Folge-Exkursion ins Schussendelta: Oben hui – unten Pfui.
Die Bürgerinitiative Revitalisierung des Schussendeltas (BIRDS) hat im August zu einer Exkursion ins FFH- und Naturschutzgebiet beim Eriskircher Ried eingeladen.HIER. Die Teilnehmenden konnten sich vor Ort ein Bild von der dramatischen Situation machen: Wo intaktes Leben sein sollte, breitet sich massiv schwarzer, stinkender Faulschlamm aus. Für viele Wasserorganismen ist dieser Bereich zu einer Todeszone geworden – und das ist hausgemacht, nicht naturbedingt.
BIRDS liegen eindeutige Hinweise vor, dass der Nährstoffüberschuss in diesen niederschlagsarmen Zeiten weder auf die Landwirtschaft, noch auf diffuse Quellen wie Erosion und Abschwemmungen oder auf Regenüberlaufbecken zurückzuführen ist. Verursacher sind sogenannte Punktquellen: die 18 Kläranlagen im Einzugsgebiet, deren technische Kapazitäten ausgeschöpft sind. Sie können die Phosphatmengen nicht so weit reduzieren, dass die Probleme an der Mündung ausbleiben. „Wir stehen in dieser Hinsicht also vor einem ernsten Problem“, warnt Dr. Gerhard Moll.
Wie sich die Situation weiter draußen in der Flachwasserzone darstellt, untersuchte BIRDS bei einer eigenen Folge-Exkursion Anfang September. Bei einer Wassertiefe von 20 bis 40 Zentimetern war das Wasser erstaunlich klar, der Boden schien aus reinem, grauem Sand zu bestehen, und nur vereinzelte Algenansammlungen waren zu sehen. Eine Begleitdrohne hielt dieses trügerische Bild aus der Luft fest.
Die Enttäuschung beziehungsweise der kritische Befund folgte beim Betreten des Sandbodens: Schritt für Schritt sank man rund 15 Zentimeter ein, während reichlich Faulgas in Blasen an den Gummistiefeln aufstieg. Offenbar hat sich eine geschlossene Sanddecke über die abgestorbenen Wasserpflanzen gelegt. Darunter entsteht unter Sauerstoffabschluss massiv Faulgas. Das erklärt, warum von der ansonsten unauffälligen Seefläche der Flachwasserzone über Wochen und eventuell Monate hinaus ein anhaltender Gestank an das Land weht. Hier hat sich ein riesiges Faulgaslager entwickelt. Kaum öffentliche Beachtung findet dabei der massive ökologische Schaden durch austretendes Methangas, das ein Vielfaches klimaschädlicher ist als CO₂. Die Situation in der Flachwasserzone lässt sich daher treffend zusammenfassen: Oben hui – unten pfui.

Um dieses ökologische Desaster zu stoppen, reicht reines Bestaunen nicht mehr aus – die Politik ist in der Pflicht. BIRDS plädiert seit langem intensiv dafür, das stark belastete Wasser der Schussen mithilfe ökologischer Leitdämme kontrolliert direkt in den tiefen See hinauszuführen. Die zuständigen Behörden – insbesondere das Regierungspräsidium Tübingen und das Umweltministerium Baden-Württemberg – müssen dieses Konzept endlich ernst nehmen und erste planerische Schritte einleiten, beginnend mit einem Strömungsgutachten, das die Effekte von Leitdämmen untersucht. (dgm/ddm)

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