Zahlenspiel am Bodensee

EBC: mehr als nur Spielgeld ?

Es war in der Gemeinderatssitzung im Juni. Die Sitzung bei brütender Hitze, die in der Interimszeit zwischen der Kommunalwahl und Vereidigung des neuen Gemeinderates stattfand, als in Windeseile am 5.6.2019 über die Weiterführung der Echt- Bodensee-Card (EBC) beschlossen werden sollte.

Für diese Entscheidung wurden Informationen an die Interimsgemeinderäte sehr spät ausgegeben, da die für die Abstimmung wichtigen Informationen laut Anfrage der Rechtsaufsicht an die Gemeindeverwaltung erst am 3.6.2019 versandt wurden. In der betreffenden Sitzung war die neue Geschäftsführerin der DBT (Deutsche Bodenseetouristik) Frau Stegmann anwesend, um die Hintergründe des DBT-Vertrages in Zusammenhang mit der Gästekarte EBC (Echt -Bodensee-Card) zu erläutern. 

Seit einigen Tagen liegt nun der Beteiligungsbericht des Bodenseekreises vor. Dort werden ab S.67 auch die Zahlen der DBT veröffentlicht. AGORA hat in der letzten Woche in einer Presseanfrage mehrere Fragen zu den dort veröffentlichten Zahlen an Frau Stegmann gestellt und am 25.11.2019 Antworten erhalten.

In der Zwischenzeit  erschien in der Schwäbischen Zeitung vom 29.11.2019 ein Bericht über eine Partnerschaft  der Insel Mainau mit der Echt-Bodensee-Card, der suggeriert, dass die Insel Mainau ein Partner sei wie alle anderen Touristen-Gemeinden auch. Aber der Reihe nach. Zunächst die Fragen von AGORA an Frau Stegmann und ihre Antworten:

1.Frage: Das Anlagevermögen ist in 2018 gegenüber 2017 mit 195,3 TEUR um das 4,6-fache angestiegen. Welche wesentlichen Sachanlagen sind in 2018 angeschafft worden, so dass es zu diesem Anstieg kam?

Den größten Anteil macht hierbei der neue Messestand für die CMT in Stuttgart mit über 170.000,-€ aus. Die DBT ist Hauptaussteller bei der CMT in Stuttgart und trägt die Investitionskosten. Die beteiligten Gemeinden, Regionen und auch einzelnen Hotels- und Tourismusbetriebe mieten sich für die Messe bei der DBT ein. Ein weiterer Teil ist durch die Anschaffung neuer PCs für die Mitarbeiter zu erklären.

2. Die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände sind in 2018 gegenüber 2017 mit 184,7 TEUR um das 4,9-fache angestiegen. Sind dies Forderungen gegenüber teilnehmenden Gemeinden? Oder: Sind dies im wesentlichen Forderungen aus Schadensersatzansprüchen? Falls nein, wie setzen sich diese Forderungen zusammen?

Den größten Anteil der Forderungen machen Anteile am Solidarbeitrag aus, welche noch nicht abgerechnet wurden. Der Solidarbeitrag wird über das Jahr hinweg in Abschlagszahlungen, basierend auf den Übernachtungszahlen des Vorjahres von den Gemeinden eingezogen. Am Anfang des Folgejahres wird dann anhand der tatsächlichen Übernachtungszahlen abgerechnet.

3. Die Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung sind in 2018 mit 215 TEUR gegenüber 2017 um das 5,8-fache angestiegen.Wie ist das zu erklären?

Diese Position ist wieder zum großen Teil mit dem Messestand zu erklären. Die Rechnungsstellung erfolgte bereits in 2018, die Bezahlung erst in 2019.

4. Der Materialaufwand betrug in 2018 179,5 TEUR.Nachdem der Materialaufwand in den Jahren 2013 – 2016 0 EUR betrug: Wie setzen sich diese 179,5 TEUR zusammen? Für welche Materialien?

Hierunter werden die Lizenzgebühren, welche die DBT noch für die Aufrechterhaltung des alten Geios-Systems bezahlen musste, zusammengefasst.Hier gab es in 2018 noch vertragliche Verpflichtung – auch für die Aufrechterhaltung der ECHT BODENSEE APP. Seit Ende 2018 ist dieses Vertragsverhältnis beendet.

5. Der Personalaufwand ist in 2018 gegenüber 2017 um 15,4 % angestiegen, was nicht mit tariflichen Erhöhungen erklärt werden kann. Wie ist der Anstieg der Personalaufwendungen zu erklären? Beschäftigt die DBT in 2018 gegenüber 2017 mehr Vollzeitäquivalente? Wenn ja, wie viele?

Es gab in 2017/2018 einige personelle Veränderungen. So wurde eine Auszubildende in eine Festanstellung übernommen und Mitte 2018 eine neue Stelle im Bereich Gästeservice geschaffen. Ende 2018 waren insgesamt 6 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Vollzeit und eine Mitarbeiterin in Teilzeit beschäftigt.

6. Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen sind in 2018 gegenüber 2017 um 18,5 % angestiegen. Welcher sonstige betriebliche Aufwand war in 2018 für den Anstieg verantwortlich?

Unter diesen Bereich fallen auch die ganzen Marketingkosten. Hier waren mit 55.000,– € vor allem die höheren Kosten für die CMT in Stuttgart verantwortlich. Bei den Umsatzerlösen finden Sie dann auch die höheren Einnahmen durch die Beteiligungen der Gemeinden, etc. Da in 2018 die CMT erstmalig durch die DBT organisiert wurde, fallen sowohl Aufwendungen als auch bei den Erlösen höhere Beträge als im Vorjahr an. Ein weiterer Punkt für die höheren betrieblichen Aufwendungen sind gestiegene Mietkosten und höhere Kosten im Bereich der allgemeinen Marketingaktivitäten

Lesepause: die Einschätzung folgt in einem separaten Beitrag im Laufe des Tages

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