Kultur nur noch als Kür in LA?

Vertagung eines Tagesordnungspunktes im Gemeinderat

Auch wenn ein Tagesordnungspunkt am 23.9.2024 TOP 14 ( Vertragsverlängerung „Internationales Festival  junger Meister“) letztlich von der Tagesordnung abgesetzt wurde, lohnt es sich, die zuvor im Gremium ausgetauschten Argumente zu  betrachten, um die Absetzung des Tagesordnungspunktes schließlich  zu verstehen.( Vgl. MOBO:Vertragsverlängerung „Internationales Festival junger Meister“, TOP 14: Der Gemeinderat beschloss einstimmig die Absetzung des Tagesordnungspunktes. Die Verwaltung wurde beauftragt weitere Details abzuklären und den Tagesordnungspunkt auf eine der nächsten Sitzungen zu setzen. HIER)

Die Diskussion begann unter dem Eindruck einer knapper werdenden Kassenlage. (vgl.TOP hier) Es hieß, die fetten Jahre seien vorbei. In diesem Zusammenhang fragte der Fraktionsvorsitzende der CDU Terwart und zweiter stellvertretender Bürgermeister, wieviel Kultur man sich denn überhaupt künftig noch werde leisten können. Kultur sei die Kür im Ort. Auch verwies er auf die schwierige wirtschaftliche Lage der ZF, die als Sponsor agiere. Er plädiere daher dafür, nur über zwei Jahre zu entscheiden.

Die Fraktionsvorsitzende der Offenen Grünen Liste (OGL), Köhle, betonte, dass die Veranstaltung junge Talente der klassischen Musik hervorgebracht hätte, dass durch die Unterstützung seitens der ZF-Stiftung Langenargen eine Strahlkraft in der Klassikszene erlangt habe und in der Folge auch Geld in den Ort bringen könne. Gemeinderat Lemp ( FWV) wollte wissen, wieviel LA überhaupt für Kultur und Kunst ausgebe Gemeinderat Maier (CDU) wiederum mehr von den Kosten für den Kulturbereich des Ortes sehen. Gemeinderat Wocher (CDU) störte sich an der Dauer der Verträge. 

Schließlich wurde über die Vertagung von TOP 14 abgestimmt und einstimmig das Thema von der Tagesordnung genommen, um weitere Informationen für alle zu sammeln.

Einschätzung

Es ist zu hoffen, dass die Gemeinderäte, die über die Fortführung dieser hochkarätigen Veranstaltung zu befinden haben, die Zeit bis zu einer erneuten Entscheidung nutzen, in sich zu gehen. Langenargen hat einige erfolgreiche junge Künstler und Künstlerinnen aus diesen Meisterkursen hervorgebracht. Es ist ein Alleinstellungsmerkmal für LA, auf das man stolz sein kann. Solche Veranstaltungen müssen für die Professoren, die diese Meisterklassen leiten, planbar sein. Sie haben neben diesen Kursen noch andere Verpflichtungen und man darf froh sein, wenn sie dafür in der Osterzeit zusagen. Sie verhelfen dem Ort zu einem Highlight, von dem manch anderer Ort nur träumen kann!

Übrigens in diesem Jahr war die Fränkelstiftung als Partnerin des Violinfestivals dabei. Hier. Aber auch eine ZF-Stiftung, die den ZF-Musikpreis (in Verbindung mit dem Klavierfestival Junger Meister) für die Pianisten stiftet, dürfte wirtschaftlich abgesichert sein, unabhängig von möglichen wirtschaftlichen Turbulenzen, die seitens des zweiten stellvertretenden Bürgermeisters angesprochen wurden.

Und noch etwas: Kultur ist nicht nur eine Kür. Gerade die klassische Musik als Kulturgut ist überlebenswichtig, sie muss gepflegt werden und sie verbindet die Menschen. Besonders in diesen Zeiten jenseits mancher Kriegsfronten (vgl.hier)

Wir können froh sein, dass wir jungen Leuten die Möglichkeit geben können, ihre Talente zu entdecken und zu verbesseren. Zweifel an der Kontinuität der Unterstützung durch die Gemeinde aufkommen zu lassen, sendet das falsche Signal nach außen, auch an die Sponsoren. Um hochkarätige Pädagogen und Professoren dauerhaft zu verpflichten, müssen die jungen Musiker und deren Lehrer planen können. Außerdem, wo bekommen Sie als Laie für fünf Euro den Blick hinter die Kulissen von Lehrenden, Übenden und deren harter Arbeit?

Den Mehrwert dieser Veranstaltung genau zu benennen, dürfte schwierig werden. Wenn jedoch der Hotelier (Wittmann, CDU) als neu gewählter Gemeinderat sich über mögliche Einzelübernachtungen beklagt, die dann Gäste mit der Option eines längeren Aufenthaltes blockieren würden, verwundert das schon. Vielleicht müsste man über neue Wege nachdenken:  Langenargen als Ort der klassischem Musik auch mit Blick auf die Schlosskonzerte. Ein Tourismusbüro, das Pakete für Liebhaber klassischer Musik mit mehr als einer Übernachtung in Absprache mit den Hoteliers schnürt: Mit der klassischen Musik in den Ohren vom Vortag am anderen Tag auf’s Fahrrad, ein Besuch im Museum oder beim Stipendiaten im Kavalierhaus . . . .?  Langenargen könnte dauerhaft ein Ort für „artists in residence“ auch für klassische Musik sein, eben wie im bereits in der bildenden Kunst.

Kür ist mit dem Verb küren oder wählen verwandt. Langenargen sollte keine Wahl haben, Kultur ist Pflicht und zeichnet diesen Ort aus! Auch wenn die fetten Jahre vorbei sind, wie der Kämmerer am Ende seiner Ausführungen erklärte. Dass man in der Vergangenheit Investitionen liegen gelassen hat, die nun getätigt werden müssen ( Seniorenheim, Tiefgarage, Feuerwehrhaus, Schloss, Schlossgarage,Hafenmauer, Kosten für Bürgerentscheide . . . ) und Geld kosten hat keine Erwähnung gefunden.

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