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Liebe dekoder-Freund:innen,
Jedes Jahr kehren die Weißstörche Anfang des Frühlings aus ihren Winterquartieren im südlichen Afrika zurück nach Europa. In vielen Regionen und Kulturen gelten sie deshalb als Frühlings- und Fruchtbarkeitsboten, als Symbole des Neuanfangs. In Teilen Deutschlands heißt es deshalb sogar, der Storch bringe die Ostereier – nicht der Hase.
Für manche wird der Storch aber auch zur Metapher für Grenzräume: für ein Leben, das sich über Grenzen hinweg bewegt, sie im Flug scheinbar aufhebt. So etwa für den Fotografen Jasper Walter Bastian:
Vor rund zehn Jahren hat er seine Fotoreihe „gandras“ – litauisch für „Weißstorch“ – aufgenommen. Entstanden ist sie in den Dörfern Sakalinė und Kulkischki. Die beiden Dörfer liegen direkt auf der EU-Außengrenze zwischen Litauen und Belarus (übrigens beides Länder, die den Storch als Nationaltier feiern).
Obwohl die Dörfer abgelegen wirken, teils wie aus der Zeit gefallen, waren sie zu jeder Zeit unmittelbar von den großen politischen Umbrüchen Europas und den sich verschiebenden Grenzziehungen geprägt: Viele Bewohner:innen lebten im Laufe ihres Lebens in Polen, unter deutscher Besatzung, in der Sowjetunion und schließlich in Litauen oder Belarus – ohne je ihr Dorf verlassen zu haben.
Schon lange zerteilten die Staatsgrenzen die Dörfer, Felder, Wege und sogar Familien – teils ganz physisch durch Zäune. Seitdem Russland seinen umfassenden Krieg gegen die Ukraine führt, hat sich diese Realität weiter verschärft: Teile der Region wurden zur Hochsicherheitszone erklärt, die Grenzanlagen wurden verstärkt und die Kontrollen deutlich ausgeweitet.
Nur der Storch zieht weiterhin jedes Jahr über die Grenze hinweg, als gäbe es sie nicht. Und zu Ostern bringt er euch dieses Jahr seine Fotostrecke – ihr findet sie am Ostermontag HIER auf dekoder.org.
Bis es soweit ist, wünschen wir euch eine spannende Lektüre mit den Themen der vergangenen Woche (s.o.)
Nicole und die anderen dekoderщiki

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