Ausgleich für das geplante Pflegeheim

Keine schnelle Nummer

Es ist nicht trivial: Naturschutz erfordert gute Rechenkünste. Für die Bebauung geschützter Flächen braucht man einen Ausgleich. ( Ökopunkte )Das ist Gesetz. Diese Erfahrung wurde bereits am Mooser Weg gemacht. Vielleicht wird den BürgerInnen nach der Sitzung am letzten Montag nun klar, warum die Sache mit den Pflegeheim länger dauert. Auf den Veranstaltungen aller Parteien wurde im Vorfeld der Kommunalwahl immer wieder kritisiert, dass alles so lange dauere.

Die Schaffung von Ausgleichsflächen ist für die möglichen Flächen am Auffangparkplatz, die für das künftige Pflegeheim benötigt werden, Pflicht. In der Diskussion sind die beiden Flächen am Auffangparkplatz und die Fläche gegenüber vom Strandbad. Das wurde am letzten Montag in der Gemeinderatssitzung deutlich. HIER (TOP 9)

Da für den Bereich des Auffangparkplatzes keine konkrete Planung vorliegt, wurde ebenfalls mit einem Worst Case Szenario (GRZ 0,8) im Bereich der Flurstücke 1173, 1174, 1174/1 und 1175 gearbeitet. Durch den hohen Versiegelungsgrad sowie dem Fehlen jeglicher potenziellen Grünfläche fällt der Ökopunkteausgleichsbedarf entsprechend hoch aus. So verursacht der Eingriff einen Ausgleichsbedarf an 293.507 Ökopunkten. Was hierbei fehlt, sind die Punkte des Landschaftsbildes, für welche eine entsprechende Analyse durchgeführt werden muss. Sicherlich lassen sich durch eine passende Planung (Grünflächen, GRZ) einige Ökopunkte einsparen. Zudem kommt der naturschutzfachliche Ausgleich hinzu. Es wird eine FFH- Mähwiesenfläche von 7.064qm überplant. Durch den Faktor von 1:2 ist man bei 14.128qm. Auch geht ein Streuobstbestand an etwa 3.918qm verloren. Es wird hierbei ebenfalls ein Faktor von 1:2 einkalkuliert. Es gilt eine Fläche von 7.836qm neu mit Streuobstbäumen zu pflanzen. Als Alternative wäre es auch möglich, die vorhandenen Bäume zu zählen und ebenfalls durch den Faktor 1:2 auszugleichen. Die neuen Bäume müssen dann auf einer entsprechenden Fläche in einem 10m auf 10m Raster angepflanzt werden. Vermutlich kommt man so mit ein bisschen weniger Fläche aus. 

Auffangparkplatz: 293.507 Ökopunkten (ohne Landschaftsbild) sowie zusätzlich eine FFH- Mähwiesenfläche von 14.128qm sowie zusätzlich eine Streuobstwiese von 7.836qm. 

Zudem waren wir auf der Fläche beim Auffangparkplatz und haben die vorkommenden Streuobstbäume gezählt. Insgesamt umfasst die Streuobstwiese einen Bestand an 100 Obstbäumen, die wenn der Ausgleich über die Anzahl der Bäume erfolgt mit 1 zu 2 auszugleichen sind. Hier gilt zu berücksichtigen, dass die neuen Bäume auf der neuen Fläche einen Abstand von 10 auf 10 Meter zueinander aufweisen müssen. Wenn man es argumentativ schafft, den Ausgleich über die Fläche der Streuobstwiese auszugleichen, würde man mit deutlich weniger Fläche auskommen.“ ( Hervorhebung AGORA-LA)

Zu den Mähwiesen hier bei AGORA-LA.

Alles klar? Jetzt kommt der zweite mögliche Standort.

Für den Standort beim Strandbad/ Interimskindergarten hat das Büro Sieber Consult GmbH nachfolgende Eingriffs- Ausgleichsbilanzierung erstellt. Hierbei wurden zwei Varianten der Beurteilung durchgeführt. Variante I enthält das komplette Grundstück Flst. Nr. 354 inklusive der Parkplatzfläche und Spielplatz-/Volleyballspielfeld. Variante 2 beschränkt sich auf die Fläche des Flst.Nr. 354 ohne die Parkplatzfläche und Spielbereichsfläche, jedoch mit Haus 110/1 und Wertstoffsammelstelle. Die Eingriffs Ausgleichbilanzierung ist wie besprochen angepasst worden. Zudem wurde in die zweite EAB der Parkplatzbereich mit integriert. 

Der Eingriff ohne Parkplatz verursacht im „Worst Case Szenario“ auszugleichende Ökopunkte in Höhe von ca. 195.316 Ökopunkten (Landschaftsbild fehlt). Auch weiterhin werden 4.812qm Mähwiese überplant und es sind 9.682qm neue Mähwiese anzulegen. 

Der Eingriff mit Parkplatz verursacht im „Worst Case Szenario“ auszugleichende Ökopunkte in Höhe von ca. 228.117 Ökopunkten (Landschaftsbild fehlt). Auch weiterhin werden 4.812qm Mähwiese überplant und es sind 9.682qm neue Mähwiese anzulegen.“ 

Noch genauer finden Sie es in den Sitzungsunterlagen hier. Es wird ein Kunststück sein, die Flächen so zu nutzen, dass die ökologisch hochwertigen Flächen nach Möglichkeit nicht vollständig in die Überbauung einbezogen werden, um den Ausgleichsbedarf minimieren zu können. Das hat die Verwaltung betont und dem Gremium zur Kenntnis gebracht.

Einschätzung:

Das Spiel mit den Flächen ist kein Spiel. Es ist ernst. Es betrifft den Menschen direkt, gerade in Zeiten des Hochwassers, der Dürren und den Auswirkungen des Klimawandels direkt vor Ort. „Für Baden-Württemberg gilt damit, bis 2030 weniger als 3 Hektar neue Flächen pro Tag zu beanspruchen. Trotz rückläufiger Tendenz wird dieser Wert aktuell noch deutlich überschritten. Langfristiges Ziel für Baden-Württemberg ist es, bis 2035 die Netto-Null zu erreichen.“ Das schreibt  das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft hier. Die Gesetzgebung dafür wurde bereits unter der Koalition Bündnis 90 DIE GRÜNEN/CDU in BW eingeleitet hier. 

Auch wenn man die Notwendigkeit des Neubaus des Pflegeheims schon lange erkannt hat, die Flächenverbräuche und deren Ausgleich wird man nicht umgehen können (vgl.Flächenverbrauch BW hierhier). Das hat der Gemeinderat am letzten Montag zur Kenntnis nehmen müssen. Da ist der Ausgleich der Fläche der hochwertigen Fläche Mooser Weg noch gar nicht mit berücksichtigt. In der Sitzung fiel der Begriff der Quadratur des Kreises.

Vielleicht hätte man einfach Jahre zuvor bereits mit der Planung beginnen müssen!

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