Schlosskonzert

Erst Konstanz, dann Langenargen

Gut besucht war das Konzert am letzten Freitag. Man musste nicht nach Konstanz fahren, um dieses Kammermusikkonzert im Rahmen des Musikfestivals Konstanz mit Ioana Cristina Goicea, Violine und Özgür AydinKlavier dort zu erleben, man musste sich nur ins Schloss aufmachen.

(c) C. Raupach

Ludwig van Beethoven (1770-1827)

Violinsonate Nr. 5 F-Dur op. 24 »Frühlingssonate«

Allegro – Adagio molto espressivo – Scherzo: Allegro molto – Rondo: Allegro ma non troppo

Als 30-Jähriger hatte sich Ludwig van Beethoven in Wien als Pianist und Komponist etabliert. Trotz seines beginnenden Gehörleidens kennt die Frühlingssonate anders als die gleichzeitig enstandene a-moll-Sonate  keine Krise. Die Anfangsmelodie fließt wie Gesang, über das zarte Klavierlied des Adagios wehen luftige  Geigenlinien. Als erste viersätzige Sonate enthält sie vor dem schwungvollen Finale ein humorvolles Scherzo. Sie gehört bis heute zu Beethovens beliebtesten Kammermusikwerken, geschätzt wegen frühlingshafter Anmut, Innigkeit, Esprit und Kraft.

Franz Schubert (1797-1828)

Fantasie C-Dur D 934

Franz Schubert komponierte diese Fantasie für den Geiger Josef Slawik, der sie 1828 uraufführte. Sie fasst vier Sonatensätze in eine Form und stellt Liedvariationen ins Zentrum. Im Beginn legen sich elegische Geigenbögen über schimmernde Wellenbewegungen des Klaviers. Es folgt ein ausgelassener Tanz mit ungarischen Farben, an den sich Variationen des Lieds »Sei mir gegrüßt« anschließen. Obwohl im letzten Teil Heiterkeit in Dramatik umschlägt, schenkt Schubert seiner Fantasie einen zuversichtlichen Schluss.

(c) AGORA-LA

Francis Poulenc (1890-1963)

Sonate für Violine und Klavier op. 119

Allegro con fuoco – Intermezzo – Presto tragico

Nur auf Drängen der Geigerin Ginette Neveu hin schrieb Francis Poulenc eine Violinsonate. Die Uraufführung mit Neveu und dem Komponisten am Klavier 1943 im von Nazis besetzten Paris war ein Wagnis: Poulenc schrieb seine Violinsonate zur Erinnerung an den spanischen Dichter Federico Garcia Lorca. Der verkörperte das liberale Spanien, war homosexuell und 1936 von Francos Schergen erschossen worden. Bis heute fesseln in Sonatenform gegossene Wut, Zerrissenheit, Verzweiflung und Freiheitsgeist.

Maurice Ravel (1875-1937)

Sonate für Violine und Klavier Nr. 2 G-Dur

Allegretto – Blues – Perpetuum mobile. Allegro

Um zu beweisen, dass Violine und Klavier nicht zusammenpassten, schrieb Maurice Ravel seine zweite Violinsonate. Beide Stimmen bleiben unabhängig und wahren Distanz. Im eleganten Allegretto nimmt die Geige Ideen des Klaviers auf, das darauf ein gebrochenes Oktavmuster intoniert. Der zweite Satz nähert sich dem im Europa der 20er Jahre beliebten Jazz. Das Finale lässt die Geige immer weiter abheben, während das Klavier in rasanten Rhythmen dagegenhält.

(Text C.Raupach)

Anregung: Es wäre schön, wenn in der Pause- so wie in der Vergangenheit- die Getränke oben ausgeschenkt würden. Ansonsten muss man die beschwerlichen Treppen noch einmal mehr erklimmen, wenn man von der Bar unten wieder in den Konzertsaal kommen will.

Blick Richtung Konstanz nach dem Konzert

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