„Schamkultur“ in der Schule


Der dumme Esel

+++letzte Aktualisierung, 19.31 Uhr+++

Er wurde zurecht abgeschafft in den Schulen. Wie ich darauf komme? Beim Stöbern in der virtuellen Ausstellung des Schulmuseums in FN. Dort ist er als Schamesel zu sehen.

Screenshot: Ausschnitt Schulmuseum Friedrichshafen, 12.04.2021.

Dieser langohrige Holzgeselle fiel mir ein, als ich mit Beginn der Schule nach den  Osterferien in die Schullandschaft der Bundesländer schaute. Bei uns in BW ist man in den Homeschooling-Modus zurückgekehrt. (Im Moment des Schreibens ist der Server des Ministeriums an diesem Montag gerade nicht zu erreichen. 12.04.2021,8.50.41 Uhr,  Verlinkung wird nachgereicht)

Mal erst für eine Woche. Keiner weiß genau wie es dann weitergeht. In NRW waren die Schulkollegien seit letztem Donnerstag abwechselnd von morgens bis 18.00 Uhr in der Schule, um die möglicherweise eintreffenden Test-Kits in Empfang zu nehmen. Bis zum gestrigen Abend gab es keine Lieferung an der Schule, über die AGORA berichtet wurde. Auf der Homepage NRW des Kultusministeriums heißt es: „Die ausreichende Belieferung aller Schulen mit der notwendigen Menge an Selbsttests soll nach Auskunft des hierzu beauftragten Logistikunternehmens voraussichtlich bis Ende dieser Woche erfolgen. Wir können jedoch leider nicht ausschließen, dass hierbei aufgrund uns heute erneut mitgeteilter Logistikprobleme Verzögerungen und Probleme bei der Lieferung und Übergabe entstehen.“ 

Noch eine längere Verweildauer auf dem fiktiven Rücken des „Dummen Esels“ sollte das Bundesland Rheinlandpfalz erhalten. Dort fällt eine PR-Aktion der Landesregierung zur Testung in den Schulen negativ auf.

Dass Familien durch die Gefahr der Mutation nun hoch gefährdet sind und nicht als systemrelevant wahrgenommen werden, ist bitter. Auch sind noch längst nicht alle LehrerInnen geimpft.

Bei der Diskussion um die Einheitlichkeit der bundesweiten Maßnahmen wäre doch  wenigstens die Vergabe der Eselsohrenkappen an die Verantwortlichen in den Kultusministerien erstrebenswert. Die halten das aus, sie haben ein dickes Fell! Und wir schämen uns weiter fremd.

Aktualisierung, heute 15.13 Uhr

Der erste Rückkehrer aus einer Abschlussklasse einer Berufsschule in FN meldet, dass dort frühestens ab nächster Woche getestet wird.

Aktualisierung, heute 17.06 Uhr

Offener Brief 11. April 2021 der Gesellschaft für Aerosolforschung

An die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Angela Merkel Die Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen der Länder
Den Bundesgesundheitsminister Jens Spahn
Die Gesundheitsminister und Gesundheitsministerinnen der Länder

Ansteckungsgefahren aus Aerosolwissenschaftlicher Perspektive

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Dr. Merkel, sehr geehrter Herr Bundesminister Spahn, sehr geehrte Damen und Herren Ministerpräsidenten, sehr geehrte Damen und Herren,

die Corona Pandemie lässt uns auch nach mehr als zwölf Monaten nicht los. Sie ist zu einer schweren Belastung für Bürgerinnen und Bürger geworden.Deren Gefühlslage schwankt zwischen Hoffnung und Verzweiflung, wie jeder aus seinem persönlichen Umfeld zu berichten weiß. Hoffnung macht die Wissenschaft: Aus der Aerosolforschung sind vielfältige Erkenntnisse zur Übertragung der SARS -CoV-2 Viren über den Luftweg publiziert worden, zusammengefasst und aufbereitet in einem im Winter 2020 erschienenen Positionspapier der Gesellschaft für Aerosolforschung (GAeF, s. Anhang). Leider werden bis heute wesentliche Erkenntnisse unserer Forschungsarbeit nicht in praktisches Handeln übersetzt. Stattdessen werden eher symbolische Maßnahmen wie die Maskenpflicht beim Joggen erlassen, die keinen nennenswerten Einfluss auf das Infektionsgeschehen erwarten lassen.

Dabei ist deren zentraler Baustein mittlerweile Konsens in der Wissenschaft: Die Übertragung der SARS-CoV-2 Viren findet fast ausnahmslos in Innenräumen (Hervorhebung AGORA) statt. Übertragungen im Freien sind äußerst selten und führen nie zu‚Clusterinfektionen‘,wie das in Innenräumen zu beobachten ist. Zu diesen Gruppeninfektionen gehören bevorzugt Altenheime, Wohnheime, Schulen, Veranstaltungen, Chorproben oder Busfahrten.

Wir mussten aber als Aerosolforscher die Erfahrung machen, dass die öffentliche Debatte immer noch nicht den wissenschaftlichen Erkenntnisstand abbildet. Viele Bürgerinnen und Bürger haben deshalb falsche Vorstellungen über das mit dem Virus verbundene Ansteckungspotential. „Draußen ist es gefährlich“, so deren Eindruck nicht zuletzt aus der Berichterstattung über die von der Politik getroffenen Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung. Es werden Treffen in Parks verboten, Rhein- und Mainufer gesperrt, Innenstädte und Ausflugsziele für den Publikumsverkehr abgeriegelt. Auch die aktuell diskutierten Ausgangssperren müssen in diese Aufzählung irreführender Kommunikation aufgenommen werden. Wir teilen das Ziel einer Reduzierung problematischer Kontakte in Innenräumen, aber die Ausgangssperren versprechen mehr als sie halten können. Die heimlichen Treffen in Innenräumen werden damit nicht verhindert, sondern lediglich die Motivation erhöht, sich denstaatlichenAnordnungennochmehrzu entziehen.Die Reduzierung problematischer Kontakte in Innenräumen gelingt deshalb nur mit überzeugenden Argumenten für einen gelingenden Selbstschutz.

Wenn wir die Pandemie in den Griff bekommen wollen, müssen wir die Menschen sensibilisieren, dass DRINNEN die Gefahr lauert. In den Wohnungen, in den Büros, in den Klassenräumen, in Wohnanlagen und in Betreuungseinrichtungen müssen Maßnahmen ergriffen werden. Die andauernden Debatten über das Flanieren auf Flusspromenaden, den Aufenthalt inBiergärten, das Joggen oder dasRadfahren haben sich längst als kontraproduktiv erwiesen. Wenn unseren Bürgerinnen und Bürgern alle Formen zwischenmenschlicher Kontakte als gefährlich vermittelt werden, verstärken wir paradoxerweise die überall erkennbare Pandemiemüdigkeit. Nichts stumpft uns Menschen bekanntlich mehr ab als ein permanenter Alarmzustand.

Wir müssen uns deshalb um die Orte kümmern, wo die mitAbstand allermeisten Infektionen passieren – und nicht unsere begrenzten Ressourcen auf die wenigen Promille der Ansteckungen im Freien verschwenden. Dabei lassen sich durch die kluge Koordinierung von Maßnahmen die Übertragungen effektiv reduzieren. Diese sind auch ohne eine naturwissenschaftliche Ausbildung nachvollziehbar: Es sind unsere goldenen Regeln zur Infektionsvermeidung.

  1. 1.)  Infektionen finden in Innenräumen statt, deshalb sollten sich möglichst wenige Menschen außerhalb ihres Haushaltes dort treffen. Zusätzlich muss man beachten, dass in Innenräumen auch dann eine Ansteckung stattfindet, wenn man sich nicht direkt mit jemandem trifft, sich aber ein Infektiöser vorher in einem schlecht belüfteten Raum aufgehalten hat!
  2. 2.)  Man sollte die Zeiten der Treffen und die Aufenthaltszeiten in Innenräumen so kurz wie möglich gestalten.
  3. 3.)  Man sollte durch häufiges Stoß-oderQuerlüften Bedingungen wie im Freien schaffen.
  4. 4.)  DasTragen von effektiven Masken ist in Innenräumen nötig. In der Fußgängerzone eine Maske zu tragen, um anschließend im eigenen Wohnzimmer eine Kaffeetafel ohne Maske zu veranstalten, ist nicht das, was wir als Experten unter Infektionsvermeidung verstehen . Dabeiist zu beachten, dass der Dichtsitz der Maske für ihre Effektivität mindestens genauso wichtig ist, wie die Abscheideeffizienz des Materials.
  5. 5.)  Raumluftreiniger und Filter sind überall dort zu installieren, wo Menschen sich länger in geschlossenen Räumen aufhalten müssen (Wohnheime, Schulen, Alten- und Pflegeheime,Betreuungseinrichtungen, Büros und andere Arbeitsplätze).
  6. 6.)  In großen Hallen und Räumen ist die Ansteckungsgefahr viel geringer als in kleinen Versammlungsräumen. Wenn man also wieder Theater, Konzerte, und Gottesdienste stattfinden lassen will, sollte das in großen gut gelüfteten Hallen stattfinden oder wenn möglich ins Freie ausgewichen werden.

Die Kombination dieser Maßnahmen führt zum Erfolg. Wird das entsprechend kommuniziert, gewinnen damit die Menschen in dieser schweren Zeit zugleich ein Stück ihrer Bewegungsfreiheit zurück. Wer sich zum Kaffee in der Fußgängerzone trifft, muss niemanden in sein Wohnzimmer einladen. Dort ist die Einhaltung der bekannten Hygieneregeln zu erwarten, zu Hause dagegen nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Christof Asbach

Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung (GAeF)

Dr. Birgit Wehner

Generalsekretärin der Gesellschaft für Aerosolforschung (GAeF)

Dr. Gerhard Scheuch

Ehemaliger Präsident der ISAM (International Society for Aerosols in Medicine)

Dr. Andreas Held

Stellvertretender Präsident der GAeF

Dr. Sebastian Schmitt

Kassenwart der Gesellschaft für Aerosolforschung (GAeF)

Aktualisierung, heute, 19.31 Uhr

Es gibt Erleichterungen für Geimpfte, so schreibt das Sozialministerium hier.

Es wird eine Ausnahmeregelung in die jeweiligen Verordnungen aufgenommen, wonach sich geimpfte, symptomlose Personen künftig nicht mehr in Absonderung begeben müssen, wenn sie Kontakt zu einem COVID-19-Fall hatten. Gleiches gilt für Einreisende aus sämtlichen Risikogebieten im Ausland“, sagte Gesundheitsminister Manne Lucha am Montag (12. April) in Stuttgart. 

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