Konferenz in Erfurt: Was bleibt?

AGORA-LA ist zurück am See und stellt fest:

Das, was man aus den anderen Lokalredaktionen so gehört hat- es waren insgesamt 300 Teilnehmer und Teilnehmerinnen- macht nachdenklich. In wie vielen Gesprächen und Diskussionen in den einzelnen Panels schwang doch die große Sorge mit, dass angesichts der erstarkten Kraft von rechts, besonders in Thüringen, der lokale Journalismus in Gefahr ist! Gerade die jungen Leute, die sich noch in Volontariaten befinden, müssen über besondere Softskills verfügen, damit sie dem möglichen Druck aus dem Netz, aber auch direkter Gewalt z.B. bei der Berichterstattung über die rechte Szene standhalten können. Danach werden sie sogar in manchem Bewerbungsgespräch gefragt. Ob sie resilient genug sind, mögliche verbale Attacken oder auch direkte Gewalt auszuhalten. Ganz eigene Erfahrungen hörte man vom ehemaligen  Landrat Dirk Neubauer Landrat von Mittelsachsen( Infos: vgl. hier) auf der Bühne. Er war nach Attacken von rechts zurückgetreten.

Dabei ist gerade das Lokale in diesen Tagen so wichtig! Wenn die Informationsquelle direkt vor der Haustüre der Leserschaft in der Kommune nicht mehr funktioniert, dann verwüstet sie. Auch wenn sie sich nur aus einem einzigen Rinnsal speist, kann die nach Nachrichten dürstende Leserschaft verdursten. Demokratie lebt eben von Medienvielfalt.

Wie man junge Leute für Lokales begeistern kann? Das war ein wichtiger Punkt auf der Tagung und dazu gab es viele Anregungen. In Gera beispielsweise hat Jakob Queißner Gerda gegründet, um der Überalterung seiner Stadt etwas entgegenzusetzen. Das Wahlergebnis  mit 44,2 für AfD in Gera 2025 bei der letzten Bundestagswahl macht die Situation dort nicht leichter. Trotzdem wagt er es. Er hat sein Projekt auf der Bühne vorgestellt. Übrigens mit auf dieser Bühne waren die Nachbarn aus Lindau mit Kolumna . Sie haben in Erfurt ihr neu gegründetes Lokalmedium vorgestellt. Doch Neues auf die Beine zu stellen, kostet. Es ist anstrengend, mit Crowdfunding oder Stiftungsgeldern Nachhaltiges zu  gründen und davon leben zu können braucht einen langen Atem.

Aus Hannover hat AGORA-LA -sozusagen beim Kaffee der Älteren-Bernd Kirchhoff kennengelernt. Er betreibt dort zidunge/ Nordstadt.Er macht dort auch Lokales aus seinem Stadtteil.

Der Vorteil im Lokalen, nah an den Menschen zu sein, birgt Gefahren. Unliebsame Berichterstattung in den Augen von Demokratiefeinden kann direkte Auswirkungen haben. Auch AGORA-LA hat diese Erfahrung bereits gemacht. Viele Teilnehmer und Teilnehmerinnen bei der Konferenz sorgen sich tatsächlich um ihre Gesundheit. Nicht nur wegen möglicher Übergriffe, sondern auch weil sie oft schlecht bezahlt sind. Das gilt vor allen Dingen für die Volontäre und Volontärinnen.

Das sog. Augsburger Modell, das die Günter Holland Journalistenschule ins Leben gerufen hat, nimmt die Situation der Volos in den Blick.

Ein wichtiger Punkt noch: Die Darstellung migrantischen Lebens im Lokalen: Wie wird es dargestellt, welche Narrative, die die Hierarchisierung von Menschen beinhalten und sie damit abwerten, haben längst den Weg in die Berichterstattung gefunden? Die Beispiele, die leider auch aus den öffentlich-rechtlichen Sendern kamen, wirkten verstörend. Die Diskussionen danach waren lebhaft und zeigten, dass manche Wortwahl in den Beiträgen bereits durch rechten „Neu-Sprech“ und Framing in der Normalität angekommen sind.

Es waren eindrucksvolle Tage in Erfurt, die auch das Netzwerken nach dem eigentlichen Programm im Biergarten in den Blick nahm. Vielen Dank an Correctiv!

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