Offener Brief der Chefärztin und der Chefärzte des Medizin Campus Bodensee (MCB)Friedrichshafen

Juli 2025


Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Blümcke, sehr geehrter Herr Landrat Prayon, sehr geehrte Mitglieder des Gemeinderats und Kreistages,
sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sehr geehrte Damen und Herren,

mit Sorge verfolgen wir die derzeitige öffentliche Diskussion um die Zukunft unserer Häuser. Als Chefärztin und Chefärzte des Medizin Campus Bodensee (MCB) möchten wir zu den aktuellen Entwicklungen
Stellung nehmen – nicht im Sinne politischer Positionierung, sondern im Interesse unserer Mitarbeitenden und vor allem der über 200.000 Menschen, die wir medizinisch versorgen.

  1. Medizinische Versorgung im Fokus, nicht Schlagzeilen
    Die Patientinnen und Patienten stehen für uns seit jeher im Mittelpunkt. Trotz erheblicher wirtschaftlicher und struktureller Herausforderungen ist es uns und allen Mitarbeitenden in Medizin, Pflege und
    Verwaltung gelungen, ein breites und qualitativ hochwertiges Versorgungsangebot aufrechtzuerhalten.
    Dieses hohe Engagement verdient Vertrauen – nicht Misstrauen.
  2. Wirtschaftliche Realität ist kein MCB-Problem – sondern Systemkrise
    Dass sich das Jahresdefizit des MCB 2024 auf rund 25 Millionen Euro beläuft, ist zutreffend. Die Höhe dieses Defizites ist vor allem ein strukturelles Problem der Krankenhausfinanzierung in Deutschland. Die
    meisten Klinikverbünde – von den Oberschwabenkliniken bis zum Gesundheitsverbund Singen-Konstanz– verzeichnen vergleichbare Defizite. Monatlich wächst das strukturelle Defizit aller deutschen Kliniken
    um über 500 Millionen Euro. Die Ursachen sind z.B. unzureichende Investitionskostenfinanzierung, gedeckelte Fallpauschalen und starre Personalvorgaben. Eine funktionierende stationäre Versorgung
    braucht Lösungen – keine Schuldzuweisungen.
  3. Rückgang der Fallzahlen: systembedingt, nicht selbstverschuldet
    Ein moderater Rückgang von rund 3% der stationären Fallzahlen im Vergleich zum Vorjahr ist am MCB zu verzeichnen. Die Ursachen liegen allerdings in strukturellen und gesetzgeberischen Veränderungen –
    etwa den verschärften Personaluntergrenzen, der Ambulantisierung und vielen anderen Effekten. Hausinterne Konflikte, die medial überhöht wurden, sind Gegenstand einer ehrlichen und differenzierten internen Aufarbeitung. Die überwältigende Mehrheit unserer Mitarbeitenden war und ist davon nicht betroffen. Sie leisten tagtäglich hervorragende Arbeit.
  4. Unsere Bitte an Politik und Öffentlichkeit
    Die aktuellen politischen Diskussionen und Unsicherheiten wirken sich spürbar auf die Moral und das Vertrauen unserer Mitarbeitenden aus. Was wir alle – Mitarbeitende wie Patienten – jetzt brauchen, ist
    ein deutliches Zeichen:
    – dass die regionale Politik bereit ist, Verantwortung zu übernehmen
    – dass sich eine qualitätsgesicherte Versorgung nicht in Trägerfragen zerreibt
    – und dass wir als MCB die Unterstützung erhalten, um in einem realistischen wirtschaftlichen Rahmen weiter unserer Aufgabe nachzukommen: für Menschen da zu sein.
    Wir wünschen uns nachhaltige Lösungen. Die gesundheitliche Versorgung ist keine Haushaltsposition –sie ist eine zentrale öffentliche Aufgabe der Daseinsvorsorge. Wir stehen für einen konstruktiven Dialog jederzeit bereit. Wir sind überzeugt: Mit vereinten Kräften können wir die aktuellen Herausforderungenüberwinden und die Zukunft unseres Klinikums sichern – zum Wohle aller Menschen in der Region.

Die Chefärzte des Medizin Campus Bodensee

Bildinfo: (c) MCB, Textquelle: Hier

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