Taschenspielertrick

In der letzten Gemeinderatssitzung am letzten Montag, die immer noch eine Interimssitzung war, wurden laut Schwäbischer Zeitung vom 20. Juli 2019 mit dem Titel Gemeinde greift für Bauhof-Areal tief in die Tasche“ verschiedene  Arbeiten für den  Bauhof vergeben. In der Sitzung verwies der Architekt darauf, dass weitere Kostenüberschreitungen in Zukunft zu vermeiden seien. Es müsse gemeinsam daran gearbeitet werden, nicht durch zusätzliche Wünsche die Projekte zu verteuern. Das ließ den aufmerksamen Zuhörer im Plenum auch ohne Schwäbische Zeitung bereits in der Sitzung aufhorchen. Warum fragten denn beispielsweise im Zusammenhang der nachgereichten Sitzungsvorlage  TOP 5  „Vergabe der Abwasser, Tiefbau- und Straßenbauarbeiten für den  Bauhof“ ( auf der Tagesordnung  stand noch unter TOP 5 „SV folgt“) nur vereinzelt Gemeinderäte kritisch nach?

So heißt es in dieser nachgereichten Sitzungsvorlage, dass im Zuge des wasserrechtlichen Genehmigungsverfahrens mit den Planern das  Konzept „weiterentwickelt“wurde. Was bedeutet das denn? Die „Weiterentwicklung“ ist ein beliebtes  Schlagwort im Vokabular unserer Verwaltung . Sozusagen ein geflügeltes Wort für Kostenerhöhung durch undurchsichtige Planung. Das Wort „Weiterentwicklung“ meint, es hat vorher eine Entwicklung oder Planung gegeben, die dann eben weiterentwickelt wurde. Danach sieht es aber leider wie so oft in LA nicht aus. Dass man dort sensibles Terrain in Hinblick auf Wasserrecht betritt, hätte doch zuvor klar sein müssen. Hat man im Oktober 2018 diese wasserrechtliche Problematik nicht gekannt, als man noch von 350.000 € ausging? Der Laie fragt sich nun schon, welche Fallgruben denn zu so einer Kostenexplosion von nun 615.000 € geführt haben. Fehleinschätzung in Sachen Umweltschutz?  Wohin hat sich denn das Ganze seit Oktober weiterentwickelt?  In Richtung Mehrkosten? Wodurch? Durch Sonderwünsche der Bauherren? Planungsfehler, oder zu späte Klärung der wasserrechtlichen Umstände? Warum gab es erst im Juni 2019 eine Rückmeldung von nur einer Firma? Fragen über Fragen!

Und das alles wieder in einer Interimssitzung zwischen altem und neuen Gemeinderat? Wenn man nicht aufpasst, dann ziehen wir als Bürgerschaft demnächst  unsere leeren Hosentaschen von innen nach  außen!

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2 Antworten auf “Taschenspielertrick”

  1. Dass die Gemeinde Langenargen keine Angebote auf Ausschreibungen erhält, ist ernüchternd und besorgniserregend zugleich. Während der Finanzkrise 2008/9 bewahrte die öffentliche Hand vielfach durch vorgezogene Beauftragungen Bau- und Handwerksunternehmen vor dem Ruin. Gute Unternehmen sollten und haben dies, trotz aktuell guter konjunktureller Lage, nicht vergessen. Wenn keine Bereitschaft zur Angebotsabgabe auf Ausschreibungen besteht, dann könnte der Grund darin bestehen, dass sich die Gemeinde in der Vergangenheit als schwieriger Partner während der Realisierungsphase gezeigt hat. Möglicherweise war das zum Beispiel bei der Sanierung des Strandbades der Fall.
    Die Gründe für die Kostensteigerungen des Investitionsvorhabens Bauhof müssen analysiert werden. „Lessons learnt“ heißt so etwas in der Fachwelt. Keineswegs dürfen aktuelle Kostensteigerungen aufgrund früherer „Ersparnisse“ kritiklos durchgewinkt werden.
    Dass in Langenargen Weiterentwicklungen in Angriff genommen werden, obwohl die Entwicklung noch nicht abgeschlossen und das Vorhaben weder der Bestimmung oder Nutzung zugeführt worden ist, erinnert an den Comic-Helden Lucky Luke: Der schoss bekanntlich schneller als sein eigener Schatten.

    Gerd Kupper

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