Ihnen ja auch bereits hier dazu geschrieben:

Sehr geehrter Herr Linnemann,

mit Ihrer Forderung scheren Sie alle psychisch Kranken (die im Übrigen nicht freiwillig krank geworden sind) über einen Kamm und vorverurteilen sie. Das ist grober Unfug.Psychisch krank zu sein bedeutet nicht, per se anderen Menschen schaden zu wollen oder straffällig zu werden. Wenn wir Ihre Denkweise weiterspinnen, „müssten“ beispielsweise dann alle Männer in einer Liste aufgeführt werden, weil sie potenzielle Gefährder ihrer Ehefrauen oder Partnerinnen sind?
Die Erfahrung zeigt, dass in der Politik gerne mal über das Ziel hinausgeschossen wird, um Gehör zu finden. Mit Ihrem Vorschlag jedoch, Herr Linnemann, stigmatisieren und vorverurteilen Sie jeden Menschen, der von psychischer Krankheit betroffen ist – welcher Ausprägung auch immer. Das geht so nicht! Wohin soll das führen? 


Mit freundlichen Grüßen 

Dr. Claudia Kociucki 
(Vorstandvorsitzende der DeutschenDepressionsLiga) 

Viel zu lesen für Sie! Wissen Sie, warum die Menschen so bestürzt sind? Weil sie Ihre Äußerungen nicht  mit dem „ C“ in Ihrem  Parteinamen  zusammenbringen. Das passt einfach nicht zu einem christlichen  Menschenbild, das Sie in ihrer Partei  immer vor sich hertragen! 

Wenn Sie es mit dem Register nicht so gemeint haben, dann stellen Sie Ihre möglicherweise unglücklich gewählte Wortwahl richtig! Ansonsten wackelt nicht nur die  Brandmauer nach rechts, sondern auch das C in Ihrem Parteinamen.

Mit  freundlichem  Gruß

Elke Krieg (u.a. ehemalige abgeordnete Lehrerin an einer Krankenhausschule im neurologischen Reha-Bereich sowie in der Psychiatrie)

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