Abschied

Trauerfeier (aktualisiert)

Es ist „unser“ Krankenhaus im Notfall, das Klinikum Friedrichshafen. Dorthin fährt uns der Rettungsdienst, wenn keine Zeit zu verlieren ist. (vgl. Berichterstattung hier, hier)

Ungefähr 250 Menschen haben heute von Dr. Elke Küßner auf dem Friedhof in Friedrichshafen Abschied genommen. Viele Menschen hörten vor der Kapelle über Lautsprecher Reinhard Stadler, der als Kollege und Oberarzt sprach. Wie ein roter Faden zog es sich durch seine Worte: Das unglaubliche Engagement von Dr. Elke Küßner, ihre Liebe für ihre Patienten, die außerordentliche Hingabe zu ihrem Beruf und ihre fachliche Kompetenz- ein unfassbarer Verlust! Warum?

Anschließend konnte man im Weggehen ein Raunen durch die Trauergemeinde hören: „Aufklärung“, „Verantwortung“ und „Konsequenzen“. . .

Die Trauernden

Ein Abschied aus der Luft von Elke Küßners DLF-Team

Aktualisierung: 14.12.2023, 14.09 Uhr:

Der SÜDKURIER schreibt aktuell hier:„ [. . . ] Personelle Konsequenzen soll es vorerst nicht geben. Vielmehr soll es zeitnah eine genaue Untersuchung aller Vorwürfe geben, die die Oberärztin geäußert hat. Dazu sollen die Geschäftsführer des Klinikums, namentlich die Franz Klöckner sowie Mirko Papenfuß, er ist für den externen Management-Dienstleister Sana aktiv, eine Untersuchung bei Experten in Auftrag geben. Dieses Mal soll, anders als für das erste gutachterlichen Schreiben, vor Ort mit Beschäftigten gesprochen werden. Die Beauftragung soll noch vor Jahresende stattfinden – und innerhalb der nächsten Monate Klarheit bringen.[. . . ]“

Aktualisierung: 14.12.2023, 22.22 Uhr

Auch die Schwäbische Zeitung schreibt hier und zitiert aus der Trauerrede von Reinhard Stadler:

„[. . . ] Stadler beschrieb die Verstorbene als erfahrene, warmherzige und stets zuverlässige Kollegin und Freundin. Als jemand, der Missstände offen angesprochen habe. Sie habe mit ansehen müssen, wie Patienten gefährdet worden seien, „wie junge Assistenzärzte im Fegefeuer der internistischen Intensivstation verbrannt sind“. Das sind Verweise auf die Vorwürfe, die die Verstorbene vor ihrem Tod gegenüber einem Chefarzt des MCB erhoben hatte. [. . . ] Die Schwäbische Zeitung zitiert Stadler weiter: „Sie wollten dich mundtot machen und dich befördern, um dich loszuwerden.

Inzwischen gibt es auf der Homepage der Klinik eine öffentliche Erklärung hier ( Der Text wurde ohne Korrektur übernommen)

Sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

Der (sic!) Aufsichtsrat der Klinikum Friedrichshafen GmbH hat sich in einer außerordentlichen Sitzung am 13. Dezember 2023 mit dem tragischen Suizid von Frau Dr. Küßner und dessen Vorgeschichte ausführlich befasst. Ihr Tod hat alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Geschäftsführung, Direktorium, Gesellschafter und den Aufsichtsrat der Klinikum Friedrichshafen GmbH schwer getroffen und betroffen gemacht.

Wir nehmen den Wunsch und die Erwartung nach einer umfassenden Aufklärung und Information wahr und ernst. Es ist sowohl für den Aufsichtsrat als auch die Geschäftsführung selbstverständlich, dies zu tun. Das ist unser eigener Anspruch und unsere Pflicht. Wir bedauern die gegenwärtige Situation ausdrücklich. Sie hat das Vertrauen in unser Klinikum und unsere Arbeit erschüttert.

Aus Berichterstattung der Presse ist bekannt, dass Frau Dr. Küßner Vorwürfe bezogen auf die Arbeitsorganisation in der Internistischen Intensivstation erhoben hat. Zentrale Kritikpunkte waren die aus ihrer Sicht unzureichende Einarbeitung von Assistenzärztinnen und Assistenzärzten, Vorwürfe an ärztliche Kollegen sowie belastende Arbeitszeiten. Ebenso ist aus der Presse bekannt, dass auch bezogen auf Frau Dr. Küßner Vorwürfe im Raum standen.

Die Staatsanwaltschaft Ravensburg führt derzeit Vorermittlungen durch. Ermittlungsverfahren gegen einzelne Personen oder Organe der Gesellschaft wurde bisher nicht eingeleitet.

Die Geschäftsführung berichtete dem Aufsichtsrat in seiner Sitzung ausführlich über den ihr bekannten Sachverhalt zum jetzigen Zeitpunkt. Sowohl diese Darstellung als auch die anschließende Diskussion im Gremium standen unter dem Eindruck der Betroffenheit über den tragischen Tod der ehemaligen Oberärztin. Sie standen unter dem klaren Ziel der Aufklärung sowie unserer gemeinsamen Pflicht und Verantwortung, Schaden von unserem Klinikum und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern abzuwenden.

Geschäftsführung und Aufsichtsrat stimmen darin überein, dass eine umgehende lückenlose und ebenso ergebnisoffene Aufklärung und Aufarbeitung des Sachverhalts erforderlich ist. Gleichzeitig missbilligen wir jede Art von persönlicher Vorverurteilung, Verbreitung von Gerüchten, Weitergabe von internen Informationen und persönlich verletzenden Vorwürfen gegen Einzelne.

Geschäftsführung und Aufsichtsrat stimmen deshalb darin überein, dass die Aufklärung im Interesse des Vertrauens in ihre Unvoreingenommenheit extern gesteuert werden muss. Hierzu hat die Geschäftsführung einen konkreten Vorschlag unterbreitet, dem der Aufsichtsrat in seiner Sitzung durch einstimmigen Beschluss zugestimmt hat.

Die interne Aufarbeitung der tatsächlichen Abläufe wird der renommierten Strafrechts- und Compliance-Kanzlei Feigen Graf übertragen. Die Kanzlei war bisher nicht für die Klinikum Friedrichshafen GmbH tätig. Ziel ist es, die Aufarbeitung bis Ende März 2024 abzuschließen. Über den konkreten Zeitplan und die einzelnen Maßnahmen und Schritte informieren wir Sie zeitnah.

Friedrichshafen, 14. Dezember 2023

gez. Franz Klöckner

Vorsitzender der Geschäftsführung

gez. Andreas Brand

Vorsitzender des Aufsichtsrats

Aktualisierung, 15.12.2023,15.05 Uhr

Heute berichtet auch der SWR hier.

In einem Kommentar vom SÜDKURIER meint Günter Ackermann hier, dass die Aufklärung nicht verschleppt werden dürfe:

„[. . . ] Die bekannt gewordenen Vorwürfe und der Tod der ehemaligen Oberärztin hätten eigentlich alle Verantwortlichen alarmieren und zum sofortigen Handeln auffordern müssen. Doch die bisherigen Reaktionen sind enttäuschend. [. . . ]“ Auch heißt es dort, dass die Geschäftsführung weiter eine Stellungnahme und Erklärung zu den öffentlich bekannt gewordenen Vorwürfen schuldig bleibt. Der Imageschaden werde angesichts des mangelnden Krisenmanagements noch größer. Für den Kommentator wirkt es so, als „setzten Geschäftsführung und Aufsichtsrat darauf, dass sich die Öffentlichkeit nach den turbulenten Wochen schon beruhigen werde.“ Es sei Sache von Oberbürgermeister Andreas Brand, seinen Bürgern zu erklären, wie verlorenes Vertrauen zurückgewonnen werden soll. Brand müsse begründen, wie das mit der bestehenden Klinikleitung gelingen soll, so der SÜDKURIER.

Aktualisierung, 15.12.2023, 18.53 Uhr

Die Tagesschau berichtet hier u.a. in einem Audio-Beitrag.

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