Geschichte ist nicht schwarz-weiß: Vortrag von Prof.Jürgen Klöckler im Zeppelinmuseum
Bilder von bedeutenden Persönlichkeiten der Öffentlichkeit werden von Generation zu Generation weitergegeben. Hugo Eckener galt als eine international bekannte Persönlichkeit der Luftschifffahrt. Dazu beigetragen hatte bereits in den 20er /30er Jahren die damalige Presse, vor allem die Wochenschauen. Der Mythos des makellosen Helden verfestigte sich allerdings erst durch eine Autobiographie nach dem 2. Weltkrieg, an der auch der Hamburger Journalist und Schriftsteller Rolf Italiaander mitgewirkt hatte. Der wiederum schrieb unter dem Titel „Ein Deutscher namens Eckener“ in den 1980igern eine Lobpreisung auf Eckener. Sie hatte das Bild des untadeligen Helden der Luftfahrt bisher geprägt, eigenständige Forschungen in den Archiven hat es laut Prof. Klöckler nie gegeben. (vgl.hier)

In seinem Vortrag der Reihe OPEN HOUSE im Zeppelinmuseum zeigte der Historiker und Leiter des Stadtsarchives Konstanz Prof. Jürgen Klöckler dem Publikum auf, wie wichtig der kritische Umgang mit Quellen ist. So passen die Erkenntnisse, die er als Historiker auf der Grundlage der Quellenkritik bezieht, genau in den Gesamtkontext der aktuellen Ausstellung „Gefühlte Wahrheiten Zeppeline und der Nationalsozialismus“. Wenn also immer wieder Narrative verbreitet werden, die beispielsweise Hugo Eckener als makellosen Helden, ja sogar als Opfer und nicht etwa als den von Prof. Klöckner beschriebenen „technokratischen Gehilfen der NS -Machthaber“ skizzieren, was bedeutet das? Wir glauben diese „gefühlten Wahrheiten“, die die vermeintlichen Heldengeschichten um Hugo Eckener ohne Quellenkritik weiterleben lassen.

Am Beispiel Hugo Eckener zeigt sich durch die umfassende Aufarbeitung neuer Quellen ein anderes Bild. Zwar stand Eckener „als Weltbürger vor 1933 dem Nationalsozialismus ablehnend gegenüber“ (vgl. hier, S.154ff.), aber das Narrativ, er gelte eher als Verfolgter des Regimes, lässt sich nach den Recherchen von Prof. Klöckler nicht halten. Im Anschluss an den Vortrag ergaben sich zahlreiche Fragen aus dem Publikum. Eine sei genannt: Tragen heute die finanzkräftigen Vertreter der Tech-Industrie Verantwortung, wenn es z. B. um Polarisierungen geht? Am Beispiel Hugo Eckener könne man erkennen, so Prof. Klöckler, wie jemand trotz anderer Prinzipien in einem entsprechenden Regime mitmacht und letztlich seinen eigenen finanziellen Nutzen daraus zieht. ( s. Zitat Eckener von 1947: „Im Krieg verdiente jeder Esel Geld“ ). Auch heutige Tech-Giganten trügen Verntwortung. Weitere Fragen behandelten den künftigen Umgang mit der Person Hugo Eckeners nach diesen neuesten Erkenntnissen.
Der Name Hugo-Eckener findet sich an vielen Straßenschildern der Republik, nicht nur in unserer Gegend. Auch in Langenargen – oder in Schulnamen, z. B. die Hugo-Eckener -Schule in Friedichshafen. Man wird künftig auf diese neuen Erkenntnisse hinweisen müssen. Geschichte ist eben nicht schwarz-weiß, sondern eher grau in unendlich vielen Schattierungen. Mit diesem Zitat von Thomas Nipperdey schloss Prof. Klöckler seinen Vortrag.

Der SÜDKURIER schreibt hier über die Reaktionen nach der Ausstellungseröffnung und zitiert OB Blümcke: Professor Klöcklers Forschungsarbeit lege den Grundstein für einen notwendigen Diskurs um die Person Eckeners und dessen Rolle in der Rüstungsindustrie Friedrichshafens. Diesem Diskurs stellten sich die Stadt wie auch das Museum, so Blümcke. Auch fast alle Fraktionen äußern sich dort gegenüber dem SÜDKURIER.
Es sei an dieser Stelle auf den Katalog zur Ausstellung „Gefühlte Wahrheiten Zeppeline und der Nationalsozialismus “ verwiesen. Dort ist der Vortrag in allen Einzelheiten mit dem umfangreichen Quellenmaterial nachlesbar.
Zur Ausstellungseröffnung lesen Sie hier bei AGORA-LA.
Kommentar verfassen