Bombenopfer in der Vergangenheit 


Düsseldorfer Schulklasse

Es ist inzwischen bekannt, dass Düsseldorf meine Heimatstadt ist, ziemlich weit im Westen. Nun ging es von hier im Südwesten auf eine Reise nach Osten. Reisebeschreibungen sind nicht unbedingt jedermanns Sache, aber der Weg nach Osten auf der Suche nach Familienspuren in das thüringische Schleiz hatte etwas Besonderes in diesen Tagen des Krieges in Europa und dürfte die Viernull-Redaktion in Düsseldorf auch interessieren. Manch ein Beitrag schwamm bereits zuvor vom Bodensee den Rhein hinauf. Hier.

Warum? 

Der Gang über den herrlich gelegenen Bergfriedhof der Stadt Schleiz in Südost-Thüringen lässt die Besucherin aus ihrer Heimatstadt Düsseldorf innehalten. Ein auffällig großes Grabmahl erinnert dort an den Tod einer Schulklasse, die kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges bei einem Bombenangriff ums Leben kam. 21 Schulkinder aus Düsseldorf waren es, die am 8.April 1945 bei der Bombardierung der Stadt ums Leben kamen. So kurz vor Kriegsende hier:

„Am Sonntag, dem 8. April 1945, stiegen morgens von ihren Basen in Nordfrankreich 155 zweimotorige Kampfflugzeuge der Typen Havocund Invader der 9th Air Force auf, um als Primärziel die Treibstofflager in Münchenbernsdorf (Südostthüringen) – nach Sicht – zu zerstören. Die lodernden Feuer und der dichte, schwere Qualm durch den Abwurf von 145 Tonnen Sprengstoff durch die ersten 123 bombardierenden Kampfflugzeuge waren so intensiv, dass 32 der folgenden Maschinen das für diesen Fall befohlene Zweitziel Schleiz ansteuerten. Sieben von ihnen fanden Schleiz nicht und klinkten ihre Bombenlast stattdessen über Pößneck aus.“

Die dabei zu Tode gekommene Schulklasse war im Rahmen der Kinderlandverschickung (KLV)- das Wort Evakuierung wurde von der Propagandamaschinerie damals bewusst vermieden-aus Düsseldorf wie so viele andere Kinder auf‘s Land in die vermeintliche Sicherheit vor den Bomben im Rheinland gebracht worden. Offiziell nannte die NS-Propaganda die KLV „gesundheitlich begründete Ferienreise“. Auch Jugendliche der „Hitlerjugend“ als Zwangsmitglieder des NS-Regimes fanden dort den Tod. 

Insgesamt gab es 200 Tote, unter denen sich die besagte Schulkasse aus dem heutigen Lessinggymnasium in Düsseldorf befand. Auskunft zu den näheren Umständen des Unglücks gab eine Dame, die die Bergkirche für Besucher auf diesem Friedhof betreut. Sie wusste zu berichten, dass damals die Schulkinder im Hotel zur „Goldenen Sonne“ erst seit einigen Tagen untergebracht waren. Nachdem die Bomben die Hauptwasserleitung zerstört hatten, drang Wasser in die Keller, in denen die Schulkinder Schutz gesucht hatten. So ertranken sie und sind grausam zu Tode gekommen. Jedes Jahr wird am 8.April an dieses Ereignis erinnert.

Blick auf die Bergkirche in Schleiz

Es ist schon bedrückend, vor dieser Kriegsgräberstätte auf dem Bergfriedhof mit den dort aufgelisteten Namen der Schulkinder zu stehen. Auf der linken Seite stehen unter dem Schriftzug „Die Düsseldorfer Heimat gedenkt in Liebe ihrer gefallenen Jungen“ die Namen der bei dem Bombenangriff im Hotel Goldene Sonne ums Leben gekommenen 21 Gymnasiasten aus Düsseldorf. Auf der rechten Seite finden sich unter der Überschrift „Dem Gedenken an die gefallenen Soldaten verschiedener Einheiten und den unbekannt gebliebenen Opfern“ 20 Namen und darunter der Satz „20 unbekannte Opfer“.

Ursprüngliches Denkmal (Privataufnahmen aus dem Familienbestand)
Denkmal heute (erneuert 1994)
Namensliste

Es schien mir als Nachkriegsgeborene bisher immer als etwas Fernes aus dunkler Zeit, wenn man solche Denkmäler betrachtete. Aber der Krieg in der Ukraine und seine Bilder verändern solche Eindrücke. Der Satz: „Nie wieder Krieg!“ aus der Nachkriegszeit, mit dem meine Generation in den 50iger Jahren groß wurde, passte noch nie zu all den Kriegen, die außerhalb von Europa seit langem wüten.

Die Gegenwart des Krieges in Europa schafft eine Nähe zu den Ereignissen der Vergangenheit, die man so eigentlich nicht mehr gebraucht hätte. Besonders wenn man „Düsseldorfer Heimat“ in der thüringischen Ferne in Stein gemeißelt sieht.

Bilder vom Krieg der Gegenwart in der Ukraine hat die Medienplattform “dekoder“ hier veröffentlicht. Von den aktuellen Bilder in Isjum ganz zu schweigen.Der Mensch ist offensichtlich nicht lernfähig. . . .

Ein Kommentar zu „Bombenopfer in der Vergangenheit 

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