Sei, was du bist; gib, was du hast . . .

Beitrag von außen: Impulse von Prof.Dr. Dr., h.c. Andreas Kruse zum Neujahrsempfang 2026

Prof. Dr.Dr, h.c. Andreas Kruse nahm zu Beginn seines Vortrages Bezug auf Begrüßungsrede (vgl.hier) der Stellvertretenden Bürgermeisterin Susanne Porstner. Sie hatte die Bedeutung des bei Hannah Arendt formulierten „Öffentlichen Raumes“ für Freiheit und Toleranz hervorgehoben: Kooperation von statt Isolation im öffentlichen Raum. . .

In diesem Sinne lobte Prof. Kruse unseren Ort. Nach den Ehrungen seiner Bürger und Bürgerinnen sowie den Beiträgen seiner Vorredner bezeichnete er kommunale Gemeinschaft in Langenargen als lebendig. So empfand er die Freude und Zuversicht in der Rede von Bürgermeister Ole Münder als wunderbar. Besonders wichtig werde es wohl in diesem Jahr 2026, ein schöpferisches und inspirierendes Gemeinwesen autoritären Bestrebungen entgegenzusetzen. So sei Demokratie politisch betrachtet unser höchstes Gut. Sie erkenne die Würde jedes einzelnen Menschen, die nur durch Toleranz lebendig werde, an.

Was unsere Identität in der Kommune ausmache, werde im Jahr 2026 wichtig sein. Dort zeige sich, wie man für andere Menschen da sein könne, dort zeige sich nicht nur Selbstverantwortung, sondern auch Mitverantwortung für das Gemeinwohl. Allerdings müsse darüber nachgedacht werden, wie Demokratie in diesen Zeiten noch widerstandsfähiger werden könne. Nicht umsonst habe Deutschland mit dem  Grundgesetz eine „lebende Verfassung“ (nach Dolf Sternberger, vgl. hier, hier), die sozusagen immer wieder „verfeinert“ werden könne.

Prof. Kruse hatte seinen Vortrag unter das Motto „Sei, was du bist; gib, was du hast“ aus einem Gedicht von Rose Ausländer gestellt. Rose Ausländer entschied sich 1977 nach einem Oberschenkelhalsbruch in ein Düsseldorfer Seniorenheim zu gehen, ihr Zimmer nicht mehr zu verlassen und dort schöpferisch tätig zu sein. In dieser Einrichtung schrieb sie das Gedicht:„Noch bist du da

Prof. Kruse ermunterte sein Publikum trotz der Erkenntnis, dass unsere körperlichen Möglichkeiten im Alter begrenzt sein werden, den Austausch mit der Jugend zu suchen, Erfahrungen weiterzugegeben und wiederum von der Jugend zu lernen. Dieser Austausch motiviere die nächste Generation mit der Erfahrung und dem Wissen der Älteren, sich für das Gemeinwohl einzusetzen, um zu schöpferischen Menschen zu werden. Es fiel der Begriff der intergenerationellen Solidarität, die angesichts des demographischen Wandels zum Zusammenhalt der Gesellschaft beiträgt.

Zum Schluss zitierte Prof. Kruse Hermann Hesses Gedicht: „Stufen“.

So bestehe für jeden Menschen in jeder Lebensphase in einer lebendigen Demokratie die Möglichkeit, angenommen zu werden und sich zu entwickeln. Dazu gehöre, dass sich Selbstverantwortung und Mitverantwortung mit Gemeinwohlverantwortung paare. „Wir leben in einem Staat, der uns diese Lebensweise ermöglicht und dafür lohnt es sich zu streiten!“, rief er seinen Zuhörenden zu.

Prof. Kruse trug schließlich ein weiteres Gedicht von Rose Ausländer mit dem Titel „Nicht fertig werden“ zum Thema vor.

Mit dem Satz von  Martin Buber: „Ich werde mich nur in der Begegnung zwischen zwei Menschen entwickeln können.[. . . ]“ fuhr Prof. Kruse schließlich fort, um zu Martin Bubers Begegnungsphilosophie einen Satz von dessen Freund Gustav Landauer zu zitierten: „ Martin, Deine  Begegnungsphilosopie ist etwas Wunderbares. Wir müssen immer für Begegnungen mit  anderen Menschen offen sein[. . . ] Aber hab‘ im Auge: Diese Begegnung  kann nur dann stattfinden, wenn wir in sorgenden Gemeinschaften leben.[. . .]“

Diese sorgende Gemeinschaft glaubte Prof. Kruse nach fast zwei Stunden in der Gemeinschaft von Langenargen wahrgenommen zu haben und forderte dazu auf, diese gut zu pflegen!

Ergänzendes: Es gibt einen Beitrag von Prof.Kruse zur Bach Kantate BWV 25 „Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe“ https://www.youtube.com/watch?v=Ytb-MRKcjqc, die aus urheberrechtlichen Gründen auf AGORA-LA nicht veröffentlicht werden kann. Es lohnt sich! (aktualisiert,18.Januar 2026, 9.19Uhr)

Kommentar verfassen

Bereitgestellt von WordPress.com.

Up ↑

Entdecke mehr von AGORA-LA

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen