Einwohnerversammlung von oben nach unten?

oder Fahrstuhl statt „Top-Down“?

Der „Elevator Pitch“ ist die Methode einer kurzen Zusammenfassung eines Themas oder einer Idee, die eine Person in der Zeit eines gemeinsamen Aufzugsaufenthaltes einer anderen wichtigen Person erklären muss. In dieser Zeit muss man den anderen von der Wichtigkeit des vorgestellten Themas überzeugen und mitreißen. Das ist der Grundgedanke zur Vorbereitung einer gelungenen Präsentation. In Abwandlungen kann man so Präsentationen attraktiver machen, seine Zuhörerschaft/Kunden fesseln und für sein Thema gewinnen. Das Ablesen von Folien oder Fotoshootings beispielsweise von der Bauhofbaustelle hemmen eher das Kopfkino und reißen die Zuhörer*innen wie in der gestrigen Einwohnerversammlung nicht vom Hocker.

Apropos Hocker: Zwei Veranstaltungen – Gemeinderatssitzung plus Einwohnerversammlung in einer Woche – waren sicher zu viel. Deshalb blieben vielleicht einige Hocker bzw. Stühle im Versammlungsort Münzhof leer. Auch die Änderung des Ablaufes der Veranstaltung mit den Fragen nach jedem TOP half da nicht, die von der Verwaltung eingeräumte Zeit von 1,5 Stunden einzuhalten. Es fehlte ein Zeitmanagement. Hier wäre ein Moderator hilfreich gewesen. Daher sollte das Format einer Einwohnerversammlung neu überdacht werden. In fast drei Stunden wird auf diese Weise weitgehend über fremde Zeit verfügt und die Zuhörerschaft zur Passivität verdammt.

Es würde eine Entlastung der Verwaltung bedeuten, wenn interessierte Einwohner*innen im Vorfeld bei der Gestaltung der Einwohnerversammlung Gelegenheit bekämen mitzureden. Die Verantwortung wäre dann auf mehrere Schultern verteilt. Aber dazu müsste ein Bürgermeister bereit sein und eine derartige Handhabung nicht als Eingriff in seine Kompetenz zu empfinden. Er darf ruhig mal abgeben, das entlastet auch. So viel zur Methodik der Durchführung solcher Versammlungen.

An dieser Stelle seien nun einige ausgewählte TOPs herausgegriffen. Über den in der Vergangenheit so bezeichneten Haushalt der „Superlative“ und weitere Themen soll hier nicht geredet werden, wohl aber über den kommunikativen Akt einzelner Themen.

Es ist keine Schande offen über Schwierigkeiten und Herausforderungen zu sprechen. Die Menschen verstehen Probleme, wenn man sie ihnen genau erklärt und den ein oder anderen Fehler zugibt. Wenn man ihnen offen sagt: Ja, es gibt Verbesserungspotential, wir brauchen Strategien in den Bereichen Tourismus, Bauen, Wohnen, bei der Vergabe von Aufträgen und Investitionen, die leider immer wieder verschoben werden müssen.  

Es ist keine Schande, wenn man ihnen offen sagt: Ja, wir finden nicht das nötige Personal, wir hätten gern mehr kreative Köpfe, um neue Strategien für die Weiterentwicklung des Ortes umzusetzen. Es ist auch dann keine Schande, wenn man auch ihnen offen sagt, sorry, wir hatten beispielsweise ein Kommunikationsproblem bei der Umsetzung der Maßnahmen zur Verkehrssicherungspflicht an der Unteren Seestraße. Denn offensichtlich war die damalige  Sitzungsvorlage  so unpräzise formuliert, dass auch Teile des zustimmenden Gemeinderates und die Bevölkerung  im Oktober 2018 über das Ergebnis der Aktion hinterher entsetzt waren. 

Die Lindauer Baumpflege z. B. hat den Kommunikationsfehler gestern sehr professionell geklärt . Das hätte aber vorher oder spätestens nach den Diskussionen in der Einwohnerschaft passieren müssen. Es war eben keine „Nacht und Nebel“-Aktion, ein Ausdruck, der seitens eines Fragenden in den Mund genommen wurde und mit dem man vorsichtig umgehen sollte. Dagegen hat BM Krafft sich berechtigterweise gewehrt. Die Aktion wurde tatsächlich durch den Gemeinderat beschlossen und legitimiert, aber offensichtlich in Teilen missverstanden. 

Im Falle der Denkmalpflege in LA gab die Verwaltung nun dem Architekten Albrecht Weber erfreulicherweise rechtzeitig Gelegenheit, einen interessanten Überblick über die Herausforderungen denkmalpflegerischen Bauens für die Öffentlichkeit zu liefern. Er kam damit zum richtigen Zeitpunkt dem Informationsbedürfnis der Einwohnerschaft am Beispiel „Kavalierhaus“ nach. Gut gemacht!

Was lässt sich abschließend sagen? Alle müssen klarer, offener und disziplinierter miteinander reden. Wütende Zwischenrufe ehemaliger Gemeinderäte und anderer Zuhörer*innen aus dem „Off“ gestern, die Beiträge auf diese Weise unterbrachen und schließlich verhinderten, sind scharf zu verurteilen und entblößen die mangelhafte Diskussionskultur der Ehemaligen. Gerade mit Blick auf eine öffentliche Veranstaltung hätte es eines klaren Wortes durch den Sitzungsleiter bedurft. In öffentlichen Gemeinderatssitzungen geht der Sitzungsvorsitzende BM Krafft sehr viel rigider gegen kritische Publikumsäußerungen vor.

Gestern jedoch hat niemand verhindert, dass kritische Redebeiträge nicht zu Ende geführt werden konnten. Das darf nicht passieren! Damit setzen sich diejenigen durch, die am lautesten schreien. Wenn ein solches Verhalten Schule macht, wird die Demokratie hier in LA endgültig beschädigt!

Hinweis auf das heute journal vom 23. Oktober 2019 zur Meinungsfreiheit hier

Vielleicht doch mal ein Fahrstuhlgespräch in der einen oder anderen Konstellation? Es gibt hier genügend Hotels mit Fahrstühlen. Das Rathaus hat ja leider keinen. Vielleicht kann man einfach paarweise verschiedene Personen mehrmals im Hotelfahrstuhl hoch-und runterfahren lassen, die dann gezwungen gezwungen werden vernünftig miteinander zu reden. Eine etwas andere Nuance der „Elevator Pitch“-Methode.

Hinweis in eigener Sache: AGORA ist gestern zu Beginn der Sitzung bei der Begrüßung der Presse ausdrücklich begrüßt und genannt worden. Damit wurde dem Wunsch der Redaktion AGORA an die  Verwaltung nachgekommen, ihrem Pressestatus gerecht zu werden. Besten Dank dafür!

Aktualisierung 25.10.2019, 7.31 Uhr