Blumen für die Polizei


im Einsatz für eine Mehrheit

Das Corona-Thema auf AGORA-LA im neuen Jahr findet nach dem ersten Corona-Wochenbericht des Bodenseekreises und den wichtigen Hinweisen zu Impfterminen leider wieder seinen Platz, nachdem die Infektionszahlen über die Feiertage nicht valide waren. Außerdem gab es von Tag zu Tag seit letzter Woche immer mehr Informationen zu den so genannten Spaziergängern. So kommt es, dass der folgende Beitrag zum Dreikönigstag und den anschließenden Tagen erst jetzt den Weg in die Öffentlichkeit findet.

Am Dreikönigstag hatten in LA einige eher harmlose Unerschrockene den Sprung in den kalten See gewagt. Offensichtlich unpolitisch, vielleicht zur Abhärtung gegen Corona, aber auch durchaus mediengerecht mit Kamera für die anschließenden Aufrufe in den sozialen Netzwerken. Das nennt man neudeutsch Clickbaiting. Mit diesem Schnappschuss lässt sich dieses Wort gut erklären.

Andere taten ihren Unmut über die Corona-Maßnahmen als sogenannte Spaziergänger in LA am selben Abend singend und mit Kerzen vor dem Rathaus kund. AGORA-LA war nicht anwesend, hat sich jedoch beim Pressesprecher des Polizeipräsidiums Ravensburg vorgestern schlau gemacht. Er sprach von ca. 100 TeilnehmerInnnen, die sich friedlich vor dem Rathaus versammelt hätten. Die Versammlung wurde von der Polizei begleitet und später aufgelöst.

Veröffentlichung auf sozialen Medien, anonymisiert

Im Laufe des Gesprächs verwies er dann auf die Facebookseite des Polizeipräsidiums. Dort hatte jemand der Polizei einen Blumenstrauß mit einem Begleitschreiben geschenkt, in dem er sich für die Corona-Einsätze der Polizei bedankt.

Weiter unten gibt das Präsidium ein paar Zahlen bekannt, die belegen sollen, dass in den drei Landkreisen Bodenseekreis, Ravensburg und Sigmaringen die so genannten Spaziergänger zahlenmäßig kaum bedeutsam sind:

„Übrigens: Am vergangenen Montag waren in 13 Städten und Gemeinden unseres Präsidiumsgebiets, also in den Landkreisen #Ravensburg, #Sigmaringen und dem #Bodenseekreis, insgesamt rund 5.500 Personen bei sogenannten „Spaziergängen“ unterwegs. In unserem Zuständigkeitsbereich leben rund 650.000 Menschen. Das entspricht daher einer Quote von weit weniger als einem Prozent.“

Medienschaffende sind in der Zwickmühle: Sollen sie den Protesten einer Minderheit so viel Raum in der Berichterstattung geben? Oder lieber den Mut zur Lücke finden?

Dieses Thema eignet sich kaum als Clickbait. Allerdings ist das Totschweigen auch nicht der richtige Weg. Besonders nicht, wenn JournalistInnen des SÜDKURIER angegriffen werden. Hier. Der zuständige Polizeipräsident Uwe Stürmer wird im SÜDKURIER zitiert: “ Solche Übergriffe gehen überhaupt nicht.Es ist eine große Pressefeindlichkeit da und ich sorge mich, dass sich ein Teil innerhalb dieser Gruppe deutlich radikalisiert.“ Stefan Lutz vom SÜDKURIER schreibt hier zu den Vorgängen heute:„ Schluss mit falscher Nachsicht: Die Polizei muss gegen Scharfmacher und Gewalttäter auf Corona -Demonstrationen entschlossener vorgehen.“

Schon gar nicht, wenn die Demonstrationen von rechten Gruppierungen geködert werden.Hier nachlesbar.

Es lohnt sich jedoch zu berichten, dass es am letzten Montag endlich Gegendemonstrationen an vielen Orten geben hat. Hier. Kreativ mit Zirkusmusik untermalt in Friedrichshafen am letzten Montag hier.

Viral ging ein Beitrag eines jungen Mannes, der in Karlsruhe am letzten Wochenende zum Mikro griff und cool auf freie Impftermine hinwies Hier.

Die Polizei hat sicher recht, wenn sie davon ausgeht, dass es in unseren drei Landkreisen weit weniger als ein Prozent der „Spaziergänger“ sind, die sich Gehör verschaffen. Aber diese vergleichsweise wenigen Spaziergänger, die zum Teil ohne Masken unterwegs sind, können leider bei der hoher Ansteckungsgefahr von Omicron hohe Fallzahlen in der Corona-Statistik generieren. Es wird ihnen jedoch nicht gelingen, eine Mehrzahl der Gesellschaft mit einem Anti-Demokratie-Virus zu infizieren.

Aufklärung über das Geschäft mit der Angst der Menschen vor einer Impfung bietet diese Dokumentation bei ARTE: „Impfgegner- Wer profitiert von der Angst?“ Ein aktueller Beitrag von FRONTAL 21 gestern belegt, wie wichtig eine ungehinderte Pressearbeit ist.HIER.

Aktualisierung, 12.01.2022, 17.16 Uhr:

Zu dem im SÜDKURIER erwähnten Bericht zur angebliche falschen Nachsicht der Polizei schreibt der Leiter der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit des Polizeipräsidiums Ravensburg, Oliver Weißflog ergänzend:

Es stimmt schlicht nicht, dass die Person später „nur“ festgenommen wurde, weil sie Polizeibeamte angegangen haben soll. Es wurde aus einsatztaktischen Gründen lediglich eine günstige Gelegenheit abgewartet, um polizeilich gegen den Mann vorzugehen. Das ist oft zielführender als ein sofortiger Aktionismus, bspw. aus Gründen einer beweissichernden Dokumentation.“

Der Vollständigkeit halber hier der Bericht auf dem Pressportal des Polizeipräsidiums Ravensburg.

Es ist nicht leicht!

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