Bevölkerungsentwicklung


Kommentar E.Fendi

Als bei der Lesung des Haushaltsplanes die leicht rückläufige Bevölkerungs-(Einwohner-)Entwicklung von Langenargen vorgestellt wurde, fragte Gemeinderat Dillmann (FW), ob denn dann wirklich zusätzlicher Wohnraum benötigt würde. Anders der Fraktionsvorsitzende Terwart der CDU, für den fehlender neuer Wohnraum oder fehlende Bauplätze zwangsläufig zu einer Abwanderung und einem Rückgang der Bevölkerung führt.

Nach der letzten Gemeinderatssitzung am 23.03.2021 die Schwäbische Zeitung: Zahl der über 80-Jährigen nimmt stark zu: Gemeinderäte sorgen sich um Vereins- und Sozialstrukturen.“ Weiter heißt es dort, dass in Langenargen seit 2016 die Bevölkerungsdichte sinke, dem gegenüber steige die Bevölkerungsdichte in BW.

Dass die Bevölkerung zunehmend älter wird, ist keine neue Erkenntnis, beschränkt sich nicht auf Langenargen und der Umgang damit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabenstellung.

Wer das Datenmaterial des Statistischen Landesamtes auswertet, gelangt zu der Erkenntnis, dass in der Altersgruppe von 25 bis 40 Jahre – also den Bauwilligen – die Einwohnerzahl in Langenargen stärker rückläufig ist als in Nachbargemeinden und auch im Land. Kehren die „jungen Leute“ Langenargen den Rücken, weil sie noch bei den Eltern wohnen und weder angemessenen Wohnraum oder Bauplätze finden? Wohl kaum, die meisten wohnen sicherlich nicht mehr bei den Eltern. Das Datenmaterial zeigt, dass die mehrjährige Bilanz zwischen Fortzügen und Zuzügen in der relevanten Altersgruppe in etwa ausgeglichen ist. Das bedeutet doch, dass der durch Fortzüge freiwerdende Wohnraum in Langenargen nach wie vor neue Mieter oder Käufer findet.

In einer zunehmend internationalen und globalen Welt funktionieren Karrieren heute anders als früher und bedingen auch häufiger Arbeitsplatzwechsel und Umzüge. Das kann zweifelsfrei Auswirkungen auf Vereine und Ehrenämter haben. Aber sind NeubürgerInnen denn nicht integrationsfähig und -willig, können sie nicht auch für Vereine und Ehrenämter geworben werden? Es mag sein, dass neue Strukturen unumgänglich sind und Aufgaben anders verteilt werden müssen, sollen Leistungen und Angebote aufrecht erhalten bleiben. 

Dass die Bevölkerungsdichte ( Einwohner je qkm) in Langenargen seit 2016 leicht abgenommen hat und im Landesdurchschnitt angestiegen ist, kann kein Argument für massives Bauen in Langenargen sein. Unerwähnt blieb, dass die Bevölkerungsdichte (501/qkm) in Langenargen jahrzehntelang im Vergleich zum Landesdurchschnitt deutlich stärker angestiegen ist. (s. Bevölkerungsdichte der Nachbargemeinden: 310/qkm, Kressbronn 426/qkm, Eriskirch 335/qkm, Ergänzung AGORA))

Der Regionalplan spezifiziert für die Region Bodensee-Oberschwaben (3 500 qkm) bis 2035 einen zusätzlichen Wohnraumbedarf für 65 000 Einwohner. Übrigens eine Zahl, die in der gesamten Regionalplandiskussion hoch umstritten ist und zu Protesten verschiedenster Gruppen in der Region geführt  hat. Wenn alle Kommunen, Gemeinden und Städte, in gleichem Verhältnis diesen Wohnraumbedarf realisieren müssten und die Basis die Gemeindefläche ist, dann müsste Langenargen (Fläche 15,28 qkm) bis 2035 Wohnraum für 283 Einwohner (Verhältnis: 3 500 qkm – 65 000 Einwohner) schaffen. Mit durchschnittlich 2,1 Einwohner pro Wohnung führt die Betrachtung zu einem Bedarf von 135 Wohnungen – bis 2035. Das in letzter Zeit häufig diskutierte Projekt „Naturella“ deckt diesen Bedarf. So gesehen gibt es eigentlich keine Notwendigkeit für ein weiteres Neubauprojekt. 

Alternativer Wohnraum?

Was sicherlich zutrifft: Langenargens exponierte Lage am See ist derart begehrt, dass selbst die hässlichste und schattigste Neubauimmobilie Interessenten findet. Werden Nachverdichtungen und Neubebauung weitergetrieben, dann wird Langenargen zunehmend unattraktiver. Mag sein, dass dies der Weg zu bezahlbarem Wohnraum ist. Aber die  Entwicklungsmöglichkeiten sind durch den Regionalplan sowieso begrenzt: Bauflächen orientieren sich nur am Bedarf der natürlichen Bevölkerungsentwicklung und am inneren, also Eigenbedarf in Langenargen. Hier unter 2.4.3:

„ Als Gemeinden mit Beschränkung auf Eigenentwicklung werden ausgewiesen: 

Im Uferbereich des Bodensees die Gemeinden Daisendorf, Eriskirch, Hagnau a.B., Immenstaad a.B., Kressbronn a.B., Langenargen, Meersburg, Sipplingen, Stetten und Uhldingen-Mühlhofen. 

Im Donautal die Gemeinde Beuron. 

Im Verwaltungsraum Altshausen die Gemeinden Eichstegen, Guggenhausen und Unterwaldhausen.“ (Hervorhebungen AGORA)

Es zeigt sich, dass die Diskussion über bezahlbaren Wohnraum und vermutetem Wohnraumbedarf nicht mit einer eindimensionalen Betrachtung von Bevölkerungsentwicklung und-dichte geführt werden kann. Bürgermeister Münder ist zuzustimmen, wenn er mahnt, dass „ [wir] diese Entwicklung bei unseren Entscheidungen in Zukunft noch stärker berücksichtigen …[müssen]“. Und das bedeutet, dass in der Analyse ein dickes Brett gebohrt werden muss.

Bietet vielleicht der Maischerz von 2018 auch eine mögliche Alternative?

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