Am Noliplatz
AGORA-LA: Herr Münder, wir sitzen hier am Noliplatz, sind Sie froh, dass das Projekt endlich beendet ist?
BM Münder: Die mehrfache Veränderung des Zeitplans nach hinten war anspruchsvoll, aber mein Credo ist: lieber rutscht ein Projekt noch etwas nach hinten, wenn ich dafür die Gewähr habe, dass wir am Ende des Tages eine langfristig gute Lösung erhalten. Insofern bin ich sehr froh über die ausschließlich positiven Resonanzen. Der Betrieb wird hier sehr gut angenommen, wir haben an einem der schönsten Orte von Langenargen Zukunft geschaffen, die für eine gastfreundliche Gemeinde steht.

AGORA-LA: Alles dreht sich um‘s Geld. In der letzten Gemeinderatssitzung haben Sie auf die möglichen Kosten verwiesen, die durch die Pflichten des Kreises ( vgl. hier) im Zusammenhang mit dem Klinikum auf die Bodenseekommunen zukommen könnten. Was weiß man darüber?

BM Münder: Mir macht die finanzielle Entwicklung dieser Gemeinde große Sorgen. Aus unterschiedlichen Gründen: Zum einen haben wir verschiedene Projekte, die wir in Angriff nehmen müssen und die uns über die Abschreibungen hinaus künftig massiv belasten werden. Diese waren jedoch notwendig. Zweitens werden wir aufgrund der Steuerschätzung deutliche Mindereinnahmen haben, das betrifft jedoch alle Kommunen.
AGORA-LA: Es geht gleich weiter mit Geld, in der letzten Gemeinderatssitzung hörte man Zahlen zu den Kosten für die Sanierung des Anlegesteges. Wie will man die stemmen?
BM Münder: Die finanziellen Auswirkungen belaufen sich tatsächlich auf 16 Mill Euro netto, hochgerechnet werden es brutto ca. 20 Mill. Euro werden. Diese Schätzungen werden noch validiert werden und Grundlage für die Beantragung von Fördermitteln bei verschiedenen Stellen sein. Allein wird die Kommune das nicht stemmen können, völlig unmöglich. Unser Ziel ist es, einen möglichst hohen Anteil vom Land zu erhalten. Da sich die Gutachter nicht auf einen Zeitrahmen bezüglich der Haltbarkeit der Mauer festlegen können, ist unklar, wieviel Zeit wir noch haben werden. Das ist ein Projekt, das in den Dimensionen alles sprengt, was wir bisher hatten.

AGORA-LA: War das absehbar?
BM Münder: Nun gut, wer behauptet, das wäre von außen über Jahrzehnte nicht sichtbar gewesen, der hat eben nicht genau hingeschaut. Ich bin mir sicher, dass diese Thematik bestimmt seit Jahrzehnten eine Korrektur erfordert hätte. Das gilt ja auch für andere Projekte in diesem Ort. Es hat übrigens eine Zeit gebraucht ein geeignetes Büro zu finden, das sich dieses Sanierungskonzeptes annimmt, denn die Lage am Wasser macht das Projekt kompliziert und anspruchsvoll.
AGORA-LA: Thema B- Plan Rosenstock war Thema in der letzten Sitzung und es wurde im Gremium direkt gefragt, warum LA so wenig baut, während andere Gemeinden mehr bauen. Ist das denn nötig? Wenn man die Wohnraumbedarfsanalyse betrachtet, werden drei Grundstücke genannt. Ist es überhaupt wünschenswert, dass mehr gebaut wird?
BM Münder: Wenn wir auf die Statistiken schauen, die den Wegzug aus LA dokumentieren, fußen die natürlich auch auf Wohnraummangel. Die drei Grundstücke, die die Wohnraumbedarfsanalyse benannt hat, sind für eine Nachverdichtung aufgrund Lage und Umfang sehr geeignet, davon bin ich nach wie vor überzeugt.
Aber das kann doch nicht alles sein und deswegen habe ich auch bewusst im Gremium den Gesetzesentwurf der Bundesbauministerin zum Bauturbo vorgestellt. Wohnraum zu generieren heißt für Planungen, wie wir diese gestalten: Höhe, Breite , Fläche, Referenzen, das ist die Diskussion, die wir für den Rosenstock in der letzten Gemeinderatssitzung geführt haben. Was ist denn jetzt das richtige Maß für dieses Gebiet? Da gehen die Vorstellungen manchmal etwas auseinander. Wenn ich die Forderung aller Fraktionen und die politischen Leitsätze ernst nehme -und das tue ich und mit dem gleichen Anspruch bin ich auch in diesem Amt angetreten – mich für Wohnraum einzusetzen, dann müssen wir eben auch ein Bekenntnis dazu liefern, wo das stattfinden soll, wo soll in welchem Umfang eine Erweiterung stattfinden? Das gesamte Konzert aus verschiedenen Maßnahmen zur Wohnraumentwicklung -da sind wir auch beim Rosenstock -muss bespielt werden: Flächeninanspruchnahme im Innenbereich, Erweiterung der baulichen Möglichkeiten im Bestand.

Was ich verstehe ist, dass die unverhältnismäßige Versiegelung von Flächen, also eine ungehemmte Außenentwicklung ohne ein natürliches Maß nicht erstrebenswert ist und das kann auch nicht unser Ziel sein. Beibehaltung von natürlichen Rückzugsräumen bei kluger Innentwicklung, das wäre sicherlich wünschenswert. Dann soll auch noch alles bezahlbar sein. Das ist eine Herausforderung, die kaum zu leisten ist.
AGORA-LA Dazu passt das Reizthema „ Mooser Weg“, wie geht es dort weiter?
BM Münder: Der Prozess ist sehr anspruchsvoll. Das Problem sind die Ausgleichsflächen. Ich hätte mir gewünscht, dass wir valide Auskünfte bekommen hätten, für welches Gebiet a) der Auffangparkplatz , b) die Wiese am Strandbad und c)der Mooser Weg welche Flächen als Ausgleich in Anspruch genommen werden können. Diese Auskunft haben wir noch nicht. Beim Mooser Weg kommt für die künftige Nutzung noch die Umwandlungsgenehmigung als Streuobstwiese dazu. Die haben wir noch nicht.
AGORA-LA: Viele Projekte. . . .
BM Münder : Ja, aber es ist vieles auf den Weg gebracht worden, auch wenn es manchmal zu ruckeln schien. Wichtig war mir immer, dass wir bei der Planung , z. B. Feuerwehrhaus nicht mehr hinter den Schritt zurückfallen, den wir zuvor getan hatten; dies gilt für alle Projekte, siehe auch Pflegeheim.
AGORA-LA. Thema Seewärme, hat das Zukunft?
BM Münder : Es ist mein Herzensthema, aber es muss wirtschaftlich sein, damit den künftigen Kundinnen und Kunden ein erträglicher Preis angeboten werden kann. Wichtig ist, dass all diese Themen sachlich gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern und angegangen werden.
AGORA-LA: Was hat es mit dem neuen Konzept Kunstpark auf sich?

BM Münder: Wir wollten in diesem Jahr mal ein neues Konzept ausprobieren, nachdem der bisherige Kurator hierfür nicht mehr zur Verfügung stand. Das haben wir zum Anlass genommen, neue Wege zu gehen. Wir wollten mit dem Format mal ganz anders umgehen. Das gesamte Konzept hat Frau Schneider erarbeitet. Ich habe ihr dabei freie Hand gelassen.
AGORA-LA: Ich hatte die Bürgerschaft aufgefordert, mir Fragen an Sie mitzugeben. Es kamen nicht viele, aber eine möchte ich nennen: Ob man Areal um das Dammhäusle nicht für Kulturelles nutzen könne?
BM Münder: Ich finde diese Idee sehr charmant, aber: im Moment haben wir an dieser Stelle ein Problem mit der Haftung, das nicht gelöst ist.

Abschließend: Wir sind auf einem guten Weg. Nach 4,5 Jahren haben wir viele Themen abgearbeitet und angepackt. Schloss: Mauer, Pächter, Schloss innen und außen, Feuerwehr, Tiefgarage, Entwicklung Pflegeheim, Anlegesteg. Respekt auch vor den Gemeinderäten und Gemeinderätinnen. Wir sind in der glücklichen Lage, im Gemeinderat alle Themen gut durchzusprechen. Das ist nicht selbstverständlich. Die Themen sind meist komplex, aber am Ende halten alle im Gremium immer von A bis Z durch. Das ist bewundernswert. Mich trägt immer der Glaube an das Ergebnis. Manche Themen sind zwar schwierig, aber gemeinsam lösbar.
AGORA-LA: Herr Münder, vielen Dank für Ihre Zeit, es waren viele Themen. Erholsame Ferien und viel Spaß beim Uferfest!

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