Vergessene Mitbürger*innen?

Sie erinnern sich an das Kinderbuch von Michael Ende „Jim Knopf und Lukas  der Lokomotivführer?“ Es zeigte bereits im Jahr 1960 sehr anschaulich die Fürsorge für den Neuankömmling auf der Insel Lummerland. AGORA berichtete.

Das Foto, das ich zuvor bereits auf AGORA-LA verwendet habe, wird in nächster Zeit die Beiträge zum Thema Asyl in unserer Gemeinde begleiten. Es wird immer dort auftauchen, wo man genauer hinschauen sollte, wenn es darum geht, die Menschen wahrzunehmen, die teilweise seit fünf Jahren unter uns leben. Die Leser*innen werden meine Person als Schreiberin dieser Texte direkt in der ich-Form wahrnehmen, weil ich seit fünf Jahren immer noch einer Familie helfe, sämtliche Hürden der Bürokratie zu überwinden. Ich bin mit meinen Berichten zu diesem Thema auf AGORA also direkt betroffen. Und mit mir noch einige wenige Ehrenamtliche, die vom ehemaligen Helferkreis übrig geblieben sind. Deshalb wird es natürlich immer ein Beitrag aus dem Blickwinkel der Betroffenheit sein. Ich hoffe jedoch, dass man auf diese Weise ins Gespräch kommt und freue mich auf Rückmeldungen! Gerade nach den Tagen in Lindau sollte man in der Gemeinde auch seitens der beiden Kirchen mehr Gesicht zeigen. Der geplante Städle-Tag im September in LA böte dazu eine gute Gelegenheit. . . .

Es gibt seit einiger Zeit ein neues, altes Haus in der Unteren Seestraße, das zunächst als sogenannte Erstunterkunft direkt dem Landratsamt unterstellt war. Von dort wurden die Bewohner von dem Besuchsdienst der Sozialarbeiter betreut. Nun ist das Schild, das auf das Landratsamt (LRA) verwies, verschwunden. Auf Nachfrage beim LRA wurde bestätigt, dass das Haus mit seinen Bewohner nun als Anschlussunterkunft der Gemeinde LA in die Betreuung gegeben wurde. Die Gemeinde LA hat innerhalb des Gemeinde-Verwaltungsverbandes (GVV)eine Reihe von Anschlussunterkünften, in denen inzwischen Geflüchtete wohnen, die noch im Asylverfahren stecken oder ein Bleiberecht haben. Die Räumlichkeiten wurden teilweise von der Gemeinde angemietet und gelten als Obdachlosenunterkünfte. Dieses Haus und weiteres Haus, das der Gemeinde für Geflüchteten über eine wohltätigen Erblasser zur Verfügung gestellt wurde, sind noch nicht im Verzeichnis der Obdachlosenunterkünfte von LA zu finden.Die Rechte der in Obdachlosenunterkünften lebenden Bewohner sind beschränkt und unterliegen dem Polizeirecht. Die Miete wird anteilig vom Sozialamt oder komplett von den Bewohnern übernommen, wenn sie in Arbeit sind. Dies ist erfreulicherweise häufig der Fall!

Zufällig bekam ich Kontakt zu einigen Bewohnern in der Unteren Seestraße. Sie lobten die Arbeit, die zuvor die Betreuung durch das LRA geleistet hatte. Seit die Bewohner*innen über  die Gemeinde  Langenargen betreut würden, fühlten sie sich jedoch verlassen und kaum durch die einheimische Bevölkerung wahrgenommen. Um nähere Informationen auch zu anderen geflüchteten Menschen und Einheimischen zu bekommen, hätte man gerne regelmäßige Treffen.  Auch in weiteren Gesprächen mit anderen geflüchteten Mitbürger*innen in LA wurde immer wieder der Wunsch geäußert, sich gemeinsam  mit uns Einheimischen sich zu treffen. 

Natürlich wäre dies weiterhin mit  ehrenamtlichem Engagement verbunde. Die Alltagsarbeit  im Kampf mit der  Bürokratie jedoch lässt einen nach  fünf  Jahren Ehrenamt schon verzweifeln . Ja, es hat sogar manchmal den Anschein, man störe als ehrenamtliche Helfer eher die bürokratischen Kreise. Man fühlt sich lästig.  Der Datenschutz wird gerne Stoppschild benutzt. Aber das ist eine Geschichte für weitere Beiträge an dieser Stelle in der Zukunft!

Integration bedeutet mehr als nur Formulare auszufüllen, Nebenkostenabrechnungen von der Gemeindekasse zu kontrollieren, Anträge zu schreiben oder Mülltrennung  und Kehrwoche in Deutschland  zu  trainieren!  Dazu gehört  auch nicht unbedingt vorrangig die  Besichtigung  der örtlichen Kläranlage mit  anschließendem Zertifikat!

Das Integrationsmanagement der Gemeinde hat wichtigere  Aufgaben und gehört  wiederum zum GVV. Der  Aufgabenbeschreibung nach soll es die Verbindung zu  Helfern, Geflüchteten  und Kommune  bilden. Seitens dieses Sachgebietes  Integration  hört man zu wenig. Wenn dort vielleicht wegen Arbeitsüberlastung mehr Hilfe (mehr  Personal, bessere Arbeitsbedingungen) benötigt wird, so sollte  man diesen  Hilfeschrei deutlich hören. So ist bekannt, dass die Fluktuation der Mitarbeiterin diesem Arbeitsplatz der Gemeinde hoch ist. Schaut man dieser Stelle weg, wird es nur schwer eine kontinuierliche Betreuung geben und der gute Wille der Ehrenamtlichen ausgenutzt. Auch der neue Gemeinderat sollte sich mit den Belangen der Neubürger beschäftigen, sonst schaffen wir das nicht!