Wahlkampf der AfD zur Landtagswahl
Knapp 100 Demonstranten fanden sich im dichten Nebel und eisigen Temperaturen am letzten Mittwoch vor der Irishalle in Eriskirch ein. (s. hier). Da die beiden Zeitungen Schwäbische Zeitung hier und der SÜDKURIER hier bereits über die Redebeiträge in der Halle ausführlich berichtet haben, hat sich die Redaktion AGORA-LA entschieden dies nicht ein drittes Mal zu tun, obwohl AGORA-LA als Pressevertretung auch in der Halle anwesend war.

Nur so viel:
Es gab eine Anmoderation in der Halle durch Andreas Piekniewski, Mitglied des Kreistages für die AfD, der sich zuvor nach eigenen Angaben vor der Halle unter die Demonstrierenden gemischt hatte. Er ist Lehrer und stand 2024 unter Beobachtung ( vgl.hier, hier) Am Mittwoch berichtete er vor seinem Publikum in der Halle, er habe zuvor die Demonstranten draußen beobachtet, die er als „ Kindersoldaten der Antifa“ bezeichnete. ( Aufzeichnung der Veranstaltung auf youtube noch sichtbar, abgerufen 24.1.2026, 13.45 Uhr). Diese Bezeichnung von Demonstrierenden erübrigt jede weitere inhaltliche Berichterstattung über die Veranstaltung in der Halle. Vielmehr soll nun die gesamte Rede von Doris Hog von Omas gegen rechts sichtbar gemacht werden:

„Demokratie braucht keine Alternative“, die parlamentarische Demokratie, das System, dem wir hier in unserem Land seit der Befreiung vom Nationalsozialismus vertrauen, diese unsere Demokratie garantiert uns Menschenwürde, Freiheit und Mitbestimmungs- und Mitgestaltungsrechte. Sie ist das Beste, was wir haben. Dazu gibt es keine Alternative und wir werden diese Demokratie verteidigen, mit allen Mitteln, die uns eben diese Demokratie zur Verfügung stellt.
„Demokratie braucht keine Alternative“ – unsere Demokratie braucht und will keine AfD. Unsere Demokratie braucht und will keine Partei, die die Menschenwürde mit Füßen tritt, die in unserem Land nach völkischen und nationalistischen Kriterien sortieren will, wer dazugehören darf und wer eben nicht. Wir brauchen und wollen keine Partei, die immer wieder die Ängste unserer Bevölkerung schürt, hochputscht und dann Scheinlösungen anbietet. Wir brauchen und wir wollen keine Partei, die Hass und Hetze, die Diskriminierung in ihrer DNA hat und sich von Spaltung nährt und am Leben hält. Wir brauchen und wir wollen keine Alternative für Deutschland!
Wir Omas Gegen Rechts Bodensee sind eine überparteiliche Initiative. Wir treten ein für die Unantastbarkeit der Menschenwürde, für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, für die Vielfalt auf allen Ebenen unserer Gesellschaft, für Toleranz und Respekt, für eine solidarische, inklusive Gesellschaft, für Gewaltlosigkeit und für einen verantwortungsvollen Umgang mit unserer Umwelt.
Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass wir heute hier stehen – stehen müssen! Und wir dürfen hier und heute mit Vertreter*innen verschiedener Parteien stehen, das freut uns ganz besonders. Linke, Grüne und SPD unterstützen uns heute und schließen sich unserem Motto an. Auch die CDU hatten wir eingeladen, aber leider keine Rückmeldung erhalten. Schade.
Doch lasst mich erklären, warum wir heute hier stehen. Hier, wo heute die AfD im Bodenseekreis ihre Wahlkampfveranstaltung abhält. Die AfD ist nicht verboten, sie ist zur bevorstehenden Landtagswahl am 8. März zugelassen. Ich sagte bereits, wir Omas Gegen Rechts sind überparteilich – warum also eine Kundgebung gegen diese Partei, die doch so gerne als „ganz normal“ auftritt?
Wir stehen hier, weil die AfD eben keine „normale“ Partei ist. Alle anderen Parteien, die heute hier vertretenen, aber auch und natürlich die CDU bewegen sich im demokratischen Spektrum, stehen fest auf dem Boden unseres Grundgesetzes. Sie können die eine oder andere Position vertreten, die uns nicht passt, über die wir hart diskutieren, der wir widersprechen. Diese Diskussionen finden im Haus der Demokratie statt! Die AfD darf draußen bleiben.
Draußen bleiben darf auch Markus Frohnmaier. Er kandidiert in unserem Bundesland als Ministerpräsident, will Nachfolger von Kretschmann werden. Am Landtag hat er keinerlei Interesse, für den bewirbt er sich nicht. Ministerpräsident wird er nicht – auch bei Zuwächsen der AfD in Baden-Württemberg ist dieses Ziel völlig illusorisch. Da wird er also nach diesem Wahlkampf in Berlin im Bundestag bleiben – man muss ja schließlich von was leben – am liebsten von unser aller Steuergeld. Einen Beruf hat er nicht, nur ein abgebrochenes Studium. Ein Umstand, der in seiner Partei, die eigentlich fünf Jahre Berufserfahrung außerhalb der Politik von Funktionsträgern erwartet, totgeschwiegen wird – wie die Queerness der Parteichefin.
Frohnmaier strebt nach höheren Weihen, wie er kürzlich mit seiner Reise in die USA deutlich machte. Dort wurde ihm bei den Jungen Republikanern ein Preis verliehen – weil er sich hier bei uns gegen vermeintliche Unterdrückung wehrt. Die Meinungsfreiheit bei uns sei eingeschränkt, das neue Narrativ der Trump-Regierung. Gleichzeitig fällt Frohnmaier durch eine extreme Russlandnähe auf – Russland, wo Meinungsfreiheit faktisch nicht existiert.
Passend zur AfD erscheinen auch die öffentlich gewordenen Chats bei den jungen Republikanern. Da werden Witze gemacht über den Holocaust und es werden Liebeserklärungen an Hitler gepostet. Frohnmaier versteigt sich in seiner Dankesrede zu dem Satz: „Die Tage, sich für unser Erbe zu entschuldigen, sind vorbei. Lasst uns unsere Kultur zurückerobern.“ Zwischen den Zeilen sticht hier der Verweis auf den von Rechtsextremen geprägten Begriff des „Schuldkultes“ ins Auge. Wir wissen ja, dass die AfD von einer durch Verantwortung getragene Erinnerungskultur nichts hält.
Für Baden-Württemberg strebt Frohnmaier im Fall seiner Wahl eine „Rückführungsoffensive“ an. Den verfassungsfeindlichen Ausdruck der „millionenfachen Remigration“ vermeidet er an dieser Stelle geflissentlich. Er fantasiert von einer zusätzlichen Startbahn, die er am Stuttgarter Flughafen bauen lassen will. – Das sind die „Visionen“ dieses Gernegroß, der meint, ein Dreiteiler mache ihn zu einem seriösen Menschen und Politiker.
Wir alle haben die Wahl am 8. März. Wir müssen deutlich machen, dass nur die Wahl einer demokratischen Partei zielführend ist. Das können wir alle tun – in Gesprächen mit Nachbarn, am Arbeitsplatz, überall, wo sich Gelegenheit dazu bietet. Wir können von unserem Demonstrationsrecht Gebrauch machen, am 07. Februar in Ravensburg, wenn es zum dritten Mal heißt, laut gegen rechts zu sein. Oder auch am 15. Februar in Lindenberg im Allgäu, wenn der Faschist Höcke dort auftritt. Wir müssen zusammenstehen, gemeinsam aktiv sein gegen rechts.
Und wenn heute hier glücklicherweise auch viele Mitglieder und Funktionsträger*innen demokratischer Parteien anwesend sind, dann will ich auch nochmal klarmachen, dass unser Grundgesetz die Möglichkeit des Verbotes verfassungsfeindlicher Parteien ausdrücklich vorsieht. Wir Omas Gegen Rechts befürworten einen möglichen Antrag unserer Verfassungsorgane beim BVG. Ich kann den Parteien nur zurufen: Kommt endlich in die Gänge und unterstützt die vielen Menschen, die gegen die AfD auf die Straße gehen! Dringt auf den Antrag beim BVG!
Demokratie braucht keine Alternative – nicht in Eriskirch, nicht in Baden-Württemberg, nicht in unserem Land.
Alle zusammen gegen den Faschismus. Alle zusammen für die Demokratie!

Die Wahlergebnisse der AfD nach der letzten Bundestagswahl abrufbar in Eriskirch hier, in Kressbronn hier und in Langenargen hier. Vertreter der grünen Jugend, der SPD und der Linken waren an diesem Abend vor der Halle anwesend und haben auch gesprochen, wurden leider durch die Beschallung mit lauter Musik seitens der AfD nahezu unhörbar gemacht.
Vertreter und Vertreterinnen der CDU, die in Redebeiträgen seitens der AfD in der Halle immer wieder verbal angegriffen wurde, waren nicht unter den Demonstranten.

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