Eine Fiktion im Sonnenuntergang
Ja, wenn sie sprechen könnten, die Bilder im MULA (Abk. Museum Langenargen), dann würden sie sich laut wundern: Über die Veränderungen im Museum, die der „frische Wind“ ( vgl. hier) scheinbar neu in die Räume trägt.

Manches Bild findet sich in anderer Gesellschaft an neuen Orten, darüber mögen sich die sprechenden Bilder in den verschiedensten Farben unterhalten. So beispielsweise die beiden Purrmann-Bilder, die in einem eigenen Raum zusammen mit Dietlinde Stengelins Bildern hängen. Ihr Bild mit dem Titel „ . ..nach Purrmann“ hing bereits zuvor mit dem Purrmannbild zusammen im Prälatensaal.

Was das Purrman-Bild auf seinem Weg nach unten wohl geflüstert haben mag? Vielleicht: „Schade, dass wir nicht oben in diesem lichtdurchfluteten Raum bleiben dürfen, aber hier ist es auch angenehm. Auf diese Weise hänge ich nun als Bild „Garten am Bodensee“ gemeinsam mit einem anderen Bild, dem „Atelierinterieur“ von Purrmann, mit einem weiteren Bild von Dietlinde Stengelin „Im Rot“ in einem Raum… So können wir uns nun zu viert unterhalten, auch nicht schlecht.“

Viele Bilder im Museum wurden umgehängt. Nachts können Kunstkenner – und nur sie– deren Flüstern in ihren hölzernen Rahmen hören:
Sie unterhalten sich mit ihren neuen Nachbarn, müssen sich gegenseitig beruhigen, ihre Farben und deren Wirkung beschützen! So viel Unruhe, neue Menschen, die alles neu bestimmen. Sie sollen neue Dialoge von Rahmen zu Rahmen und zu deren Inhalten schaffen. Manches scheint verwunderlich, jedoch nicht neu, so hört man es aus den Rahmen wispern….
„Kunst der Moderne und Gegenwart in einen Dialog mit Purrmann zu bringen, das gab es doch bereits in der Vergangenheit,“ so wispern die Werke aus ihren Rahmen einander zu. „Ja genau, schaut doch mal hier!“, so tönt aus anderen Räumen. „Alles vergessen?“ Das muss die Dame am Dampfer in Langenargen sein, die Jan Balet gemalt hat. HIER

Da fragt man sich schon, warum in es in der Presse hier heißt, „[. . . ]dass nach Hindelangs Tod das Museum trotz neuer Leitung bald keine große Rolle mehr spielte [. . . ]“. Und die Bilder empören sich ebenfalls: „Als wenn wir nicht in den Jahren der beiden Kuratoren Frau Dr. Heilmann und Dr. Fischer in den Dialog getreten wären !“, schimpfen sie leise.“ „Ja, und nicht nur nachts wie wir jetzt, sondern zu den Öffnungszeiten für viele Besucher! „, erinnert Purrmanns „Bildnis Gertrud Knutze“ vorsichtig.
Dialoge hat es zuvor immer gegeben, und zwar nicht nur im Flüsterton der Kunstwerke: So erinnern wir uns an die Interventionen von Hannah Kohler, die Kunstwerke im Museum Langenargen nach ihrem Kavalierhausstipendium 2023 neu interpretierte (s. auch hier)

Im Archiv des Museums lassen sich übrigens alle Ausstellungen der Vergangenheit hier ins Gedächtnis rufen. Sie fanden auf höchstem Niveau auch nach dem Tod von Hindelang bis 2025 statt und erlangten in Museumskreisen große Anerkennung. . .
Nun müssen sich die Bilder im Museum an ihre neuen Plätze noch gewöhnen, aber sie werden sich einrichten, ganz so neu sind die Plätze dann doch nicht. . . . Und die neuen Jungen in der Runde? Ach, die kennen sich untereinander von mancher Galeriewand aus der Umgebung Langenargens, die werden sich schnell einleben!

Übrigens, ganz aktuell scheint es ein neues Bild auf die Facebook -Seite des Museums geschafft zu haben. Ein Bild eines namenlosen Malers, aber einen Titel gibt es : „Der Täter trug einen Hut“- das wird wieder zu nächtlichem Geflüster in den Rahmen der anderen Bilder führen, man hört das Wispern schon: „Weißt du, wer der Maler ist?“ „Nein, wie denn auch, das Bild gehört doch gar nicht zu uns ins Museum und der Maler wird nicht genannt! Es hängt doch nur virtuell im Raum, regt euch nicht auf!“, klingt es vom Flur her.

„Vielleicht KI generiert,“ interveniert jemand aus dem Treppenhaus. Es ist der Maler Julius Herburger, der aus seinem Selbstporträt spricht. Er freut sich den ganzen Tag über sein Spiegelbild gegenüber. Nachts hat er Langeweile, weil er sich nicht sieht. Im Dunkeln denkt er nach, auch über neue Techniken wie KI, die sicher auch Einfluss auf die Kunst haben wird.


„Das darf doch nicht wahr sein?“, ertönt es jetzt fassungslos aus dem Museumsdepot, ein ohrenbetäubender Lärm folgt- es sind wohl Regale umgekippt und Bilderrahmen unter großem Getöse zu Boden gefallen. . .

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