Abdruck Leserbrief


aus der kleinen Seepost 33/34 in Kressbronn

Der folgende Text wurde AGORA-LA zur Veröffentlichung übermittelt. Er erschien im redaktionellen Teil der „Kleinen Seepost“ in Kressbronn, der nicht zu verlinken ist. Er behandelt die Klimapolitik in Kressbronn, die bereits hier auf AGORA-LA behandelt wurde.

Klimaneutralität: Die Uhr tickt. Nur nicht in Kressbronns Gemeindeverwaltung?

Unbestätigten Insidermeldungen zufolge, sollen in der Gemeindeverwaltung unseres Ortes alle Uh- ren abgeschafft werden! Dies nicht deswegen, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Rathau- ses vom Zeitstress zu befreien, sondern um alle Hinweise zu vermeiden, die darauf hindeuten, es sei fünf vor zwölf in Sachen Klimawandel. War doch in der Seepost zu lesen, dass „der öffentlichen Hand eine gewisse Vorbildfunktion zukomme“. Das im Hinterkopf habend, beschloss die Rathausspitze, dem Klimaschutzpakt des Landes Baden-Württemberg beizutreten und „bis 2040 eine weitgehend klimaneutrale Verwaltung zu werden“. Welch eine Herkulesaufgabe! Schließlich schreiben wir bereits das Jahr 2021 und in weiten Teilen unseres Planeten hat sich das Klima bereits um 1,5 Grad erwärmt. In Kressbronn dagegen haben Starkregen, Hitzewellen und Dürreperioden gefälligst zu warten bis eine Satzung zur Klimaneutralität beschlossen und dann bis in 19 (!) Jahren umgesetzt worden ist. Das sei, so meint unser Bürgermeister „ein klares Zeichen“. Fragt sich nur für was?

Zugegeben, dem Klima ist es ziemlich egal, wenn die Verwaltung einer kleinen Bodenseegemeinde ihre Heizenergie nicht mehr aus Palmöl herstellt, nur noch grünen Strom verschwendet, keine alten Bäume auf ihren eigenen Grundstücken mehr umhaut und Plastikflaschen aus dem Büroalltag verbannt. Viel bedeutsamer ist, was diese Gemeindeverwaltung mit ihren Beschlüssen zur Bautätigkeit im Ort anrichtet. Da werden weiter munter Flächen versiegelt um neue Parkplätze nahe am See zu schaffen. Das noch freie Bodenseeufer wird massiv zugebaut für Wohnungen und ein Hotel, das einer Handvoll Privilegierter den Zugang zum See garantieren soll. Das Radwegenetz ist ein Torso. Der Zusammenhang zwischen Klimawandel und Artenvielfalt und die negativen Auswirkungen auf uns Menschen hat sich noch in (fast) keinem Hirn der Ratsherren fest verdrahtet. Artenschutz wird bei allen Baumaßnahmen als lästiges Übel empfunden und regelmäßig von den Entscheidern weggewogen, aufgeweicht oder durch meist unzureichende Ausgleichsmaßnahmen, die hinterher kein Mensch kontrolliert, ausgehebelt. Das Bodenseeufer ist schließlich zu wertvoll, um es der Natur zu überlassen!

Klappern gehört zum Handwerk unserer -ehrgeizigen – Politiker landauf, landab. Das, was die sagen und das, was durch ihr Tun tatsächlich herauskommt fällt jedoch regelmäßig meilenweit auseinander. Beliebt ist auch der Vergleich mit anderen Gemeinden, gegenüber denen man dann glänzend dasteht, weil sie angeblich noch weniger für den Klimaschutz tun.

Machen wir uns nichts vor: Investitionen in Klimaschutz verlangen von uns allen Einschränkungen im bisherigen Konsumverhalten. Sie sind aber gut angelegtes Geld, schaffen sie doch ein öffentliches Gut, welches man „Überlebensqualität“ nennen könnte. Aber: hüten wir uns vor falschen Vorbildern.

Hubert Max Schuh 12. Aug. 2021

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