Lesende Hunde hinterm Ofen

Gemeinnütziger und investigativer Journalismus

Wenn gestern fast alle Tageszeitungen mit der gleichen Titelseite und der gleichen Schlagzeile „Die beste Zeit für guten Journalismus ist jetzt“ erschienen sind, muss man sich dann Sorgen machen? 

Sorgen um die südwestdeutschen Zeitungsverleger (VSZV), die diese Aktion gestartet haben? Weil sie auf den Wert der lokalen Redaktionen hinzuweisen müssen? „Wer professionellen Journalismus vor Ort wertschätzt, der verteidigt die Meinungsfreiheit und damit die tragenden Säulen der Demokratie“, so heißt es dort.  

Merken die großen Zeitungen vielleicht, dass sie durch den Sparkurs eben gerade in den lokalen Redaktionen ihre Leser*innen mehr und mehr verlieren? Wird ihnen klar, dass es wenig nützt, mit selbst  geschriebenen hausbackenen Porträts der Lokalredakteur*innen zu  Flädle und Fritatten irgendeinen lesenden Hund hinter dem Ofen hervorzulocken? Nicht einmal diesem Hund mit seiner feinen Nase reicht eine noch so variantenreiche Form eines duftenden Pfannekuchens der Lokalredaktion. Dafür steht er nicht auf.

Genau hier setzt die Initiative für gemeinnützigen Journalismus an. In einem offenen Brief der  Rudolf Augstein- Stiftung an den Bundesrat, der demnächst  über die Einführung des gemeinnützigen Journalismus befinden muss, wird deutlich, wie die  Zukunft aussehen kann. Erfolgsstories kann man bereits bei CORRECTIV nachlesen. AGORA-LA ist dort Mitglied. Bei CORRECTIV heißt es im Untertitel: Recherchen für die Gesellschaft und mit der Gesellschaft.

In Stuttgart gibt es Kontext, eine  Online-Wochenzeitung, die am Wochenende bundesweit  als Beilage in der“ taz am wochenende“ erscheint und  gemeinnützig  in Form eines Vereins (e.V.) arbeitet. Dort kann man in der aktuellen Ausgabe übrigens einen Beitrag von Karin Burger zu dem lokalen Thema Sicherheitsfirmen in Langenargen mit dem Titel „Brutal  sicher  in Langenargen“ lesen, das die örtliche Redaktion der Schwäbischen Zeitung bisher nicht auf dem Schirm hatte. Und hier auf ihrem Blog SatireSenf findet man mehrInformatives. Gerade freie Lokalredakteur*innen haben oft wegen schlechter Arbeitsbedingungen kaum Zeit und Muße für ausreichende Recherche im Hintergrund. Vielleicht sollten darüber die Verleger mal nachdenken. 

Ehrlich gesagt, Tageszeitungen, die alle die gleiche Titelseite mit der gleichen Schlagzeile am selben Tag herausbringen, sollten uns unheimlich sein. Will man das wirklich ? Da könnte der Schuss des Kampagnenmanagements der Zeitungsverleger zur Meinungsvielfalt wohl eher nach hinten los gehen. An solche Einheitstitelblätter der Zeitungsverleger möchten wir uns sicher nicht gewöhnen!

Vielfalt

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