Kunst und Identität

Ein Duo zwischen Kongo und Europa

Sie sind eigentlich schon länger im Ort, die Öffentlichkeit hat sie bereits anlässlich der LAkeArtExpo kennengelernt hier: Das Stipendiaten-Paar MukengeSchellhammer arbeitet seit einigen Wochen fast unentdeckt im Kavalierhaus und hat die Türen zur Besichtigung ihrer Kunst für AGORA-LA geöffnet.

Zehn Jahre lang haben sie in Kongos Hauptstadt Kinshasa künstlerisch gearbeitet. Dann jedoch hat Lydia Schellhammer festgestellt, dass sie im Kongo bekannter ist als in Europa. Nun haben sie seit vier Monaten in Brandenburg ein Atelier, sind jedoch nie lange am Ort. Sie reisen viel, erzählen sie.

Ein Tag im Uferpark mit den Stipendiaten : Kunst mit Kindern

Sie erstellen ihre Werke fast immer gemeinsam. Aber irgendwann hatte Lydia das Gefühl, ihre europäische Seite komme zu kurz. Daher haben sie sich gemeinsam auf das Kavalierhaus – Stipendium beworben, das von der Gemeinde Langenargen finanziert wird. Die Auswahl der Stipendiaten im Kavalierhaus trifft eine Jury, in der auch die KünstlerInnen vom Ort sitzen. Dort arbeiten sie also seit Wochen. Im Verborgenen, aber dafür ungestört.

Beide betonen, dass die Kunstszene in Afrika genauso wichtig ist wie die in Europa. Christ sagt, dass er Kunstreferenzen in Afrika habe. Daher könne es passieren, dass er in Europa nicht verstanden wird. Kunstreferenzen aus Europa zu übernehmen, nur damit man verstanden würde, scheide für sie beide aus.

Auf meine Frage an Lydia, ob sie der europäische Teil ihrer Künstlerehe sei, sagt sie: „Ich bin erst im Kongo Künstlerin geworden, nach einem Studium der Kunstpädagogik bin ich mit der Kunst dort in Berührung gekommen. Ich bin dort auf Künstler gestoßen, die mich für die Kunst initiiert haben.“ Somit entgehe sie dem möglichen Vorwurf der kulturellen Aneignung, der meist aus der Diaspora der Coloured People aus Europa erhoben würde, meint sie.

Der Text auf ihrer Homepage beschreibt die beiden so: „[. . . .] Ihre Arbeit ist geprägt vom Aufeinandertreffen kongolesischer und westlicher Maltraditionen: vom kongolesischen „Academisme“ über verschiedene Gegenbewegungen wie „Partagisme“ oder die urbane Performance-Bewegung in Kinshasa bis hin zum Surrealismus und der zeitgenössischen Populärkultur. Mukenge/Schellhammer erforschen neue Möglichkeiten der Malerei im postdigitalen Zeitalter und erweitern ihren malerischen Ansatz auf verschiedene Medien, darunter AR, VR, Video und Performance. Durch die gemeinsame Signierung ihrer Werke verwischen Mukenge/Schellhammer gängige Klassifizierungen von Urheberschaft, künstlerischer Tradition und Geografie. Im Laufe ihrer jahrelangen Zusammenarbeit entstand aus ihren jeweiligen Methoden, Ausdrucksweisen und visuellen Gewohnheiten ein dritter Stil: die Bildsprache des „Duos“. Dieses Duo ist zu einem eigenständigen Wesen mit eigenen formalen Besonderheiten und einer eigenen Ästhetik geworden, zu einem zweiköpfigen Monster, das von den Bedingungen unserer Gegenwart geformt und deformiert wird. [. . .]“ (Übersetzt aus dem Englischen mit Deepl)

Das ist nun ein Bild, das in Langenargen entstanden ist. Es für Lydia, die am Bodensee aufgewachsen ist, das Zurückkommen an den See:

Die Referenz an ihre Heimat: Die Geschichte Der Reiter und der Bodensee. Die Frau am Boden ist Lydia, ein Selbstportrait.Das Bild ist noch nicht vollendet und wurde von beiden gemeinsam erarbeitet

Es gab viel Interessantes zu besprechen, vielleicht muss man in vier Wochen nochmals dort klingeln, um zu schauen, mit welchen Referenzen zu LA dort Kunst gemacht wird. Es wird am Ende des Monats ein künstlerisches Event geben. Das hat Lydia verraten.

Ein Tuch . . .

immer wieder anders . . . flexibel eingehüllt

ein Mensch mit seinen Referenzen verborgen

elastisch in beiden Kontinenten. . . .

Kommentar verfassen

Bereitgestellt von WordPress.com.

Up ↑

Entdecke mehr von AGORA-LA

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen