Reden ist Gold


Schweigen ist Silber: eine Replik

pixabay

Manchmal muss man sprichwörtliche Redensarten umkehren.

Worum geht es? In der heutigen Ausgabe der Schwäbischen Zeitung schreibt Tanja Poimer über eine belastende Lagerbildung in LA, die sich im Zusammenhang mit der Bürgermeisterwahl feststellen lässt.

Lagerbildung?

Es ist der gängige Schlagabtausch einer politischen Auseinandersetzung in Wahlkampfzeiten, die massiv geprägt wird durch die Einschränkungen der Pandemie. Deshalb verlagert sich manche Auseinandersetzung ins Netz oder mit Abstand auf die Straße. Auch die sonst übliche Podiumsdiskussion der Schwäbischen Zeitung muss ja ausfallen. Die Fragen an die Kandidaten vor der Kamera der Schwäbischen Zeitung im Hinterzimmer der Redaktion ersetzen die spontane Interaktion zwischen Kandidaten und Publikum nicht. Das Virus ist wirklich eine demokratische Zumutung ,wie Angela Merkel im Sommer richtig sagte.

Aber bereits vor der Pandemie waren Äußerungsorte für die Bürgerschaft durch die Monopolstellung der Presse vor Ort eingeschränkt, so dass Meinungsbildung anderswo als in den Printmedien stattfand.

Wenn dann noch im Montfortboten ( MOBO), in der Wiederaufbereitungsanlage von Artikeln der Schwäbischen Zeitung, die Veröffentlichung von Lesebriefen abgeschafft wird, wenn aus dem Rathaus keine Signale offener Gesprächskultur gesendet werden, wenn oft noch nicht einmal Presseanfragen beantwortet werden, wenn ein Bürgerinformationssystem jetzt erst installiert wird, ja dann muss eine starke Bürgerschaft sich eben andere Kanäle suchen. Diese Bürgerschaft war sogar bereit eine eigene Anzeige im Staatsanzeiger zu schalten, um ihre Not zu signalisieren. Diese Bürgerschaft hatte Sorge, dass ihr Leben in LA weiter alternativlos sein könnte. Diese Bürgerschaft zeichnet sich dadurch aus, dass sie die Grundsätze der Demokratie noch beherrscht.

Erst in dem Moment, als der Gegenkandidat Münder als einziger seriöser Herausforderer seinen Hut in den Ring warf, wurde der Amtsinhaber wach. Plötzlich kann er mit  Menschen sprechen, reagiert in Windeseile ( innerhalb 34 Minuten ) auf Mails aus der  Bürgerschaft, spricht in Erklär-Filmchen über seine vergangenen Projekte, will Bürgern*innen durch seine Tür, die er plötzlich immer offen stehen lässt, seine Hand reichen. Er spricht auf einmal. Das Ganze erinnert an die ersten Worte beim Spracherwerb eines Kindes, über die sich die stolzen Eltern freuen: „Er kann ja doch sprechen!“

Nein, hier geht es nicht um Lagerbildung. Hier geht es um Körperhaltung: um das  Trainieren des Rückgrates. Um ein Hinstehen von Gemeinderäten*innen, die sich positionieren, egal für welche Seite. Gemeinderäten*innen, die nicht taktieren und ausloten, ob sie sich positionieren oder nicht. Die sich nicht weg ducken und sich hinter vorgehaltener Hand über den Amtsinhaber beklagen.

Langenargen kann stolz darauf sein, dass diskutiert wird. Natürlich gibt es dabei Konfrontation und hitzige Debatten. Das gehört zu einem Wahlkampf, der leider durch die Pandemie ausgebremst wird. Sorgen muss man sich um Langenargen nicht machen. Der demokratische Instinkt scheint noch vorhanden. Er wird deutlich in der Auseinandersetzung, die naturgemäß von Pro und Contra lebt. Offene Erklärungen in Gemeinderatssitzungen zum Führungsstil im Rathaus hätte es längst geben müssen. Auch von den Bürgermeisterstellvertreter*innen. Und der offene Brief vom zweiten stellvertretenden Bürgermeister hätte längst von demjenigen offen beantwortet werden müssen, an den er sich richtet. Stattdessen antworten eben andere .

„ Contenance, bitte!“ schreibt Poimer. Die reicht manchmal nicht, wenn sich in acht Jahren vieles angestaut hat. Da ist manchmal lebhafteres Temperament nötig. 

Keine Sorge, Frau Poimer! Ihr Heimatort hat den Mut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen!

Ergänzung:

Aus dem Senftöpfen des „Hinterlandes“ , 6.11.2020, 14.17 Uhr

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