Auf ein Tässchen Kaffee mit dem Bürgermeister

Treffpunkt Dammhäusle

Wieder ein schönes Plätzchen in LA: Das Dammhäusle. Zwischen Wind und Wellen im Windschatten des frisch renovierten Häuschens hat AGORA-LA sich mit Bürgermeister Ole Münder auf einen Kaffee und natürlich auf ein Schwätzchen in frischer Luft getroffen.

Gut geschützt vor Wind und Wetter

Während wir dort sitzen, kommen mehrere Schiffe aus dem In-und Ausland an. LA ist eben international:

Internationale Schifffahrtswege. . . .

AGORA-LA hat Fragen:

AGORA-LA:

Herr Münder, wir sitzen hier hinter dem Dammhäusle, das pünktlich zur 1250-Jahrfeier fertig wurde. Wie ist Ihr Eindruck vom Festjahr bisher?

BM Münder: 

Ich bin in mehrfacher Hinsicht überwältigt. Die Vorbereitungen und die Durchführung durch das Organisationsteam und aller Ehrenamtlichen waren auf Grund jahrelanger Erfahrungen im Veranstaltungsmanagement professionell und alle Programmpunkte damit ein einziger Erfolg! Dass vor allem auch eine familiäre Atmosphäre entstand und man sich wieder begegnen konnte, war mir nach den Corona -Jahren so wichtig!

AGORA-LA:

Es war aber zu Beginn des Jahres nicht einfach zusammen mit dem Bürgerentscheid, in dem es doch manches Mal verbal im Netz hoch her ging. Sie sind angegriffen worden. Trotzdem haben alle zusammen an den Bierbänken gesessen. War das nicht doch schwierig für Sie, damit umzugehen? Zeugt dieses Verhalten von Politikverdrossenheit?

BM Münder: 

Zum einen gehört zu diesem Ort der Zusammenhalt der Menschen. Ich habe es bisher nie anders erlebt: Wenn einer den anderen braucht, dann ist er für ihn da. Das kann der Ort. Das ist der Ort.

Aber es muss auch erwähnt werden, dass es verschiedene Interessengruppen gibt, die eben bei bestimmten Themen wie beim Thema Mooser Weg teilweise sehr emotional und sogar übergriffig agieren und damit eine Schärfe in die Diskussion bringen, die für mich ab einem gewissen Ausmaß nicht mehr nachvollziehbar ist. Das gehört auch zu diesem Ort.

Ich erlebe die Menschen als politisch interessiert, sie lieben ihren Ort und ich finde in jedem Gespräch einen Zugang zu den Menschen. Umgekehrt hoffe ich, dass die Menschen das Gefühl haben, dass sie sich mit ihren Anliegen an mich wenden können. Das ist der Regelfall.

Daher würde ich unterscheiden zwischen polarisierenden Kräften, die teilwiese sehr hart unterwegs sind. Das ist für mich im Zusammenhang mit dem Mooser Weg befremdlich, denn die Aufgabe einer Verwaltung besteht darin, sauber mit diesem Verfahren umzugehen und das war bei diesem Thema nicht einfach.

Politikverdrossenheit ist ein Thema, das mich sehr beschäftigt. Auffällig war, dass beim Bürgerentscheid die Wahlbeteiligung eher gering war. Es hat die Menschen dann wohl doch nicht so interessiert, wie man angesichts der Heftigkeit der Diskussionen manchmal meinen sollte.

Was mich aber auch umtreibt ist, dass wir durch eine umfangreiche Bürokratie im Tempo der Umsetzungen von Projekten gebremst werden. Wir werden uns darin gewöhnen müssen allein durch die Regelungsdichte, die wir haben, nicht so schnell sein können. Hinzu kommt der zunehmende Fachkräftemangel beispielsweise bei den Ingenieurbüros, deren Expertise und Zuarbeit bei vielen Projekten unerlässlich ist.

AGORA-LA:

Apropos Schnelligkeit: Es war zu hören, dass die Kooperation mit Meersburg in Sachen Seewärme am Ende doch nicht laufen wird. Warum nicht?

BM Münder:

Wir sind ursprünglich angetreten, nach und nach mehre Bodenseegemeinden in eine solche Kooperation aufzunehmen. Das hat aus Kapazitätsgründen seitens des Partners, damals die Stadtwerke am See, nicht geklappt. Sie wollten mit Meersburg beginnen und hatten LA angeboten, nachzuziehen. 

LA hat inzwischen Gespräche mit einem neuen Partner geführt, der Nahwärme und inklusive der Seewärme abdecken könnte. Es ist ein sehr komplexes und hochinvestives Thema über Jahre. Wir waren in den letzten Monaten in intensiven Gesprächen dazu. Im Herbst und Winter wird es mehr Informationen  dazu geben. Unser Ziel ist es für dieses Mammutprojekt langfristig für die nächsten Jahre einen stabilen Partner zu haben.

AGORA-LA:

Zu den weiteren kommunalen Themen, die schon lange immer wieder auf der Agenda sind:

Beispielsweise der Aufzug im Schloss, der in der letzten Gemeinderatssitzung im Juli endgültig von einer Mehrheit im Gemeinderat abgelehnt wurde. Wie ist Ihre Einschätzung zu der Entscheidung?

BM Münder:

Ich halte diese Entscheidung für sehr unglücklich. Es wäre die Chance gewesen, die Funktionalität des Schosses dauerhaft nach vorne zu bringen. Es wäre möglich gewesen, den oberen Raum für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen zur Verfügung zu stellen. Es wurde in der Sitzung im Juli 2022 bei einem Ortstermin deutlich, dass es natürlich ein baulicher Eingriff wäre, der deutliche Auswirkungen auf das ästhetische Gefüge im Eingangsbereich hat. (Vgl. Berichterstattung hier)

Nach meiner Wahrnehmung wäre das Konzept – Aufzug mit dem vorgezogenen Pavillon-, das Architekt Weber geplant hatte, sinnvoll gewesen. Man hätte Denkmalschutz und Funktionalität miteinander verbinden können. Auch die Gemeinde hätte diesen Raum gut nutzen können. Nochmal, ich finde die Entscheidung extrem bedauerlich, das sage ich auch in aller Öffentlichkeit.

AGORA-LA:

Nächste Baustelle: Feuerwehrhaus, wie sieht es aus? Es war ein anstrengender Weg. Sind Sie jetzt zufrieden?

BM Münder:

Ja, bin ich. Wir haben durch die Art und Weise, wie das Projekt ursprünglich aufgesetzt wurde, viel Zeit verloren. Wir haben aber auch viel, viel Geld verloren und viel Vertrauen. Ich bin froh, dass die Feuerwehr ihre Ideen und Expertise geduldig eingebracht hat und dies nach wie vor tut und auch das Architekturbüro beständig voranplant. Wenn ein solches Projekt erstmal falsch aufgesetzt wurde, ist es hinterher mit einer großen Kraftanstrengung verbunden, es doch noch erfolgreich zu Ende zu bringen. Hinter den Kulissen wird nun zügig gearbeitet. (Vgl. Berichterstattung dazu hier)

AGORA-LA:

Ein Ausblick? 

BM Münder:

Viele Projekte sind in die Gänge gekommen. Das ist auch einer guten Mannschaft im Rathaus zu verdanken. Gott sei Dank haben wir in der Verwaltung noch keinen Fachkräftemangel. Wir bekommen noch immer hoch motivierte junge Leute. Was mich allerdings umtreibt ist, dass die Verwaltung mit der überbordenden Bürokratie gehemmt wird in der Gestaltung politscher Arbeit. Man stranguliert sich selbst. Aber Rechtssicherheit bedingt umgekehrt nun auch mal bürokratische Anforderungen und wir müssen umgekehrt bei uns doch froh darüber sein, dass die Demokratie funktioniert. Wir dürfen beispielsweise zum Mittel eines Bürgerentscheides greifen, um politische Teilhabe zusätzlich zu Wahlen erlangen. 

AGORA-LA:

Herr Münder, AGORA-LA bedankt sich herzlich für das Gespräch in dieser luftiger Umgebung!

Das hat die Schwäbische Zeitung Bürgermeister Münder hier in ihrem Sommerinterview gefragt.

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