Tage der Erkenntnis Teil 2 ( Teil 1 hier )
Es ging am letzten Freitag erneut mit dem Fahrrad zum Hafen nach Lindau zur Schiffstour zur Mainau. Einchecken um 7.15 Uhr. In der Schlange standen viele junge Leute, die noch etwas verschlafen in die Welt schauten.

Das Schiff „Sonnenkönigin“, das unter österreichischer Flagge fährt, hatte sich mit dem Spruch aus dem Bundesland Baden-Württemberg, „THE LÄND: The first step to Stockholm“ an der Reling geschmückt. Schließlich ging es von Bayern aus auf die Insel Mainau in Baden-Württemberg.

Am Aufgang zum Schiff „THE LÄND“ auf zwei Beinen. Warum man immer noch diesen Kalauer „THE LÄND“ benutzt, ist nicht zu verstehen. (AGORA-LA hatte dazu hier geschrieben). Die englischsprachigen TeilnehmerInnen verstanden es auch nicht. Baden-Württemberg hat sich später im Innenbereich als hervorragende Wissenschaftslandschaft ( “scientific landscape“) vorgestellt. Warum also immer noch „THE LÄND“?

Dann mal erst Frühstück und die Präsentationen einzelner Institute in „THE LÄND“ und deren Zusammenschluss: z. B. Quantum BW, hier: Der Mann mit der Kuckucksuhr, der den Kuckuck liebevoll verabschiedete und seine Arbeit am Institut für Quantentechnologien erklärte: „ Das Ziel des DLR-QT ist es, Präzisionsinstrumente der nächsten Generation zu entwickeln, die unter anderem für die Navigation und Kommunikation sowie für die Erd- und Wetterbeobachtung im Weltraum eingesetzt werden können.“ Die Kuckucksuhr ist out, aber auch die alten Uhren auf Satelliten im Weltraum sind passé. Sie sind teilweise noch aus den 60iger Jahren und können GPS -Daten irgendwann kaum noch genau liefern, so wurde es erklärt.


Etwas, was weniger kosten soll als sonst üblich, aber keinesfalls als billig abzuwerten ist, beeindruckte sehr: Forscher des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik aus Tübingen haben ein Modell eines neuen Niederfeld-MRT-Systems gezeigt. „[. . . ]Es kombiniert Hyperpolarisation mit Bildgebungsverfahren, die bei geringen Magnetfeldstärken ausgeführt werden können. Die Qualität der MRT-Bilder kann zusätzlich mithilfe Künstlicher Intelligenz verbessert werden.“ (vgl.hier) MRT für die Ärmeren im globalen Süden:„ [. . . ] Unser erklärtes Ziel ist es, mithilfe unserer Entwicklung einen Beitrag für die Entwicklung von effizienten und kostengünstigen MRT-Scannern zu leisten. Diese können dann auch besonders auf den Bedarf der Länder des Globalen Südens optimiert werden.[. . . ]“ Diese Vision haben Max-Planck-Forscherin Gabriele Lohmann und Doktorand Pavel Povolni auf dem Schiff vorgestellt.


Land in Sicht: Die Mainau
Auf dem Weg zum Science Picnic auf der Insel trifft man sich wieder: Die Mitglieder der Gruppe junger WissenschaftlerInnen, die ihre Sichtweise (vgl.hier) zur Nutzung von Kernenergie sowie deren Kosten haben und ihren Blick darauf auch formulierten. Wie war das denn nun beim Bier mit dem Professor?
Sie hätten einen guten Austausch mit Prof. Betzig gehabt, und sie seien froh gewesen, dass es seitens der Veranstalter spontan die Möglichkeit für ihren zusätzlichen Impuls gegeben hätte. So ihre Einschätzung. Das sei nicht selbstverständlich, gleichzeitig verwiesen sie auf die Berechnungen des 6.ICCP -Reportes. /Weltklimarat)
Weiter ging’s zu einer Podiumsdiskussion mit dem Thema: ? How to Preserve Trust in Science in the Age of AI( Wie kann man das Vertrauen in die Wissenschaften im Jahrhundert von KI bewahren)


Einige Notizen dazu: Besonders während der Pandemie habe das Vertrauen in die Wissenschaften gelitten. Daher bedürfe es besonders große Anstrengungen, dieses Vertrauen wieder herzustellen. Ein Wort fiel immer wieder „ accountability“, Verantwortung im Sinne von Rechenschaft ablegen für Ergebnisse der Forschung. Das könne keine Maschine übernehmen.
Wie man wissenschaftlich seriös kommuniziert, die Wahrheit und die Validität von Forschungsergebnissen herausfindet, bietet diese Seite einer jungen Forschungsgruppe an.

Auf zum Picnic und Musik


Für die Gemeinschaft der jungen WissenschaftlerInnen hielt Suraya Kazi die Abschlussrede. Das war die junge Frau aus Bangladesch, die den Schnee in Schweden so liebt (vgl. hier). Mitglieder ihrer Familie waren bereits einige Jahre in Schweden gewesen. Daher wollte auch sie näher an den Ort, an dem der Nobelpreis verliehen würde, so sagte sie im Gespräch. Sie war gerade nach Schweden gekommen, als die Pandemie ausbrach. Daher konnte sie drei Jahre lang ihre Familie nicht sehen, immer in Angst um ihre Liebsten und doch zielbewusst ihre Forschungen (auf dem Gebiet Nanooptik) in einem einsamen Zimmer im Blick, isoliert von den anderen StudentInnen.
Auf dem Rückweg zum Schiff gestand sie, dass sie erst auf der Hinfahrt zur Mainau auf dem Schiff die Zeit für den Entwurf ihrer Rede gehabt habe.

Es gäbe noch so viel zu berichten, aber das würde diesen Rahmen sprengen. Was bleibt ? Die Begeisterung für die Sache auf beiden Seiten- Alt und Jung, die Fröhlichkeit dieser Tage. Die Meinung der ehrwürdigen Nobelpreisträger, die sagten: „Wir müssen wissen, wie die Jugend denkt. Das hält uns jung!“

Und auf der Rückfahrt auf hoher See weht der Spirit of Lindau vielleicht auch nach Langenargen. . .?

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