Neues Leitungsteam
Der Aufsichtsrat der Klinikum Friedrichshafen GmbH benennt in herausfordernden Zeiten ein neues starkes Leitungsteam für den gesamten Medizin Campus Bodensee.
Zum 1. August übernehmen Anne Matros als Direktorin, Stefan Füßinger als Kaufmännischer Direktor und Stefanie Pareth als Personalleiterin ihre neuen Aufgaben. Bis Ende August arbeiten sie eng mit Geschäftsführerin Anthea Mayer zusammen, die den MCB dann verlassen und sich beruflich neu orientieren wird.
HIER schreibt der Landrat.
Nun hat sich auch der Betriebsrat in einem offenen Brief vom 4.8.2025 an den Landrat gewandt:

Offener Brief zur Trägerschaft des Medizin Campus Bodensee:
Sehr geehrter Herr Landrat Prayon,
nach der Pressemeldung aus dem Friedrichshafener Rathaus, dass die Trägerschaft der Gesellschaften des Medizin Campus Bodensee (MCB) ab 01.01.2026 an den Landkreis übergehen soll, veröffentlichten Sie am 08.07.2025 eine Antwort auf diese Ankündigung.
In besagter Pressemeldung äußerten Sie Ihre große Verwunderung zum Vorgehenden der Stadt Friedrichshafen.
Zitat: „Wir haben uns gemeinsam mit der Stadt und dem Landkreis Ravensburg auf den Weg gemacht, um eine tragfähige Lösung für die Zukunft der Krankenhausversorgung in der Region zu entwickeln. Mit dem Ziel, die Gesundheitsversorgung für die Bürgerinnen und Bürger langfristig sicherzustellen. Diesen Weg hat die Stadt nun zu einem Zeitpunkt verlassen, an dem eine vertrauensvolle Abstimmung wichtiger denn je gewesen wäre. Denn zentrale und grundlegende Fragen sind noch offen.“
War hier Verwunderung im Spiel, oder ist man sich nicht nähergekommen und die Stadt Friedrichshafen hat mit ihrer Mitteilung nur mehr Druck erzeugen wollen? Wir wissen es nicht. Eins hat man aber auf jeden Fall erreicht, unsere Mitarbeitenden wurden verunsichert. Das haben Sie in Ihrer Pressemeldung ebenfalls erkannt.
Am 29.07.2025 veröffentlichte die Schwäbische Zeitung nun Zukunftsszenarien für den MCB. Welches Szenario ist Ihrer Meinung nach das Wahrscheinlichste? Die Botschaft, dass der Kreis sich den MCB nicht leisten will bzw. kann, ist bei uns angekommen. Auch die Stadt Friedrichshafen, mit ihrer angeschlagenen Zeppelin Stiftung, kann sich den MCB nicht mehr leisten. Was jetzt?
Die Stadt Friedrichshafen hat in den letzten 17 Jahren (so haben wir es in der Gemeinderatssitzung verstanden) 200 Mio. Euro für das Fortbestehen des MCB und die Versorgung der Menschen im Landkreis gezahlt.
Als die politischen Rahmenbedingungen und die unzureichende Finanzierung der Krankenhäuser sich verschärften, stand die Stadt Friedrichshafen zu seiner Klinik. Wir wurden nicht verkauft! Im Gegensatz zur Klinik Tettnang, welche sich der Landkreis 2005 nicht mehr leisten konnte bzw. wollte und in private Hände gab. Was daraus geworden ist sehen wir jetzt.
Ohne das Klinikum Friedrichshafen, welches die Klinik Tettnang wieder in kommunale Hand übernommen hat, wäre diese wahrscheinlich schon länger nicht mehr vorhanden. Jetzt soll sie, nun zusammen mit dem Klinikum Friedrichshafen, wieder zurück zum Landkreis, nach 20 Jahren, ohne nennenswerte Investitionen. Jedenfalls sind uns keine bekannt. Erst 2017 nach Übernahme vom privaten Träger hat nun der MCB in Tettnang wieder einige Investitionen getätigt und zusätzlich die „Investitionsschulden“ des privaten Trägers übernommen.
Nun entnehmen wir den verschiedenen Artikeln und Ihrer Stellungnahme, dass eventuell zukünftig auch für die Gesellschaften des MCB nach einem privaten Träger gesucht werden soll. Sind Sie erst bereit zu einem Weiterbetrieb eines kommunalen Krankenhauses unter Trägerschaft des Landkreises, wenn kein privater Klinikbetreiber den MCB übernehmen möchte?
Das erste Bestreben eines privaten Trägers ist die Rendite. Oder sehen wir das falsch? Daher wird, ähnlich wie in der Vergangenheit, in Tettnang und dann auch in Friedrichshafen nur das Notwendigste investiert. Die Zitrone wird weiter ausgepresst und wenn sie nichts mehr hergibt, stehen wir wieder da, wo wir uns heute befinden. Vor einer drohenden Insolvenz und vor der Tür des Bodenseekreises, mit einem noch größeren Investitionsstau.
Unsere Meinung: jede Klinik in privater Hand ist ein großer Verlust für die Menschen in unserem Land. Gesundheit darf keine Ware sein, mit der man Geld verdient und Rendite erwirtschaftet. Mit den Geldern der Krankenkassen und der öffentlichen Hand darf kein Profit gemacht werden. Letztendlich sind es auch die Gelder der Menschen im Bodenseekreis.
Es ist nachvollziehbar, dass die Stadt Friedrichshafen nicht die Gesundheitsvorsorge im Landkreis allein finanzieren will und auch nicht mehr kann. Lange genug wurde es gemacht, auch wenn nach unserer Meinung Fehler gemacht und Fehlentscheidungen getroffen wurden.
Jetzt ist die Zeit etwas zu ändern. Für eine optimale medizinische Versorgung der Menschen im Bodenseekreis, eine zukunftsorientierte und nachhaltige Finanzierung verteilt auf mehrere Schultern. Jeder muss seinen Beitrag leisten. Die derzeitigen politischen Rahmenbedingungen können nicht mehr von einem Träger allein getragen werden.
Wir denken, wird die Trägerschaft jetzt in private Hände gegeben, werden nachfolgende Generationen dafür zahlen müssen. Wir befürchten, dass hier ein Szenario droht, dass wir den Menschen in Friedrichshafen, im Landkreis und unseren Mitarbeitenden nicht wünschen. Wir befürchten, dass dem MCB die Insolvenz und die Abwanderung von Beschäftigten droht. Dann ist ein Weiterbetrieb gefährdet, denn ohne gutes Personal ist eine Gesundheitsversorgung im Bodenseekreis nicht gewährleistet.
Wesentliche Ursachen für unsere Defizite sind nicht die Mitarbeitenden. Ca. 80% der Kliniken in Deutschland erwirtschaften zurzeit aufgrund einer großpolitisch gewollten Unterfinanzierung Verluste. Hierunter leiden auch private Träger. Somit sind diese nicht die Lösung des Problems.
Sehr geehrter Herr Prayon, der Betriebsrat der Klinikum Friedrichshafen GmbH fordert Sie auf:
- Verzicht auf einen privaten Investor
- Führen Sie die kommunale Trägerschaft fort (vlt. zusammen mit der Stadt FN?), behalten Sie den MCB in öffentlicher Hand
- Tragen Sie mit dazu bei, die Beschäftigten des MCB nicht weiter zu verunsichern, damit nicht noch mehr gute Mitarbeitende den MCB verlassen. Wir brauchen unsere Mitarbeitenden dringend zur Versorgung der Menschen im Landkreis.
- Tragen Sie Ihren Teil bei zu einer Investition in die zukünftige medizinische Versorgung der Menschen im Bodenseekreis
Es würde uns sehr freuen, wenn Sie sich persönlich ein eigenes Bild unserer Klinik und den Beschäftigten des MCB machen würden. Dazu laden wir Sie recht herzlich ein.
Mit freundlichen Grüßen
Im Namen des Betriebsrates der Klinikum Friedrichshafen GmbH
Matthias Schlunke Eberhard Böckler, Jan Hofmann Dominik Penkalla Betriebsratsvorsitzender, 1.Stv.Betriebsratsvorsitzender 2.Stv.Betriebsratsvorsitzender, 3.Stv.Betriebsratsvorsitzender
Hier schreibt der Bodenseekreis.
Berichterstattung aus der Vergangenheit bei AGORA-LA:hier, hier, hier
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