Nachhaltige Pressemitteilung


aus dem Rathaus Kressbronn vom 28.10.2021

eingeordnet von AGORA-LA

Gemeinde stellt Kressbronner Pfandkisten auf – ein Beitrag zur Nachhaltigkeit und Solidarität

Damit wertvolle Pfandflaschen nicht im Restmüll landen und Sammlern das Wühlen in Mülleimern erspart bleibt, hat die Gemeinde Kressbronn a. B. nun Pfandkisten aufgestellt. Hier können Pfandflaschen oder auch Pfanddosen hineingestellt werden, statt sie in den Müll zu werfen. Hierdurch wird einerseits Müll vermieden und andererseits Menschen, die sich durch das Sammeln von Pfandflaschen ihr Einkommen verbessern, das unangenehme Wühlen im Müll erspart. 

„Ich hoffe, dass unser System mit den Kressbronner Pfandkisten angenommen wird und wir alle dadurch einen Beitrag zur Müllvermeidung, Nachhaltigkeit und auch zur Solidarität mit Pfandsammlern leisten. Denn das Durchsuchen von Mülleimern nach Pfandflaschen ist nicht nur in Pandemiezeiten unhygienisch. Ich appelliere daher an alle, die Pfandkisten auch zu benutzen oder ihre Flaschen mit nach Hause zu nehmen “, erläutert Bürgermeister Daniel Enzensperger und dankt Bauhofmitarbeiter Johann Stoischek für das Aufbringen des Kressbronner Wappens auf den Pfandkisten.

Im Gegensatz zu sogenannten Pfandringen ist bei den Kressbronner Pfandkisten der Sinn und Zweck sofort ersichtlich. Durch das Design ist dem Betrachter klar, dass hier Flaschen hineingehören. Die Kressbronner Pfandkisten sind neben den öffentlichen Mülleimern angebracht und erleichtern so die Mülltrennung. Zu finden sind insgesamt sechsKressbronner Pfandkisten im Seegarten sowie an der Bodan-Promenade.

Bürgermeister Daniel Enzensperger und Bauhofmitarbeiter Johann Stoischek befüllen eine der Kressbronner Pfandkisten im Seepark

Einordnung AGORA-LA:

Zugegeben das Thema mit den Pfandflaschen liegt inzwischen ein wenig außerhalb der warmen Jahreszeit. Die Pressemitteilungen mit Bildern aus dem Rathaus häufen sich jedoch in letzter Zeit auch zu anderen Themen. Sicherlich ist  ihre Verbreitung dem Bürgermeister-Wahlkampf im nächsten Jahr in Kressbronn geschuldet. Alle können hier gar nicht veröffentlicht werden. Dafür sind dann andere Medien zuständig.

Die Pfandkisten, die schon seit einiger Zeit im Bereich des Anlegers in Kressbronn stehen, kann man nicht zur Seite schieben. Zugegeben ich hatte das versucht. . . . Sie sind fixiert, mit dem Kressbronner Wappen versehen und laden zu einigen Gedanken ein, die man ebenfalls nicht zur Seite schieben kann.

Jeder noch so klitzekleine Beitrag zur Müllvermeidung ist löblich. Keine Frage. Allerdings ist es schon traurig, dass offensichtlich die Flaschen nicht direkt zum Kiosk zurückgebracht oder wieder mit nach Hause genommen werden. Immerhin gibt es Pfandgeld dafür. Das habe ich noch nie verstanden. Das mutet so gar nicht schwäbisch an. Hat hat man das Pfandgeld nicht nötig? Geht es den Leuten zu gut?

Dass es doch Menschen gibt, die auf die wenigen Cents angewiesen sind, zeigt die Kluft zwischen Arm und Reich auch hier am See. Der Nebenjob des Pfandflaschensammlers, der ihn monatlich über die Runden kommen lässt, ist besonders bei sozial Schwachen und Älteren verbreitet. Durchschnittlich sind 80–85 Prozent der Flaschensammler sind männlich und meist über 65 Jahre alt.  Dazu gibt es soziologische Untersuchungen und einen Wikipedia-Eintrag hier.

Wie man sich beim Sammeln fühlt, sehen Sie hier in einem älteren Beitrag beim Deutschlandfunk.

Aber möglicherweise lassen die scheinbar achtlos handelnden Menschen die Flaschen gerade für Menschen in Not liegen. Diese mildtätigeGeste mit den fest verschraubten Kisten zu unterstützen, ist sicher eine gute Idee. Noch besser wäre es allerdings, den bedürftigen Menschen per Gesetz mehr staatliche Unterstützung zukommen zu lassen. Der paritätische Gesamtverband schreibt in einem aktuellen Gutachten zu den Regelbedarfen ab 2022:

“ Nach den Bestimmungen zur Fortschreibung der Regelbedarfe sollen die Regelbedarfe in den Grundsicherungssystemen (insbes. Hartz IV, Grundsicherung im Alter und Erwerbsminderung, Asylbewerberleistungsgesetz) zum 1.1.2022 um 0,76 Prozent fortgeschrieben werden. Eine entsprechende Verordnung hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales vorgelegt. Der Paritätische hatte den Entwurf frühzeitig öffentlich gemacht und als „lächerlich gering“ kritisiert. 3 Euro mehr für Jugendliche und Erwachsene sind viel zu wenig. Diese Anpassung gleicht faktisch nicht einmal die Inflation aus. Die Preise haben sich nach Angaben des Statistischen Bundesamts im Juli 2021 gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,8 Prozent erhöht. Im August stieg die Inflationsrate bereits auf 3,9 Prozent. Insbesondere für Nahrungsmittel muss von den Verbraucher*innen deutlich mehr ausgegeben werden als im Vorjahresmonat (plus 4,6 Prozent im August). Faktisch ist damit die vermeintliche Fortschreibung eine versteckte Kürzung der Leistungen, die eigentlich das menschenwürdige Existenzminium garantieren sollen.“  

Also doch Flaschensammeln in Kressbronn, aber wenigstens nachhaltig grün gewaschen? Ob das reicht mit Blick auf die Weltklimakonferenz in Glasgow? Klimaveränderung trifft immer die armen Länder besonders hart. Und Lücken Beschlüsse zu umgehen, gibt es offensichtlich auch. Hier.

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