„Wir schaffen das!“

10 Jahre danach

Haben wir haben es geschafft? 

Als Angela Merkel morgen vor 10 Jahren am 31.8.2015 diesen Satz anlässlich der Sommerbundespressekonferenz ( BK) sagte, wusste keiner, was auf uns zukam.  Dieser Satz wird  übriges immer nur verkürzt wiedergegeben. Hier kann man den gesamten Text nachlesen „[. . . ] Deutschland ist ein starkes Land. Das Motiv, mit dem wir an diese Dinge herangehen, muss sein: Wir haben so vieles geschafft – wir schaffen das! Wir schaffen das, und dort, wo uns etwas im Wege steht, muss es überwunden werden, muss daran gearbeitet werden. Der Bund wird alles in seiner Macht Stehende tun – zusammen mit den Ländern, zusammen mit den Kommunen -, um genau das durchzusetzen.[. . . ]“ Es lohnt sich, das gesamte Protokoll dieser BK von 2015 mal in Ruhe nachzulesen. Dort verweist sie sowohl auf die im Grundgesetz verankerte Unantastbarkeit der Menschenwürde als auch das dort verankerte Recht auf Asyl. Und warnt ausdrücklich vor Hass anlässlich der damaligen Demos gegen Geflüchtete.

Ebenso lohnt es sich, einmal auf die Fakten zu schauen, wenn es um die Beurteilung der letzten 10 Jahre nach Merkels Satz geht. ( vgl.auch hier Doku: Merkels Erbe)

Haben wir es geschafft?

Der Mediendienst Integration fasst die wichtigsten Fakten hier zusammen. Ein wichtiges Thema:

Wie viele Flüchtlinge haben eine Arbeit?

Besonders die Frage, wie viele Geflüchtete einen Job gefunden haben, ist immer wieder Thema in Integrationsdebatten. Zehn Jahre nach dem Flüchtlingssommer 2015 kann hier ein eher positives Fazit gezogen werden. Die Arbeitsmarktintegration lief schneller als bei früheren Fluchtbewegungen, so Fachleute. Quelle

  • Anstieg der Beschäftigtenzahlen: Ende 2014 – bevor viele Geflüchtete nach Deutschland kamen – waren rund 70.000 Personen aus „Asylherkunftsländern“ sozialversicherungspflichtig oder geringfügig beschäftigt. Inzwischen sind es mit 731.800 Personen mehr als zehn Mal so viele. Quelle

  • Rund zwei Drittel (64 Prozent) der Geflüchteten im Erwerbsalter, die 2015 kamen, haben eine bezahlte Beschäftigung, davon 90 Prozent sozialversicherungspflichtig, so ein aktueller Bericht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) (Gesamtbevölkerung: 70 Prozent). Ihre Beschäftigung ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. 

  • Ein Großteil der erwerbsfähigen geflüchteten Männer arbeitet (2024: 76 Prozent). Aber: Bei Frauen ist die Quote deutlich niedriger (35 Prozent) (zum Thema geflüchtete Frauen auf dem Arbeitsmarkt siehe unten) Quelle 

Vor dem Hintergrund der Informationen des Mediendienstes Integration lässt sich folgendes Bild vor Ort skizzieren:

Im Bereich Arbeit habe ich als Begleiterin von Geflüchteten 10 Jahre lang immer wieder feststellen müssen, dass sie von ihren Arbeitgebern häufig ausgenutzt werden. Arbeitsverhältnisse, die beispielsweise fristlos unbegründet gekündigt werden, konnten nach Beratung vor einem Arbeitsgericht zugunsten des geflüchteten Arbeitnehmers entschieden werden. Das ist jedoch nur möglich, wenn man auf seine  Rechte hingewiesen wird. Deshalb melden sich immer noch viele Hilfesuchende bei den ehemaligen Helfern des Asylkreises.

Lohnerhöhung über den Mindestlohn hinaus werden nach jahrelanger Anstellung nicht selten seitens der Arbeitgeber mit dem Argument verweigert, dass man doch zum Amt gehen könne, um auf diese Weise die Lohnlücke zu schließen. Mit dieser Einstellung werden durch die Arbeitgeber die Sozialsysteme geschwächt. Häufig unterschreiben Geflüchtete Arbeitsverträge in prekären Arbeitsverhältnissen, die arbeitsrechtlich unsauber sind. Manch ein Arbeitgeber kalkuliert damit, dass die Geflüchteten aus Unwissenheit und mangelnden Deutschkenntnissen ihre Rechte nicht wahrnehmen können.

Haben wir es bei uns in LA geschafft?

Einen aktuellen Bericht des Integrationsbeauftragten Mirko Meinel vom Dezember 2024 zu allen drei Gemeinden des GVV findet man hier.

Der Arbeitskreis Asyl, der sich vor 10 Jahren sehr schnell in LA gebildet hatte, übernahm damals die Arbeit heutiger hauptamtlicher Mitarbeitenden. Nach den anfänglichen Belastungen im Ehrenamt wurden schließlich Stellen in den Verwaltungen geschaffen und so die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt. Eriskirch schuf unlängst eine weitere Stelle beim Integrationsmanagement, so dass jeder Teilort im GVV nun vor Ort Hilfe anbieten kann. Zwar hat sich heute der AK Asyl in LA aufgelöst, die Kontakte zu einzelnen Familien bestehen jedoch weiterhin. Besonders die Kinder, die hier die Schule durchlaufen haben, erlangten auch dank guter ehrenamtlicher Betreuung qualifizierte Schulabschlüsse und holen sich heute noch oft Rat bei den Ehrenamtlichen. Trotzdem gibt es in diesem Bereich noch viel zu tun. Hier

Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum wurde in LA durch weitere Anmietung von Wohnungen abgemildert. Trotzdem gibt es immer noch Familien, die in Obdachlosigkeit in LA leben, weil sie trotz Arbeit keinen Wohnraum finden und daher leider nach 10 Jahren bei fester Arbeit und mit qualifizierten Schulabschlüssen keinen deutschen Pass bekommen können. Immerhin scheint das ehemalige Tennisheim in LA als Unterbringungsort nicht mehr angeboten zu werden.

Liste der Unterkünfte hier

Es gab auch Rückschläge. Anfängliche Ablehnung in Nachbarschaften, leider auch rassistisch motivierte Vorbehalte und einige Übergriffe. Es blieben jedoch Einzelfälle.

Bei AGORA-LA hat die Berichterstattung über die Situation der Geflüchteten vor Ort einen festen Platz und häufig auf Missstände in der Unterbringung hingewiesen. Unter dem Stichwort „Asyl “ kann man die Höhen und Tiefen der Integration in LA nachlesen.

Man könnte Integrationsarbeit als „Work in progress“ bezeichnen. Zu diesem Kraftakt, der mehr Ausdauertraining ist, gehört auch das Hinstehen gegen die machtvollen Sündenbock-Parolen von rechts!

Sonne statt Sünden!

Es bleibt also noch viel zu schaffen! Aber es lohnt sich, weil es Arbeit an Menschen ist, die in der Mehrzahl nicht gekommen sind, um uns zu schädigen. Hier. Mit Hilfe aller Beteiligten-auch mit dem Willen der Geflüchteten selbst-gehören sie nach 10 Jahren zu uns, verjüngen unsere Gesellschaft und zahlen in unser Rentensystem ein. (s.o)

 

Kommentar verfassen

Bereitgestellt von WordPress.com.

Up ↑

Entdecke mehr von AGORA-LA

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen