Tag der Befreiung


8. Mai 1945 und 2022

Mit der in seiner Rede enthaltenen Aussage von der Befreiung vom Nationalsozialismus im Jahr 1985 prägte von Weizsäcker eine Kernaussage der Erinnerungskultur in der Bundesrepublik Deutschland. Aber es gab damals nicht nur Befürworter für diesen Neuanfang in dieser Erinnerungskultur (vgl hier). Welche Rede würde er wohl heute in Zeiten des Krieges mitten in Europa halten? Welche Worte wird wohl Bundeskanzler Scholz wählen, wenn er heute am frühen Abend zu uns sprechen wird?

Mit gemischten Gefühlen sehen wir auf den 9. Mai, an dem die Russen diesen Tag als Sieg über Nazideutschland feiern. Es ist ihr wichtigster Feiertag. Während in westeuropäischen Ländern wie Frankreich die Kapitulation des Deutschen Reichs am 8. Mai gefeiert wird, ist der Tag in Russland aufgrund der Zeitverschiebung der 9. Mai. Denn die Kapitulationserklärung wurde in der Nacht vom 8.Mai auf den 9. Mai unterzeichnet.

Es ist nicht leicht mit unserer Vergangenheit:

Gerade in der letzten Woche hat das Auswärtige Amt Dokumente zur Nato-Osterweiterung freigegeben. Hier im SPIEGEL ( Bezahlschranke) in Auszügen nachlesbar. 

1991 gab es noch die Sowjetunion mit ihren vielen Nationalitäten, die gegen die Moskauer Zentrale aufbegehrten. Doch Kohl hielt einen Untergang des Sowjetimperiums für eine »Katastrophe«. Wer das anstrebe, sei ein ,Esel‘ Immer wieder machte er daher Stimmung im Westen gegen eine Unabhängigkeit der Ukraine und der baltischen Staaten,[. . . ]“, zitiert DER SPIEGEL aus den Dokumenten.

 DER SPIEGEL fasst weiter zusammen:

 „Am 1. März 1991 lehnte Genscher gegenüber den Amerikanern eine Nato-Osterweiterung mit dem Hinweis ab, es sei den Sowjets »bei den 2 + 4-Verhandlungen bedeutet worden, dass keine Absicht besteht, die Nato nach Osten auszuweiten«.

Sechs Tage später verwies der Politische Direktor des Auswärtigen Amtes Jürgen Chrobog in einer Runde mit Briten, Franzosen und Amerikanern auf das »im 2 + 4-Prozess zum Ausdruck gekommene Verständnis, dass der Rückzug der sowjetischen Truppen vom Westen nicht zum eigenen Vorteil genutzt werden darf«.

Am 18. April erzählte Genscher seinem griechischen Amtskollegen, er habe den Sowjets seinerzeit erklärt, »Deutschland will auch nach der Vereinigung in der Nato bleiben. Dafür wird diese nicht nach Osten ausgedehnt…«.

Am 11. Oktober traf sich Genscher mit seinen Amtskollegen Roland Dumas (Frankreich) und Francisco Fernández Ordóñez (Spanien). Die Aussage des deutschen Außenministers zur Zukunft der Staaten in Mittel- und Osteuropa (MOE) gibt das Protokoll mit den Worten wieder:

»Wir können Nato-Mitgliedschaft von MOE-Staaten nicht akzeptieren (Hinweis auf sowjetische Reaktion und Zusage in 2 + 4-Verhandlungen, dass Nato-Gebiet nicht nach Osten ausgedehnt werden soll). Jeder Schritt, der dazu beiträgt, Situation in MOE und SU zu stabilisieren, ist wichtig.[. . . ]«

Es lohnt sich den gesamten Beitrag im SPIEGEL zu lesen. Weitere Ausschnitte daraus würden das Urheberrecht verletzen und die mühevolle Arbeit zu der Recherche der SPIEGEL-Redaktion nicht würdigen.

Die Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik, die vom Institut für Zeitgeschichte herausgegeben werden, sind zu erwerben. Man kann also richtig einsteigen. Die Pressemitteilung des Instituts dazu lesen Sie hier.

So, und dann ist auch noch Muttertag! Nein, er ist nicht von den Nazis erfunden worden, allerdings ihrer Ideologie entsprechend missbraucht worden.Das kann man hier nachlesen:„ [. . . ] Der Muttertag hat seinen Ursprung in der frühen amerikanischen Frauenbewegung. Die Pastorengattin Ann Maria Jarvis führte 1858 „Mothers‘ Day Works Clubs“ ein, mit denen die soziale Situation von Arbeiterfamilien verbessert werden sollte. Nach dem amerikanischen Bürgerkrieg gründete sie zudem „Mothers‘ Friendship Days“. In dieser pazifistischen Bewegung sollten künftige Kriege verhindern werden.[….]“

Über die Sorgen und Nöte der Mütter um ihre Söhne an der Front auf beiden Seiten möchte man gar nicht weiter nachdenken. 

Trotzdem einen schönen Sonntag und Muttertag in diesen schwierigen Zeiten!

Aktualisierung,8.5.2022, 13.22 Uhr

Eine Rede gibt es schon: Bundespräsident Steinmeier spricht hier anlässlich der Eröffnung des DGB- Bundeskongresses: „ [. . . ] Meine Damen und Herren, dieser Krieg ist ein Bruch mit vielem, was uns als selbstverständlich galt. Er ist ein Epochenbruch.[. . . ]“

Und hier noch der Bundeskanzler Olaf Scholz: „Putin wird den Krieg nicht gewinnen.“ ( 19.08 Uhr)

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