Wenn der Redaktionsleiter der Schwäbischen Zeitung

auf die Kirchenkanzel steigt. . .

So geschehen gestern in der Schlosskirche in Friedrichshafen anlässlich eines ökumenischen Gottesdienstes zum  Buß- und Bettag. Martin Hennings Thema lautete „Zorn und Empörung in den Medien“ und war in den Kontext des Gottesdienstes eingebunden. Der Jakobusbrief, 3:  „Die  Macht der  Zunge“ lieferte die  Grundlage für die Predigt des evangelischen Pfarrers: „…doch die Zunge kann kein Mensch zähmen, dieses ruhelose Übel, voll von tödlichem Gift.  Mit ihr preisen wir den Herrn und Vater und mit ihr verfluchen wir die Menschen, die nach dem Bilde Gottes geschaffen sind. Aus ein und demselben Mund kommen Segen und Fluch.“

Diese Ambivalenz griff Martin Hennings auf, indem er zu Beginn seines Vortrages Zitate eines shitstorms gegen einen Journalisten im Netz zitierte, der sich gegen rechts positioniert hatte. Das, was früher per Brief geschrieben wurde und damit nur für den jeweiligen Empfänger zu lesen war, erreiche heute im Netz jeden. Die Sprache verrohe. Man sei den Angriffen aus dem Netz oft hilflos ausgesetzt und Gerichte wie im Fall Künast gäben diesen Angreifern sogar auch noch Recht.

Das ist der Fluch. Aber die Macht der Zunge habe auch Positives. Sie kann Meinung äußern und zwar in respektvoller Weise dem Andersdenkenden gegenüber. Das ist der Segen. Der Redaktionsleiter auf der Kirchenkanzel machte sich gut. Er zeigte Gesicht, besser als aktuell die Werbekampagne seiner Zeitungsverleger.

Ausblick:

In diesem Zusammenhang sei erneut auf den Aufruf von Journalisten und deren Verbänden für den besseren Schutz der Pressefreiheit hingewiesen. Anlass ist eine für den 23.11. 2019 geplante Demonstration der NPD in Hannover gegen die kritische Berichterstattung einiger Journalisten.

Schade, dass der Feiertag damals 1995 zur Finanzierung der  Pflegeversicherung  abgeschafft  wurde, um die Mehrbelastung für die Arbeitgeber durch die Beiträge zur neu eingeführten Pflegeversicherung  durch Mehrarbeit der Arbeitnehmer auszugleichen. Diese Beiträge reichen ja hinten und vorne nicht. Aber das ist ein anderes Thema.

Zum Schluss eine persönliche Erinnerung an den Buß- und Bett(t)ag: Als Kind dachte ich immer, dieser Tag sei extra eingeführt worden, um den ganzen Tag im Bett zu verbringen. Das geht nur noch in Sachsen, die haben den Feiertag noch.