SchülerInnen nach Corona


Aufwind mit Rückenwind in BW?

The Länd hat für die Schulen und ihre SchülerInnen ein Programm„ Lernen mit Rückenwind“ (LmR)aufgelegt, um Corona bedingte Lerndefizite auszugleichen. Die Schwäbische Zeitung berichtete hier am 20.Januar 2022 aus Kressbronn.

AGORA-LA hatte bereits im letzten November, als das Programm begann, dazu eine Presseanfrage an das Kultusministerium gestellt und Auskunft erhalten. Diese ist dann wegen anderer Themen liegen geblieben. Daher hat AGORA-LA die Anfrage aktualisiert und der Pressereferent in der dortigen Pressestelle, Fabian Schmidt, hat  geantwortet.

  1. AGORA-LA: Sie hatten (Anmerkung: AGORA-LA: im Herbst 2020) geschrieben, dass 130 Pensionäre gewonnen werden konnten, die Zahl zum damaligen Zeitpunkt jedoch noch nicht genau feststand. Haben sich Zahlen geändert, nachdem die Rekrutierungsphase nun abgeschlossen wurde?

Stand heute haben sich 515 pensionierte Lehrkräfte registriert. Das Projekt ist auf zwei Schuljahre angelegt, sodass ein jederzeitiger Einstieg in das Programm sowohl für Unterstützungskräfte, außerschulische Kooperationspartner oder auch von Schulen möglich ist. Die Rekrutierungsphase ist daher ebenfalls als dauernder Prozess zu verstehen, und die Zahlen werden sich entwickeln. Das ist bei einer Beurteilung von Zahlen wichtig.

 2. AGORA-LA: Wie hoch ist der Anteil der eher „fachfremden „Lehrkräften ohne spezielle Ausbildung?

Von den aktuell knapp 7.400 registrierten Einzelpersonen, die sich bisher als Unterstützungskräfte beworben haben, ist der Großteil ohne abgeschlossenes Lehramtsstudium (Lehramtsstudierende, sonstige Studierende und Personen mit sonstiger pädagogische Vorerfahrung).

4. AGORA-LA:Wie genau wird vergütet? Wieviel bekommt eine pensionierte Lehrkraft? Wieviel beispielsweise eine Erzieherin oder ein Erzieher?

Registrierte Einzelpersonen, die im Rahmen des Förderprogramms „Lernen mit Rückenwind“ beschäftigt werden, erhalten als Pädagogische Assistentin bzw. Pädagogischer Assistent einen befristeten Vertrag nach TV-L Entgeltgruppe S 8a. Dies entspricht im Schnitt einem Stundenlohn von ungefähr 16 bis 18 Euro brutto. Die Stufenzuordnung bemisst sich nach einschlägiger beruflicher Vorerfahrung.

5. AGORALA:Wie wird die Qualität der Förderung kontrolliert?

Die Förderung wird in Abstimmung mit den Lehrkräften der Schule vorgenommen. Die Qualität der Förderung wird somit über die Schulen kontrolliert, wo ja auch die fachliche pädagogische Expertise sitzt, die zudem die Zielgruppe genau kennt und daher die Qualität der Förderung gut einschätzen kann. Ist die Schule nicht mit der Förderung z. B. eines außerschulischen Partners zufrieden, kann sie die Kooperationsvereinbarung auflösen. Ebenso wird die Schule im Falle von Bildungsgutscheinen keine Gutscheine mehr zur Einlösung an Institutionen ausgeben, die nicht ihren Anforderungen entsprechen.

6.AGORA-LA: Konnten Sie alle von den Schulen angezeigten Antragswünsche erfüllen?

Grundsätzlich erhält jede Schule zur Umsetzung des Programms LmR ein Budget. Eine Bedarfsanzeige ist nicht erforderlich, um Lernen mit Rückenwind umzusetzen; alle öffentlichen Schulen haben automatisch Zugang zum virtuellen Marktplatz des Programms und können die für sie je nach schulischem Förderkonzept geeignete Umsetzungsmöglichkeit wählen.

7. AGORA-LA: Wie hoch ist der Anteil der Mehrarbeitsstunden? (Anmerkung AGORA-LA: von vorhandenem Personal)

Der Anteil der Mehrarbeitsstunden kann erst nach Vorlage der Abrechnungen erfolgen und daher derzeit nicht beziffert werden.

8. AGORA-LA: Welche Schulform hat den meisten Bedarf angezeigt?

Eine Bedarfsanzeige ist nicht erforderlich, um Lernen mit Rückenwind umzusetzen.

Erlauben Sie mir bitte noch ein Zwischenfazit: Lernen mit Rückenwind ist gut angelaufen. Weitere Schulen werden in den kommenden Wochen und Monaten in das Programm einstiegen, das Programm selbst ist ja auf zwei Jahre hin angelegt. Wir sind also zuversichtlich, dass LmR seine Ziele erreichen kann. In diesem Zusammenhang möchte sich das Kultusministerium für das große Engagement aller Beteiligten bedanken. Vor allem tragen sie zum Erfolg dieses umfangreichen Programms bei.

Ergänzend möchte ich Sie auf angehängte Medieninformation verweisen, die gute Hintergrundinfos zu LmR liefert und vor allem auch beim Einordnen von Zahlen hilft.

Grundsätzlich erhält jede Schule zur Umsetzung des Programms LmR ein Budget. Eine „Anmeldung“ im förmlichen Sinn ist nicht erforderlich, um Lernen mit Rückenwind umzusetzen; alle öffentlichen Schulen haben automatisch Zugang zum virtuellen Marktplatz des Programms. Die hier genannten Zahlen sind diejenigen Daten, die auf unserem virtuellen Marktplatz eingepflegt wurden, um dieses Verfahren zu nutzen. Die Nutzung des Verfahrens ist jedoch keine Voraussetzung, wenn Schulen z.B mit außerschulischen Kooperationspartnern zusammenarbeiten oder Bestandslehrkräfte der Schulen im Rahmen von LmR Förderungen anbieten. Auch die Privatschulen müssen das Verfahren nicht nutzen. Vor diesem Hintergrund sind die Zahlen immer als eine Mindestzahl zu verstehen, aber nicht als absolute Teilnehmerzahl an LmR. Diese ist wesentlich höher als auf unserem virtuellen Marktplatz. Aber eine Interpretation der Zahlen bei LmR ist ohnehin schwierig, daher habe ich Ihnen auch unsere Medieninfo angehängt, die das gut erklärt. 

Soweit die Rückmeldung.

Einordnung:

Es hat seitens der Lehrerverbände bereits nach dem Start im November 2021 Kritik an dem Programm gegeben, für das rund 260 Millionen Euro bereit stehen, die sich Bund und Land teilenhier.

Schaut man sich allein den oben genannte Verweis auf die siebenseitigen (!) Medieninformationen zu dem Windspiel des Ministeriums an, dann ist man nicht verwundert, dass die Verbände über den Aufwand klagen. Den Text (PDF) erspare ich der Leserschaft.

Das Grundübel ist, dass in den Schulen unabhängig davon, aus welcher politischen Richtung der Wind im Kultusministerium weht, seit Jahren Flickschusterei betrieben wird. 

Auch ohne Corona und ohne die Willkommensklassen in den Jahren der so genannten Flüchtlingskrise war immer schon klar, dass Klassen zu groß sind und individuelle Förderung gut ausgebildetes Personal braucht. Statt dessen wird ein Förderprogramm nach dem anderen aufgelegt, Bildungsgutscheine vergeben und der Wahnsinn der Antragstellung für Bildung und Teilhabe (BUT) den meist einkommensschwachen und so genannten bildungsfernen Eltern aufgelegt. Von der mangelhaften Digitalisierung an Schulen ganz zu schweigen.

Bildung ist systemrelevant und sollte genau so behandelt werden, auch beim Zugang von PCR-Tests und Lüftungsanlagen. In den Klassenräumen weht kein Rückenwind, sondern es herrscht in diesen Tagen Durchzug zwecks Lüftung. Ebenso scheinen die Ohren im Kultusministerium seit Jahren auf Durchzug gestellt, wenn es um die Ausstattung der Schulen und Personal geht. Bildung ist nicht auf einem virtuellen Marktplatz auf Zuruf zu haben, auf dem je nach Gusto billig angeboten wird. Bildung braucht Kontinuität und Verlässlichkeit für alle Beteiligten. Sonst bläst der Wind von vorne die nächsten Generationen um.

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